National Museum of the
United States Air Force

Dayton Air Show in Ohio / USA

Bell / Boeing V-22 Osprey: Das Kipprotorflugzeug ist eine Hybridkonstruktion aus Hubschrauber und Flugzeug

Bell - Boeing V-22 Osprey - Air Show Dayton

Die V-22 Osprey (= Fischadler) der Firmen Bell und Boeing ist ein Kipprotorlflugzeug mit senkrechter Start- und Landefähigkeit sowie Kurzstart- und -landefähigkeit (STOL). Der Erstflug des Prototyps fand 1989 statt, die US-Luftwaffe und das US-Marine Corps begannen ab 2005 mit der Einführung beim Militär. Das Hauptkonstruktionsmerkmal sind die beiden Rotoren, die ähnlich einem Hubschrauber mit nebeneinanderliegenden Rotoren ausgestattet sind, die mitsamt ihrer Triebwerke an den Enden der Tragflächen schwenkbar montiert sind. Mit vertikaler Stellung der Triebwerksachsen kann bei Start und Landung Auftrieb wie bei einem Hubschrauber erzeugt werden. Für den Reiseflug schwenkt das Flugzeug beide Propellergondeln um etwa 90 Grad nach vorne und wird zu einem Flächenflugzeug mit Turbopropantrieb und hoher Reisegeschwindigkeit von über 460 km/h. Zur Sicherheit sind beide Rotoren für den Fall eines Triebwerksausfalls über Transmissionswellen miteinander verbunden. Bei nur wenig nach vorne gekippten Rotorachsen wird STOL, Starten und Landen auf kurzer Strecke mit langsamer Geschwindigkeit erzielt. Bei leicht nach hinten gekippten Rotorachsen kann sogar beim Rückwärtsflug gelandet und gestartet werden.

Bell - Boeing V-22 Osprey - Cockpit

Technische Daten:

Besatzung

2 Piloten + 1 Lademeister

Passagiere

24 Soldaten oder

.

12 Tragen

Abmessungen außen:

.

Rumpfänge

17,48 m

Breite über alles

25,78 m

Höhe

6,63 m

Flügelspannweite

13,97 m

Rotordurchmesser

11,60 m

Höhe Rotornabe

6,74 m

Höhe über Seitenleitwerk

5,38 m

Länge, Flügel beigeklappt

19,20 m

Breite, Flügel beigeklappt

5,61 m

Höhe, Flügel beigeklappt

5,51 m

Abmessungen innen:

.

Kabinenlänge

6,34 m einschl. Cockpit

Kabinenbreite

1,74 m

Kabinenhöhe

1,67 m

Gewichte:

.

Leergewicht

15.032 kg

Startmasse, senkrecht

23.859 kg

Startmasse, kurze Rollstrecke

25.855 kg

max. Last an 1 Haken

4.536 kg

max. Last an 2 Haken

6.147 kg

Tank

6.513 Liter, MV-22

.

7.710 Liter, CV-22

Antrieb:

2 x Rolls Royce AE1107C

Art

Wellenturbinen

Leistung

4,586 kW / 6,150 shp

Propeller

je 3-Blatt

Leistung:

.

Max. Steigrate im Flug

11,78 m/s

                           vertikal

5,5 m/s

Dienstgipfelhöhe im Flug

7.620 m

.

3.139 m mit 1 Turbine

Schwebeflughöhe im Bodeneffekt

ca. 4.330 m

Max Geschwindigkeit

463 km/h

Radius mit 24 Soldaten

722 km

Reichweite, Überführungsflug

3.890 km (leer)

Belastung

+4,0 / -1,0 G

Bell - Boeing V-22 Osprey - Innenraum

Beschreibung: 

Die Entwicklung der V-22 Osprey geht auf die von Bell Helicopters 1951 entwickelte Bell Textron XV-3 zurück und auf die Bell XV-15. Schon 1983 wurde das Bell/Boeing-Team von der US Navy beauftragt, das Flugzeug zu entwickeln und zu bauen.

In Deutschland wurden in den 1960er Jahren ähnliche Versuche mit senkrecht startenden Flugzeugen unternommen, z.B. mit der Dornier Do 29 oder der Dornier Do 31, letztere als düsengestütztes System.

Vertikale Starts oder Landungen sind bei der Bell-Boeing V-22 Osprey mit um 90 Grad hochgeschwenkten Rotoren möglich, Kurzstarts oder -landungen (STOL = Short Take Off and Landing) mit teilweise um 75 Grad geschwenkten Rotoren. Landungen sind logischer Weise nicht mit geradegestellten Propellern möglich, weil sie sonst den Boden berühren würden. Die Kontrolle des Schwebeflugs erfolgt durch Taumelscheiben per Blattverstellung. Zur Sicherheit sind beide Rotoren für den Fall eines Triebwerksausfalls mit einer Transmissionswelle verbunden.

Die Anforderungen an die V-22 wurden in der USA primär auf die Marine Corps zugeschnitten, die ein schnelles und bewegliches Gerät für Truppenverlegungen und Nachschub benötigten. Weitere vorgesehene Einsatzfälle waren Verbindungsflüge zu Schiffen sowie Ölbohrplattformen. Beim Militär wird die Bell-Boeing V-22 Osprey für Truppentransporte, zur elektronischen Kriegsführung und als Rettungs- und Kampfunterstützungs-hubschrauber genutzt. Für einen Transport können die Rotoren gefaltet und die Tragflächen beigeklappt werden. Die Maschine ist mit Betankungssonde, großen Tanks sowie umfangreicher Avionik für Einsätze bei Nacht und schlechtem Wetter ausgestattet. Die Osprey kann auf der Stelle schweben sowie senkrecht starten und landen, was Flugpisten überflüssig macht und die Maschine zum Einsatz auf Flugzeugträgern befähigt. Die V-22 Osprey kann um die 6150 kg transportieren. Der grösste Vorteil liegt jedoch in der hohen Reisegeschwindigkeit mit über 400 km/h und der Reichweite von 4890 km bei Überführungsflügen.

Im März 1989 fand der Erstflug statt. Das erste Serienflugzeug entstand im Februar 1997. In 2005 hatte die Osprey die letzten Truppentests unter Einsatzbedingungen abgeschlossen. Im September 2005 begann nach Freigebe der Gelder die reguläre Serienproduktion. Insgesamt ist der Erwerb von ca. 460 Flugzeugen geplant.

Noch bevor die Maschine überhaupt in Dienst gestellt wurde starben 30 Menschen bei Abstürzen in der Versuchphase. Damit ist die V-22 nicht nur eine der tödlichsten Versuchsflugzeuge in der Geschichte der Luftfahrt. Auch ihre Entwicklungszeit ist rekordverdächtig: 24 Jahre und fast 20 Milliarden Dollar brauchte es, ehe das Flugzeug den Einheiten übergeben wurde.

Bell - Boeing V-22 Osprey - Kipprotor
Bell - Boeing V-22 Osprey - Dayton Air Show
Bell - Boeing V-22 Osprey - U.S. Marines
Bell - Boeing V-22 Osprey - Marines der USA
Bell - Boeing V-22 Osprey - U.S. Air Force Museum
Bell - Boeing V-22 Osprey - Kipprotorflugzeug
Bell - Boeing V-22 Osprey - Flugansicht
Bell - Boeing V-22 Osprey - Horizontalflug
Bell - Boeing V-22 Osprey - Flugzeugträger
Bell - Boeing V-22 Osprey - Kondensstreifen

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow - Alle Rechte vorbehalten!

 

Werbefläche