National Museum of the
United States Air Force

Kampfflugzeuge der Nachkriegszeit

Boeing RB-47H Stratojet: Sechsstrahliger strategischer Bomber und Aufklärungsflugzeug in der Zeit des Kalten Krieges

Boeing RB-47H Stratojet - Bomber

Zu Beginn des Kalten Krieges benötigte die US-Luftwaffe ein Flugzeug, um Informationen über Radarsysteme der sowjetischen Luftverteidigung zu sammeln, einschließlich Details wie Standort, Reichweite und Abdeckung. Die elektronische Aufklärung der Boeing RB-47H, die aus der B-47E entwickelt wurde, erfüllte diese Anforderung, und Boeing stellte 1955 die erste RB-47H fertig. Boeing produzierte 32 neu gebaute RB-47H und baute drei B-47E in ERB-47H um.

Die RB-47H wurde erstmals im August 1955 in Dienst gestellt. Im Laufe des nächsten Jahrzehnts flogen RB-47H-Besatzungen des 55. Strategic Reconnaissance Wing (SRW) tausende von gefährlichen sog. „Frettchen“-Missionen. Die RB-47H Stratojets flogen nachts bei Funkstille entlang der Grenze zur Sowjetunion und anderer kommunistischer Nationen und sammelten wichtige Informationen über die Größe und Leistungsfähigkeit der Radarnetze der sowjetischen Luftverteidigung. Manchmal flogen sie auch unerlaubt über die Grenzen, um die Abwehrfähigkeit der UdSSR zu testen. Der Bedarf an diesen Informationen und die relativ geringe Anzahl von RB-47Hs zwangen die Besatzungen, einen Großteil ihrer Zeit an Orten auf der ganzen Welt zu verbringen, weit weg von ihren Häusern in der Heimat bei Forbes AFB, Kansas. Die RB-47H blieb im Dienst, bis sie durch die fähigere Boeing  RC-135 Mitte der 1960er Jahre ersetzt wurde.

Die RB-47H des Museums wurde im Oktober 1955 an die USAF ausgeliefert. Das Flugzeug diente von 1955 bis zu seiner Ausmusterung 1966 bei der 55. SRW. Während dieser Zeit wurde es an mehreren Orten eingesetzt, darunter auf der Incirlik Air Base in der Türkei und auf der Yokota Air Baseln in Japan. Von dort flogen Missionen über der Sowjetunion. Das Flugzeug wurde 1998 vom Museum von der Stadt Salina, Kansas, erworben. Nach umfassender Restaurierung durch das Museumspersonal wurde das Flugzeug 2003 in der Bemalung und Kennzeichnung der 1960er Jahre ausgestellt.

Boeing B-47 Stratojet - Bomber

Technische Daten:

Besatzung:

3 Mann

Länge:

33,48 m

Spannweite:

35,36 m

Höhe:

8,50 m

Leergewicht:

35.865 kg

normales Startgewicht:

60.340 kg

maximales Startgewicht:

93.760 kg

Höchstgeschwindigkeit:

975 km/h

Marschgeschwindigkeit:

895 km/h

Dienstgipfelhöhe:

12.345 m

Reichweite:

6.494 km

Triebwerk:

6 x General Electric J47

Leistung

je 26,7 kN Schub

Art

Strahltriebwerke

maximale Waffenlast:

2 x 20mm M24A1 Heckgeschütze

.

Bombenlasten von bis zu 9.000 kg

Technische Kurzbeschreibung

  • Rumpf: Ganzmetall-Schalenbauweise - aufgesetzte Kabine - unbemannter Heckstand - Vorrichtungen zur Aufnahme von Starthilfsraketen.am Heck
  • Tragwerk: Schulterdecker in Ganzmetallbauweise mit Pfeilflügeln - Triebwerke paarweise und einzeln in Gondeln aufgehängt.
  • Leitwerk: stark gepfeilte Normalbauweise in Ganzmetall.
  • Fahrwerk: einziehbar; Tandemfahrwerk mit Stützrädern unter den Motorgondeln - Hauptstreben mit Zwillingsrädern.
Boeing B-47 Stratojet - U.S. Air Force

Boeing B-47 Stratojet - SitzanordnungBoeing B-47 Stratojet im Kalten Krieg:

Der B-47 Stratojet wurde in den 1950er und frühen 1960er Jahren zu einem wesentlichen Bestandteil des Strategic Air Command (SAC) der US Air Force, sowohl als Atombomber als auch als Aufklärungsflugzeug. Der erste XB-47-Prototyp wurde entwickelt, um eine Anforderung von 1944 zu erfüllen, und flog im Dezember 1947, wobei er seine Konkurrenz weit übertraf. Das Flugzeug enthielt viele fortschrittliche Funktionen der damaligen Zeit, darunter Pfeilflügel, Düsentriebwerke in Unterflügelkapseln, am Rumpf montiertes Hauptfahrwerk und automatisierte Systeme, die die Standardbesatzungsgröße auf drei Mann reduzierten.

Im Mai 1951 ersetzte die Boeing B-47 die propellergetriebenen Boeing B-29 Superfortress und Boeing B-50 Superfortress in den Bombereinheiten von SAC. Während es ungefähr die gleiche Bombentonnage tragen konnte wie das Flugzeug, das es ersetzte, war die Höchstgeschwindigkeit vom B-47 Stratojets mehr als 322 km/h höher. Da die Boeing B-47 nicht die Reichweite der schweren Bomber von SAC, wie die die Convair B-36 Peacemaker und später die Boeing B-52 Stratofortress hatte, wurden Stratojet-Einheiten regelmäßig eingesetzt, um von Luftwaffenstützpunkte auf der ganzen Welt im vorübergehenden Dienst ihre Aufgaben zu erfüllen. Anfangs dauerten diese Einsätze drei Monate, aber ab 1957 wurden sie im Rahmen des Reflex Action-Programms auf drei Wochen verkürzt.

Zusätzlich zu seiner Rolle als Atombomber machten die Geschwindigkeit und Nutzlast des Stratojets ihn zu einem nützlichen strategischen Aufklärungsflugzeug. Zwischen 1952 und 1956 führten fotografische Aufklärungs-B-47 mehrere Überflüge über die Sowjetunion durch und lieferten detaillierte Bilder von sowjetischen Militär- und Industrieanlagen. Stratojets sammelten Informationen über sowjetische Luftverteidigungssysteme und das sowjetische Interkontinentalraketenprogramm. Wetteraufklärungsversionen der B-47 sammelten nicht nur Wetterdaten, sondern nahmen auch Luftproben von sowjetischen Atomdetonationen. Diese wesentlichen RB-47-Missionen über und entlang der Grenze der Sowjetunion waren gefährlich. Sowjetische Kampfflugzeuge beschädigten einen Aufklärungs-Stratojet und schossen zwei ab, wobei sieben USAF-Mitarbeiter getötet und zwei vorübergehend in der UdSSR inhaftiert wurden.

Zwischen 1947 und 1957 bauten die USA über 2.000 Stratojets aller Versionen. Insgesamt wurden 32 RB-47H-Modelle für elektronische Aufklärungsmissionen ( ELINT ) gebaut, sowie drei spezialisiertere „ERB-47Hs“. Die USAF stellte ihren letzten Stratojet, eine WB-47E, 1969 ein.

Auf ihrem Höhepunkt der Nutzung im Jahr 1958 betrieb die USAF noch 28 Boeing B-47-Bomber und 4 Boeing RB-47-Aufklärungsflugzeuge. Die USAF stellte ihren letzten Stratojet, eine WB-47E, 1969 ein.

Boeing B-47 Stratojet - US Air Force

Boeing RB-47H Stratojet - LuftbetankungGeschichte und technische Beschreibung:

Zu Beginn des Kalten Krieges suchte die USA neue strategische Bombenflugzeuge, um die veralteten Kriegsmuster zu ersetzen. Der Chef-Aerodynamiker bei Boeing untersuchte damals deutsche Forschungsergebnisse des Zweiten Weltkriegs. Hier sah er Studien über sehr dünne gepfeilte Tragflächen, wobei ihm schnell klar wurde, dass eine derartige Konstruktion deutlich höhere Leistungen erbringen würde. Diese Erfahrungen flossen in das Projekt ein.

Die ursprünglich vorgesehenen vier Triebwerke "General Electric J47" erwiesen sich als zu schwach, so dass zwei weitere an den äußeren Tragflächen montiert wurden. Je 2 Triebwerke wurden in den inneren Gondeln zusammengefasst, während die äußeren Gondeln je ein einzelnes Triebwerk erhielten.

Zwar konnten alle 6 Triebwerke an den Tragflächen angebracht werden, allerdings war damit die Gesamttragfähigkeit der dünnen Flügel erschöpft, weshalb das Fahrwerk nun komplett in den Rumpf verlegt werden musste. Weil der Bomber die damals noch sehr großen Atombomben abwerfen sollte, bedurfte es eines großen Waffenschachts. Dieser reduzierte wiederum den Platz für das Fahrwerk. Es bestand aus jeweils einem tragenden Paar an Bug und Heck sowie zwei zusätzlichen Stützrädern zwischen den Triebwerksgondeln, um die Stabilität zu garantieren. Um die Startgeschwindigkeit und somit das Startgewicht zu erhöhen, wurden Versuche mit zusätzlich 8 Booster-Raketen am Heck durchgeführt (s. unten).

Die USA bestellte im April 1947 zwei Prototypen. Diese erhielten von der neu gegründeten U.S. Air Force die Kennung XB-47. Der erste XB-47-Prototyp flog im Dezember 1947. Die zweite XB-47 startete erstmals mit den neuen General Electric J47 Triebwerken im Juli 1948.

Die ersten Boeing B-47-Bomber wurden 1951 in Dienst gestellt. Für die Piloten waren die neuen Maschinen eine echte Umstellung, da sie zuvor auf den eher trägen Bombern B-29 Superfortress und B-36 Peacemaker ihren Dienst verrichtet hatten. Nun hatten sie eine viel schnellere Maschine zur Verfügung, mit der auch völlig neue Flugmanöver möglich waren, die jedoch zunächst trainiert werden mussten.

Ende der 1950er Jahre waren die B-47-Bomber der primäre Bestandteil der nuklearen Abschreckung der USA, obwohl mit der Boeing B-52 Stratofortress bereits der Nachfolger in Dienst gestellt worden war und mit der Entwicklung der Interkontinentalrakete der Atombomber an sich umstritten war. Ein Drittel aller Boeing B-47 waren rund um die Uhr einsatzbereit. Die Maschinen waren auf Stützpunkten in den USA, Großbritannien, Marokko, Spanien, Alaska, Grönland und Guam stationiert. Zu jeder Zeit war mindestens ein Geschwader mit Atombomben in der Luft, die die UdSSR permanent umkreisten. Strategisch gesehen sollte der Gegner ständig in Alarmbereitschaft gehalten werden, damit deren Ressourcen geschwächt werden.

Bis zum Abschuss des Spionageflugzeugs Lockheed U-2 über der UdSSR glaubte man, in großen Höhen tief im sowjetischen Luftraum operieren und ungehindert Ziele angreifen oder ausspionieren zu können. Diese Strategie, für welche die B-47 primär ausgelegt war, war nun hinfällig. Die Produktion der B-47 endete folglich 1957, dennoch wurde sie weiterhin modernisiert und modifiziert. Ab 1959 löste dann die Boeing B-52 Stratofortress die Boeing B-47 als wichtigsten Bomber der US-Luftwaffe ab. 1963 begann die Ausmusterung der B-47 bei der USAF. Das SAC stellte die letzte Maschine 1965 außer Dienst. Das Tactical Air Command nutzte die B-47 noch als RB-47-Aufklärer und als EB-47-Kampfflugzeug zur elektronischen Kriegsführung bis 1977. Dabei kamen beide Versionen auch vermehrt über Vietnam zum Einsatz, bewährten sich aber nicht.

Boeing B-47 Stratojet - Cockpit
Boeing B-47 Stratojet - Cockpitdetail
Boeing RB-47H Stratojet - Ortungsgeräte
Boeing B-47 Stratojet - Hauptfahrwerk
Boeing B-47 Stratojet - General Electric J47

General Electric J47 Turbojet:

Das Triebwerk J47 wurde von der General Electric Co. aus dem J35-Triebwerk entwickelt und im Mai 1948 erstmals als Ersatz für den im nordamerikanischen XF-86 Sabre verwendeten. Im September 1948 trieb ein J47 eine F-86A zu einem neuen Geschwindigkeitsweltrekord von 1.079 km/h an. Mehr als 30.000 Triebwerke des Basistyps J47 wurden gebaut, bevor die Produktion 1956 endete. Das Triebwerk wurde in mindestens 17 verschiedenen Serien hergestellt und zum Antrieb von USAF-Flugzeugen wie F-86, XF-91, B-36, B-45, B-47 und XB-51.

Ein J47-GE-7-Motor war der erste Motor mit Axialströmung (gerader Luftstrom) in den Vereinigten Staaten, der für den kommerziellen Einsatz zugelassen wurde. Die J47 wurde ausgemustert, als die letzte Boeing KC-97J in 1978 aus dem Dienst der Air National Guard gestrichen wurde, und umfasste somit 30 Jahre Betriebsdienst.

Technische Daten: (J47-GE-25)

    - Kompressor: zwölfstufig, axial
    - Turbine: einstufig axial
    - Abmessungen: Länge 3,66 m
    - Durchmesser 93,3 cm
    - Masse: 1.220 kg
    - Schub 25,8 kN
    - Höchstdrehzahl: 7.950 U/min.
    - max. Einsatzhöhe: 15.200 m

Boeing RB-47H Stratojet - General Electric J47
Boeing B-47 Stratojet - Heckgeschütz
Boeing RB-47H Stratojet - Cockpitansicht
Boeing B-47 Stratojet - Eingangsleiter
Boeing RB-47H Stratojet - strategischer Bomber

Fremdfotos: U.S. Air Force Museum

Boeing B-47 Stratojet - JATO-Start

Das Startsystem JATO: Die Starthilfetriebwerke

JATO ist die Abkürzung für “Jet Assisted Take Off”. Statt dieses Begriffes wird auch die präzisere Bezeichnung RATO für “Rocket Assisted Take Off” verwendet. Es ist ein System, um schwer beladenen Flugzeugen den Start auf kurzen Startbahnen zu erleichtern, indem durch Raketen kurtfristig zusätzlicher Schub erzeugt wird. Die Raketen werden nach Gebrauch meist abgeworfen.

Diese Art von Starthilfen gab es schon zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Royal Air Force führte seinerzeit ein System zum Start von Jagdflugzeugen auf normalen Handelsschiffen ein. Eine Landung auf den Schiffen war anschließend jedoch nicht mehr möglich. Die Piloten mussten notwassern und das Flugzeug auffischen lassen, bevor es unterging.

Die Deutsche Luftwaffe nutzte die JATO-Technik im Zweiten Weltkrieg ebenfalls, um ihren stark beladenen Bombern den Start zu erleichtern. Das deutsche System benutzte in der Regel Walter HWK 500 Starthilfe-Raketenantriebe, welche Wasserstoffperoxid als Treibstoff nutzten. Die Arado Ar 234 Blitz ist dafür ein gutes Beispiel. Sie war der erste tatsächlich eingesetzte strahlgetriebene Bomber der Welt

Nach dem Zweiten Weltkrieg war JATO-Starthilfe ein durchaus übliches Hilfsmittel, weil die damaligen Strahltriebwerke noch reletiv schwache Leistung hatten. Die USA testeten die JATO-Technik in den 1950er Jahren an diesem Boeing B-47 Stratojet, wobei die Raketen - wie bei der Fat Albert der Blue Angels - im Heckbereich montiert waren. Die im Westen erfolgten Umbauten der Jagdflugzeuge des Typs Lockheed F-104 G Zell “Starfighter” rmit zusätzlich fest montierter Flüssigkeitsraketen bewährten sich gut, waren aber zu teuer.

Boeing B-47 Stratojet - Luftbetankung

 

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