National Museum of the
United States Air Force

Kampfflugzeuge der Nachkriegszeit

Mikojan-Gurewitsch MiG-15bis: Ein abtrünniger nordkoreanischer Pilot flog das ausgestellte Flugzeug 1953 zur Kimpo Air Base in Südkorea

Mikoyan-Gurevich MiG-15 - UdSSR

Die Sowjetunion entwickelte das Jagdflugzeug MiG-15 nach dem Zweiten Weltkrieg, das 1949 in Dienst gestellt wurde. Bis 1952 lieferten die Sowjets die MiG-15 (NATO-Codename „Fagot“) an eine Reihe kommunistischer Satellitennationen, darunter Nordkorea. 1950 begannen die Sowjets mit der Produktion einer leistungsfähigeren Version, der hier abgebildten MiG-15bis. Die MiG-15bis verwendete einen stärkeren Motor und hydraulisch verstärkte Querruder. Während des Koreakrieges operierten Versionen der MiG-15 gegen Streitkräfte der Vereinten Nationen, die durch ein UNO-Mandat legitimiert waren.

Ein desertierter nordkoreanischer Pilot flog das ausgestellte Flugzeug am 21. September 1953 zur Kimpo Air Base in Südkorea. Das Flugzeug lieferte wichtige Geheimdienstdaten, zumal es sich um die Weiterentwicklung der MiG-15 handelte. Nach umfangreichen Flugtests boten die USA an, das Flugzeug an seine „rechtmäßigen Eigentümer“ zurückzugeben. Das Angebot wurde ignoriert und im November 1957 dem Museum zur öffentlichen Ausstellung übergeben.

Mikoyan-Gurevich MiG-15 bis - UdSSR

Technische Daten:

Länge

10,10 m

Spannweite

10,10 m

Höhe

3,70 m

Leergewicht

ca. 3.690 kg

max. Startgewicht

ca. 6.045 kg

Antrieb

1 x Klimow WK-1 Strahltriebwerk

Schub

26,5 kN

max. Geschwindigkeit

ca. 1.044 km/h in 3.000 m Höhe

Reisegeschwindigkeit

ca. 840 km/h

Steigleistung

46 m/s

Reichweite

2.000 Km

Aktionsradius

550 Km/h

Flughöhe

16.200 m max.

Flugdauer

max. 2 Stunden

Bewaffnung:

1 x 37-mm N-37 Maschinenkanone

.

2 x 23-mm NS-23 Maschinenkanone

.

     oder NR-23

.

500 kg Unterflügellast

Technische Kurzbeschreibung:

  • Rumpf: Ganzmetall-Halbschalenbauweise mit Spants und Stringern und tragender Außenhaut aus Duralumin - im Bug geteilte Ansaugöffnung - am Heck seitliche Bremsklappen
     
  • Tragwerk: freitragender Mitteldecker in Ganzmetallbauweise - zwei Holme aus Stahl - Rippen aus Duralumin - auf jedem Flügel zwei Grenzschichtzäune, die der Flugstabilisierung dienen
     
  • Leitwerk: freitragende Normalbauweise - Höhenleitwerk nach oben versetzt - Seitenleitwerk um 56° gepfeilt - Höhenleitwerk um 40° gepfeilt
     
  • Fahrwerk: einziehbar mit Bugrad und ölpneumatischer Dämpfung;- hydraulische Betätigung - Notbetätigung durch Druckluft
Mikoyan-Gurevich MiG-15 bis - Kampfjet
Mikoyan-Gurevich MiG-15 bis - Cockpit

Strahltriebwerk Klimow WK-1: Sowjetisches Turbojet-Triebwerk zur Nutzung in der MiG-15bis

Das Klimow WK-1 war das erste sowjetische Strahltriebwerk, das in Großserie gefertigt wurde. Die Buchstaben der Bezeichnung sind die Initialen des Konstrukteurs Wladimir Klimow. Der Ursprung des Triebwerkes Klimow WK-1A liegt im englischen Rolls-Royce NENE II. Es ist die leistungsgesteigerte Weiterentwicklung der Lizenztriebwerke RD-45 und des WK-1, erreichte jedoch einen um etwa 30 Prozent höheren Schub als das Ausgangsmuster, ohne dass die äußeren Abmessungen vergrößert wurden. Es diente Anfang der 1950er Jahre als Standartantrieb für viele Experimental- und Serienflugzeuge der verschiedenen sowjetischen Konstruktionsbüros. Als bekannteste Typen gelten das Jagdflugzeug MiG-15bis, MiG-17 und der taktische Bomber Iljuschin IL-28.

Es handelt sich um ein Einwellentriebwerk mit einem einstufigen Radialkompressor, der über zwei Einlässe verfügte. Die Verbrennungsluft wurde durch neun einzelne Brennkammern zur einstufigen Turbine geführt. Die Luftfahrtzulassung konnte im Dezember 1948 erteilt werden. Es wurde in der Mikojan-Gurewitsch MiG-15bis verwendet. Eine Variante WK-1A mit geändertem Getriebe und besserer Haltbarkeit löste das Ursprungstriebwerk in der Serienfertigung ab und wurde bei den Mustern der Mikojan-Gurewitsch MiG-17, der Iljuschin Il-28 und der Tupolew Tu-14 eingesetzt. Eine Version mit Nachbrenner, als WK-1F (Forsasch) bezeichnet, wurde ab 1951 hergestellt und kam in späteren Versionen der MiG-17 (F, PF und R) zum Einsatz. Darüber hinaus fand es jedoch auch in weiteren Flugzeugen Verwendung. Das Triebwerk wurde auch in Polen, der Tschechoslowakei und in China gefertigt. Dort lief die Produktion bis 1958. Es wurden insgesamt über 20.000 Aggregate hergestellt.

Wegen der unterschiedlichen Einbauanforderungen kann das Triebwerk entsprechend modifiziert werden. So ist das Hilfsgetriebe bei der MiG-17 oberhalb des Hauptgetriebes montiert. Beim Einsatz in der IL-28 ist es dem Hauptgetriebe vorgesetzt. Auch verfügt diese Version über einen zusätzlichen Heißluftkollektor. Das Gasaustrittssystem kann ohne Verlängerungsrohr, oder mit spezifischen Schubrohren je nach Flugzeugtyp ausgestattet werden.

Eine Lizenzproduktion erfolgte in Polen unter der Bezeichnung LIS-5 und in der CSSR als Walter M-06. Dieses Triebwerk zeichnet sich besonders in einer guten gasdynamischen Stabilität, durch Robustheit und Zuverlässigkeit aus. Es wird deshalb noch in der jetzigen Zeit weltweit im Bodendiensteinsatz genutzt. Anwendungsbereiche sind hier z. B. der Feuerlösch- und Katastrophenschutz.

Technische Daten:

  • Baumuster: Turbojet mit Radialverdichter
  • Konstrukteur: OKB „Klimow" Leningrad
  • Hersteller: Moskauer Maschinenfabrik "Roter Oktober", heute Chernyshew"
  • Verdichter: 2-stufiger Radialverdichter
  • Brennkammer: 9 Einzelbrennkammern
  • Turbine: Axial, 1 stufig ungekühlt, geschmiedet
  • Schubsystem: starre Schubdüse, ohne Nachbrenner, Einsatz verschiedener Verlängerungsrohre sind möglich
  • Anlasser: Elektrostarter
  • Regelsystem:
            hydro-mechanisch mit 2 Tauchkolbenpumpen,
            Kraftstoffmengenregelung mit Barostat
  • Länge: 2540 mm
  • Durchmesser: 1280 mm
  • Gewicht: 884,5 kg
  • Startschub: 26,5 kN/2700 kp
  • Drehzahl: 11560 U/min
  • Spez. KS-Verbrauch: 110 kg/kN/h
  • Maximale Abgastemperatur hinter Turbine: 720°C

Allgemeine Beschreibung der MiG-15:

Die MiG-15 bis war das erste in Großserie gebaute Düsenflugzeug der UdSSR. Es flog in vielen Luftstreitkräften bis in die 1970er Jahre. Der Entwurf stammt von 1948. Die Konstrukteure nutzten die deutschen Forschungsergebnisse zu gepfeilten Tragflächen. Da damals in der Sowjetunion kein eigenes geeignetes Triebwerk zur Verfügung stand, wurde das britische Rolls-Royce-Nene Triebwerk kopiert, welches Großbritannien ganz offiziell in die UdSSR geliefert hat.

Die MiG-15 war ursprünglich als Abfangjäger konzipiert, der vor allem schwere Bomber abschießen sollte. Der erste Prototyp flog im Dezember 1947. 1949 begann die Serienproduktion und die Maschine wurde in den aktiven Dienst der sowjetischen Luftwaffe gestellt. Die MiG-15 war für den Einsatz von unbefestigten Feldflugplätzen ausgelegt. Zahlreiche Luken erleichterten den Technikern die Wartung unter Feldeinsatzbedingungen. Für den gleichen Zweck konnte der Hinterrumpf zum Triebwerktausch abgezogen werden.

Weltbekannt wurden die MiG-15 durch den Koreakrieg. Hier deklassierten sie bei ihrem Ersteinsatz die amerikanischen Strah!flugzeuge. Die USA konnten erst mit der F-86 Sabre ein gleichwertiges Jagdflugzeug aufbieten.

Die Sowjets versuchten ihren Vorsprung mit dem Bau der MiG-15 BIS auszubauen, die über ein stärkeres Triebwerk verfügte und dadurch schneller flog, sowie eine größere Höhe erreichte. Allerdings ging dieser Umbau auf Kosten von Flugstabilität und Manövrierbarkeit, so dass auch die modifizierte MiG keinen entscheidenden Vorteil im Kampf errang.

Polen (Lim-1, Lim-2), die CSSR (A-102, S102) und China (Janjiji-2) übernahmen die Lizenzproduktion. In großen Stückzahlen hergestellt, flog die MiG-15 UTI in fast 40 Ländern Europas, Asiens, Afrikas und Amerikas. Es wurden alleine in der Sowjetunion über 8.000 Stück gefertigt.

Die NVA der ehem. DDR erhielt im Juni 1956 ihren ersten MiG-15 BIS aus der CSR. Als Einsatzmuster spielte die Maschine hier keine große Rolle. Auf diesem Muster erfolgte ausschließlich die Kampfausbildung auf Strahlflugzeugen. Bereits ein Jahr später wurden die Jäger in den LSK/LV durch die MiG-17 F abgelöst. Die Maschinen kamen bis 1965 in der Fliegerausbildung an der Offiziersschule Kamenz zum Einsatz. Die im Luftwaffenmuseum ausgestellte MiG-15 BIS “3905“ (Werk-Nr. 00220-00) flog zuletzt im Jagdbombergeschwader 30 “Ostrava” in der CSSR. 1992 erwarb sie das Luftwaftenmuseum.

 

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