National Museum of the
United States Air Force

Kampfflugzeuge der Nachkriegszeit

General Dynamics F-111 F Aardvark: Jagdbomber mit Schwenkflügel zwischen 16 und 72,5 Grad und nebeneinander liegenden Sitzen (Site-by-Site)

General Dynamics F-111F Aardvark - Kampfflugzeug

Die F-111 war ein Allwetter-Kampfflugzeug mit Schwenkflügel und großer Reichweite, das in der Lage war, auf niedriger Ebene zu navigieren, um Ziele tief im feindlichen Territorium zu zerstören. Die vielseitige F-111 Aardvark wurde 1967 in das Inventar der US-Luftwaffe aufgenommen. Die Jägerversion wurde 1996 ausgemustert, die Maschinen der elektronischen Kriegsführung EF-111A diente bis 1998. Das Flugzeug wurde ursprünglich 1960 entwickelt, um die Anforderungen der USAF an einen Jagdbomber mit dem Bedarf der Navy an einem Jagdflugzeug mit Luftüberlegenheit zu kombinieren. Die Navy brach jedoch ihr Programm schließlich ab.

Die General Dynamics F-111 war in erster Linie ein Bomber und verfügte über einen Schwenkflügel, der zwischen 16 Grad und 72,5 Grad variierte, mit Sitzplätzen für einen Piloten und einen Waffensystemoffizier nebeneinander. Die Flügel der General Dynamics F-111 sind für Starts, Landungen oder Langsamflug gerade, um möglichst viel Auftrieb zu erhalten. Wenn es seine Flügel nach hinten schwenkt, konnte es die doppelte Schallgeschwindigkeit überschreiten (Mach 2). Die F-111F war mit einem Allwetter-AN/AVQ-26 Pave Tack-Infrarot-Zielbezeichner und Lesegerät ausgestattet, das unter dem Rumpf getragen wurde. Es konnte Bodenziele für Laser-, Infrarot- und elektrooptische Bomben verfolgen und bestimmen. Die F-111F war eines der effektivsten alliierten Flugzeuge in der Operation Desert Storm in 1991 und flog mehr als 2.400 Einsätze gegen irakische strategische Standorte, Fahrzeugformationen und gehärtete Bunker mit sog. Blockbuster.

Insgesamt wurden 566 General Dynamics F-111 aller Baureihen gebaut; 106 von ihnen waren die Versionen  F-111F. Die ausgestellte F-111F flog 1991 während der OPERATION DESERT STORM im Irakkrieg mit dem 48th Tactical Fighter Wing. Das Flugzeug kam im Mai 1996 im Museum an.

General Dynamics F-111F Aardvark - USAF Museum Dayton

Technische Daten:

Aufgabe

Allwetter-Angriffs-/ Abfangjäger

Besatzung

2

.

1 Waffensystemoffizier

Länge

22,40 m

Spannweite

19,20 m

     eingeschwenkt

9,74 m

Höhe

5,22 m

Flügelfläche

61,07 m²

     eingeschwenkt

48,77 m²

Leer

21.537 kg

Maximal beim Start

48.536 kg

Triebwerke

2 x Pratt & Whitney TF30-P-100

Art

Turbofans mit Nachbrennern

Schub

111,65 kN mit Nachbrenner

Geschwindigkeit

2.660 km/h in 11.000 m

max. Reichweite

4.700 km ohne Last

Dienstgipfelhöhe

18.290 m

Geschütze

1 x M61A1 Vulcan (optional)

Bomben

Extern: 14.288 kg

.

(Waffenschacht + Außenstationen).

.

Darunter 36 Mk.82 (340 kg)

.

und 26 M117 (454 kg) Bomben

.

oder 26 Mk.82 (340 kg)

.

.

Technische Kurzbeschreibung:

  • Rumpf: Ganzmetall-Halbschalenbauweise unter Verwendung von Titan und Stahl für Verstärkungselemente - nebeneinanderliegende Sitze - Lufteinläufe hinter dem Cockpit unter den Tragflügeln - Triebwerke im hinteren Teil nebeneinander -
  • Tragwerk: Schulterdecker mit veränderlicher Tragflügelgeometrie - Flügelpfeilung zwischen 16° und 72° veränderbar - dabei Außenaufhängung stets parallel zur Flugzeuglängsachse -
  • Leitwerk: gepfeilte Normalbauweise in Ganzmetall - Höhenleitwerk mit leicht negativer Form -
  • Fahrwerk: einziehbar - Bugrad zwillingsbereift.
General Dynamics F-111F Aardvark - Pratt & Whitney TF30-P-100

Entstehungsgeschichte und technische Beschreibung:

Am Beginn der 1960er Jahre forderte das Pentagon unter der Projektbezeichnung TFX einen 2-sitzigen Mehrzweckjäger und taktischen Bomber mit veränderlichen Tragflügelgeometrie, der für die Luftstreitkräfte und die Marine der USA gedacht. Die Anforderungen der US Air Force an einen Jagdbomber und Langstrecken-Jäger als Ersatz für die McDonnell Douglas F-4 und die Vought F-8 sollte das Projekt unter einen Hut bringen. Die vor dem Vietnamkrieg übliche Design-Doktrin konzentrierte sich auf sehr hohe Geschwindigkeit, blanke Leistung und gelenkte Luft-Luft-Raketen. Für die US-Navy bedeutete der Trend zu immer größeren, stärkeren Jägern ein Problem:

  • Die damalige Generation von Marinejägern war bereits nur noch schwer zur Landung auf einem Flugzeugträger-Deck fähig, und ein nochmals größeres und schnelleres Flugzeuge würde noch schwieriger sein.
  • Ein auf hohe Geschwindigkeiten optimierter Rumpf mit stark gepfeilten Flügeln ist bei Reisegeschwindigkeit ineffizient, was die Reichweite, Nutzlast und Ausdauer reduziert und zu sehr hohen Landegeschwindigkeiten führt.
  • Andererseits hat ein Rumpf mit geraden oder mäßig gewinkelten Flügeln eine geringere Endleistung im Kampf, ist allerdings einfacher zu handhaben und kann schwere Lasten mit einem Minimum an Treibstoff über weite Strecken tragen.

Diese Überlegungen führten zum Schwenkflügel der F-111:

Mehrere Hersteller gaben Angebote ab, am Ende blieben jedoch nur General Dynamics und Boeing übrig. Die Air Force und die Navy hatten sich für den Boeing-Entwurf entschieden, aber der US-Verteidigungsminister Robert McNamara überstimmte sie und wählte den kostengünstiger erscheinenden Entwurf von General Dynamics.

Aus dem Entwurf wurde ein Flugzeug mit 20 Tonnen Leergewicht und einem maximalen Startgewicht von fast 50 Tonnen. Das Flugzeug wurde von zwei Pratt & Whitney TF-30 Turbofans der 80-kN-Klasse angetrieben und war mit einem Cockpit für 2 nebeneinander sitzende Besatzungsmitglieder ausgestattet.

Die Schulterdecker-Flügel waren an zwei großen Drehlagern befestigt, die dem Flugzeug erlaubten, mit einer mäßigen Pfeilung von 16 Grad maximalen Auftrieb und minimale Start- und Landegeschwindigkeiten zu erzielen. Mit 35 Grad Pfeilung konnte eine hohe Unterschall-Marschgeschwindigkeit eingehalten werden. Bei 72,5 Grad Pfeilung wurde eine hohe Endgeschwindigkeit von Mach 2,4 erreicht.

Trotz der Bezeichnung F (Fighter = Jagdflugzeug) im Namen war die F-111 tatsächlich ein Bomber.

Die Produktionsversionen der F-111 hatten keine Schleudersitze, das komplette Cockpit wurde als Rettungskapsel herausgeschossen und schwebte unter einem Fallschirm von 21 Meter Durchmesser zur Erde. Da es druckdicht war, hätte die Besatzung darin auch ohne Druckanzüge oder Sauerstoffmasken überleben können.

Der erste Flug fand am 21. Dezember 1964 statt, und die Einführung in den aktiven Dienst bei der USAF begann 1967. Die F-111 diente von 1967 bis 1998 in der US Air Force. Sie war das erste serienmäßig produzierte Flugzeug mit Schwenkflügeln.

Es folgten verschiedene andere Typen mit Schwenkflügel, darunter die sowjetischen Suchoi Su-17 (1966), Mikojan-Gurewitsch MiG-23 (1967) und der Bomber Tupolew Tu-160 (1981), der amerikanische Marine-Jäger Grumman F-14 (1970) und der Rockwell B-1-Bomber (1974) sowie der europäische Panavia Tornado (1974).

General Dynamics F-111F Aardvark - Bewaffnung
General Dynamics F-111F Aardvark - Pilotenkanzel
General Dynamics F-111F Aardvark - Cockpit
General Dynamics F-111F Aardvark - Cockpitdetail
General Dynamics F-111F Cockpit

Bordkanone Vulkan M61 A1: sechsläufige Gatling-Kanone der General Dynamics F-111

Die Waffe ist eine mehrrohrige Gatlingkanone von General Electric Comp., deren Erprobung 1953 begann. Das Rohrbündel dreht sich entgegen dem Uhrzeigersinn, wobei das Gehäuse feststeht. Praktisch bedeutet dies, dass die Wärmeentwicklung und Korrosion der Rohre durch Pulvergase auf ein Minimum reduziert und die Rohrlebensdauer verlängert wird. Die sechs Rohre ermöglichen eine hohe Kadenz und Feuerdichte. Dieses führt jedoch zu Problemen bei der Munitionszuführung. Bis 1956 wurde daher ein gurtloses System entwickelt, aber jedes Flugzeugmuster benötigte eine speziell angefertigte Lafettierung.

Zur Zeit gibt es ca. 30 Varianten. Am weitesten verbreitet ist das Muster M 61 A1. Als erstes Flugzeug erhielt der Starfighter die Kanone (Munitionsvorrat 260 Schuss). ln größeren Flugzeugen erhöhte sich dieser auf ca. 600 bis 2.000 Patronen. Die Kanone kann in speziellen Behältern auch als Außenlast mitgeführt werden.

Kaliber

20 mm

Rohrlänge

1.524 mm

Anzahl der Felder

9

Anzahl der Züge

9

Munition

20 x 102 mm

Kadenz

4000 / 6000

.

Schuss/min.

Geschwindigkeit

1.055 m/sec.

Die M61 GAU-4 20 mm Vulcan mit den beiden Modellen M61A1 und M61A2 ist ein hydraulisch angetriebene, sechsläufige, elektrisch gefeuerte und mechanisch geladene Gatling mit einer einstellbaren Kadenz von 4.000 oder 6.000 Schuss pro Minute.

Mehrläufige Kanonen bieten zwei große Vorteile, nämlich zum einen eine hohe Feuerrate und zum anderen eine längere Lauflebensdauer. Während sich die 6 Läufe drehen, passieren sie die verschiedenen Stationen des Feuerablaufs. Jeder Lauf wird in der oberen Position abgefeuert, danach wird die Hülse ausgestoßen und der Lauf neu geladen. Daraus resultiert, dass sich die Feuerrate mit der Anzahl der Läufe multipliziert. Durch die hohe Feuerrate erhöht sich aber nicht der Verschleiß, da jeder Lauf nur 1/6 der Feuerrate abgibt. Innerhalb der grossen Trommel sind die Projektile mit den Spitzen zur Mitte hin wie in einer riesigen Schraube angeordnet (gewickelt), die sie zum Fördergurt und schließlich zur Kanone bewegt. Danach werden die leeren Hülsen zurück in die Trommel befördert.

General Dynamics F-111F Aardvark - Vulkan M61 A1
General Dynamics F-111F Aardvark - Air Force Museum

Fremdfotos: U.S. Air Force Museum

General Dynamics F-111F Aardvark - Flug der USAF

 

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