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Hawker-Siddeley Kestrel FGA.1

hatte etwas mehr als ein Jahr vor seinem Nachfolger, dem Harrier, seinem Erstflug

Hawker hatte seit den 1950er Jahren privat ein senkrecht startendes Flugzeug unter dem Code P.1127 entwickelt. Der Erfolg dieses privaten Unternehmens und das daraus resultierende Serviceinteresse führten 1962 zu der Ankündigung, dass eine „Tripartite Evaluation Squadron“ (TES) gebildet werden sollte.

 

Die Kestrel war eine weiterentwickelte Version der P.1127 und neun Exemplare des Typs wurden für den Einsatz bei der TES während ihres Betriebs im Jahr 1965 bestellt. Die TES war in der RAF West Raynham stationiert und umfasste Piloten aus Großbritannien, den USA und Westdeutschland. Seine Aufgabe war es, den senkrecht startenden Kestrel unter Betriebsbedingungen zu bewerten.

 

Neben West Raynham nutzte die TES auch zwei nahe gelegene verlassene Flugplätze als halb vorbereitete Standorte. Buckenham Tofts in der Stanford Training Area wurde als unvorbereiteter Standort genutzt und ermöglichte es dem Geschwader, seine Flugzeuge in bewaldeten Gebieten zu verstecken.

 

Der Erfolg des Kestrel kam etwas mehr als ein Jahr vor seinem Nachfolger, dem Harrier, seinem Erstflug. Harriers sollten bis 2011 im Dienst der RAF stehen.

Besatzung1
Erstflug1960 (Hawker P.1127)
.1989 (BAe Harrier GR7)
Triebwerk.
Anzahl1
TypTurbofan-Triebwerk
.mit Schwenkdüsen
HerstellerRolls-Royce
MusterPegasus Mk 103
Leistung jeweils96,8 kN (9.866 kg)
Flugleistung.
Höchstgeschwindigkeit965 km/h
Dienstgipfelhöhe15.240 m
Einsatzradius167 km mit maximaler Waffenlast
Überführungsreichweite3.250 km mit Außentanks
Massen.
Leermasse6.765 kg
maximale Startmasse9.342 kg beim Senkrechtstart
.14.061 kg beim Kurzstart
Treibstoffmasse3.520 kg intern
.3.660 kg extern
Waffenlast4.175 kg an 9 Pylonen
Abmessungen.
Spannweite9,25 m
Länge14,12 m
Höhe3,55 m
Tragflägelfläche21,37 m²
..

Das Prinzip:

 

Das Flugzeug schwebt auf dem Schubstrahl der schwenkbaren Düsen. Feinsteuerung und Stabilität weArden durch entsprechende kleinere Düsen in Bug und Heck sowie an den Tragflügelspitzen erreicht. Man unterscheidet zwischen dem heizen Abgasstrahl des Strahltriebwerks und dem kalten Strahl der Turbinenschaufeln, die aufeinander abgestimmt sind.

Das Rolls Royce Pegasus ist ein Turbofan-Triebwerk, das ursprünglich von Bristol stammt. Dieser einzigartige Antrieb wird in allen Versionen des Senkrechtstarters Hawker Siddeley Harrier eingesetzt (heute BAe British Aerospace). Rolls-Royce lizenzierte Pratt & Whitney zur Herstellung des Pegasus für die US-Versionen.

 

Das Pegasus ist ein Zweiwellen-Turbofan-Triebwerk mit Schubvektorsteuerung. Es besitzt einen dreistufigen Niederdruck- sowie einen achtstufigen Hochdruckverdichter, die durch je zweistufige Niederdruck- bzw. Hochdruck-Turbinen angetrieben werden. Ungewöhnlich an dem Triebwerk ist, dass sich Hochdruck- und Niederdruckwellen in entgegengesetzte Richtungen drehen, um Kreiseleffekte bei niedriger Geschwindigkeit zu vermindern.

 

Der Antrieb besitzt eine einfache Schubvektorsteuerung mit vier schwenkbaren Düsen, die sowohl den Schub für den Auftrieb als auch für den Antrieb nach vorn liefern, so dass ein STOVL-Flug (Senkrechtstart) möglich wird. Die beiden vorderen Düsen werden mit Luft aus der Niederdrucksystem, die hinteren mit heißem (650°C) Jet-Abgas betrieben. Von entscheidender Bedeutung ist die simultane Beweglichkeit aller vier Schwenkdüsen.

 

Die Bristol Engine Company begann die Arbeit an der Pegasus im Jahre 1958. Das Triebwerk wurde in Zusammenarbeit mit dem Prototyp der Hawker Siddeley Harrier, die ihren Erstflug 1960 hatte, gebaut. Es entstand aus dem Bristol Orpheus. Die Niederdruckeinheit kam aus dem Bristol Olympus-Antrieb (heute Rolls-Royce Olympus). Produktion und Entwicklung des Pegasus wurde nach dem Aufkauf von Bristol durch Rolls-Royce im Jahre 1966 von dieser Firma fortgesetzt. Bis heute sind mehr als 1.200 Triebwerke dieses Typs hergestellt worden.

Geschichte des “Harrier”:

 

Das ab 1965 mit “Harrier” bezeichnete Muster wurde schnell zum lnbegriff des senkrechtstartenden Militärjets. Das inzwischen Pegasus genannte Turbofan-Triebwerk mit umlenkbarem Schub läßt Starts und Landungen unter widrigsten Bedingungen zu.

 

Die Harrier-Baureihe ging aus britischen Versuchen mit VTOL (Vertical Take Off and Landing) Flugzeugen hervor, die 1957 begannen. Sir Sidney Camm (Hawker Aircraft) und Dr. Stanley Hooker (Bristol Siddeley Engines) entwickelten auf der Basis des Turbofan-Triebwerkes BS.53 ein taktisches Kampfflugzeug. Jeweils zwei im mittleren Teil des Hochdeckers paarweise angeordnete, maximal 93 Grad abwärts schwenkbare Düsen drückten mit ihrem Abgasstrahl den Jet nahezu senkrecht nach oben und gegebenfalls rückwärts. Durch steuerbare Bewegung des umleitenden Rohres wird der Luftstrom stufenlos entweder nach unten oder nach hinten geleitet, um zum waagereichten Gradeausflug überzugehen. Das Flugzeug kann auch seitwärts fliegen und in der Luft stehen.

 

1960 hatte der Prototyp Hawker Siddeley XV-6A Kestrel seinen Jungfernflug, und 1964 mündete die Entwicklung schließlich in das Modell Hawker Siddeley P.1127 Kestrel FGA Mk.1. In Großbritannien wurde zum Test dieses Typs eine Staffel mit Flugzeugführern aus dem Herstellerland, der Bundesrepublik Deutschland und den USA gebildet. Der erste Harrier Mk.1 wurde 1969 von der Royal Air Force in Dienst gestellt. Unter der Bezeichnung AV-8A setzte auch das US-Marine Corps die GR.Mk.1 ein. British Aerospace, die Ende der siebziger Jahre Hawker-Siddeley übernommen hatten, entwickelten schließlich mit McDonnell-Douglas das Modell AV-8B (Jungfernflug 1978), das bei doppelter Waffenlast seine Reichweite ebenfalls verdoppelte.

 

Eingesetzt wurde der Harrier anläßlich des Falklandkrieges Anfang der 80er Jahre gegen Argentinien. Er kann kurz aus der Deckung auftauchen und genauso schnell wieder verschwinden. Landebahnen sind nicht erforderlich. Der See-Harrier – eine robustere Variante dieses Flugzeugtyps – wird auf Flugzeugträgern mit verkürzter Landefläche verwendet, bei denen normale Flugzeuge über eine Art Rampe, bzw. Sprungschanze katapultiert werden müssen. Bei voller Zuladung startet auch der Harrier nicht senkrecht, sondern muß auf Flugzeugträgern katapultiert werden, um mehr Gewicht transportieren zu können. Landen kann er dort nur mit abgeworfenen Bomben.

 

Markant ist, dass er statt drei nur zwei einziehbare Räder in der Mitte des Rumpfes hat. Die äußeren klappbaren Stützräder dienen lediglich der Stabilisierung nach dem Aufsetzen.

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