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Patriot PAC-3: Flugabwehrraketensystem zur Abwehr von Flugzeugen, Raketen und Marschflugkörpern

Patriot PAC-3 - Flugabwehr-Raketen

Patriot steht für „Air Defense Guided Missile System“. Es beschreibt ein phasengesteuertes Radargerät mit Feuerleitstand und Startgeräten. Das Flugabwehrraketensystem Patriot dient im Einsatz zur Abwehr von Flugzeugen, taktischen ballistischen Raketen und Marschflugkörpern. Die Besonderheit an der Radartechnik ist der Zusammenschluss mehrerer Radargeräte, welche auf ein Antennensystem zurückgreifen können, dessen Antennen sich nicht drehen, sondern deren Richtstrahlen abgelenkt werden (phasengesteuert). Außerdem wird automatisch Freund und Feind unterschieden und eine Bedrohlichkeitseinstufung durchgeführt. Der Abschuss der Abwehrraketen erfolgt aus der mobilen Startstation (Launcher), die durch das hydraulische Nivellierungssystem einen Neigungsgrad von bis zu 10 Grad ausgleichen kann. Der erster militärischer Einsatz fand am 18. Januar 1991 statt.

Hauptfunktionen:

    - Luftraumüberwachung und Zielverfolgung
    - Bedrohungsanalyse
    - Darstellung des Luftraums
    - Koordination mit den Führungszentren
    - Auswahl der Lenkflugkörper, Berechnung der Flugbahnen und Flugkörperprogrammierung

Patriot PAC-3 -- Flugabwehr

Technische Daten: (PATRIOT = Phased Array Tracking Radar To Intercept Of Target)

Hersteller

Raytheon

Bekämpfungsreichweite

etwa 68 Kilometer

Indienststellung

erster militärischer Einsatz am 18.01.1991

Gleichzeitig kontrollierbar

bis zu 50 Flugziele

Aufgaben

bodengestützte Mittelstrecken-Flugabwehr

Gleichzeitig bekämpfbar

bis zu 5 Flugziele

Komponenten

Feuerleitstand

Antrieb

einstufige Feststoffrakete

.

Multifunktionsradargeräät

Lääänge

5,31 m

.

Startgerät mit 4 Flugkörper

Startgewicht

906 kg

.

Richtfunktrupp mit Stromerzeugeranlagen

Durchmesser

0,41 m

.

und Antennenmastanlage

Gefechtskopf

73 kg hochexplosiv/Splitter

PATRIOT ist ein bodengestütztes Raketen-System für Mittelstrecken zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und taktischen ballistischen Mittelstreckenraketen. Das Flugabwehrraketensystem PATRIOT besteht aus mehreren Einzelkomponenten, die entweder auf sattelaufliegernden LKW (US-Version) oder nur auf LKW (deutsche Version) montiert sind, um eine hohe Mobilität zu gewährleisten.

Der Abschuss erfolgt aus der Startstation (Launcher), welche 4 Lenkflugkörper in je einem Aluminiumbehälter transportieren kann.

Erkennt das Radarsystem eine Bedrohung, so wird dieses an die mit zwei Arbeitsplätzen besetzte Patriot-Feuereinheit weitergeleitet. An dieser Schnittstelle von Mensch und Maschine werden die Hauptfunktionen von Patriot überwacht und bedient. Die einzelnen Teilsysteme werden entweder über Kabelverbindungen und/oder VHF-Funk miteinander verbunden.

Das mobil ausgelegte Flugabwehrraketensystem Patriot wurde ab Ende der 1960er Jahre in den USA von den Unternehmen Raytheon und Lockheed als SAM-D (Surface-To-Air Missiles, Development) entwickelt und steht seit 1982 in den USA im Einsatz. Es wurde ab 1989 bei der Luftwaffe eingeführt. Die deutsche Industrie war an der Fertigung beteiligt.

Das Flugabwehrraketensystem Patriot wurde ursprünglich nur zur Bekämpfung von Flugzeugen entwickelt. Durch die Veränderung des Bedrohungsspektrums, weg von der klassischen Bedrohung aus der Luft durch Kampfflugzeuge und hin zur Bedrohung durch taktische ballistische Raketen und taktische Flugkörper, ist eine Weiterentwicklung und Anpassung des Waffensystems Patriot zwingend erforderlich geworden. Die sog. “Kampfwertanpassung 2 Patriot” (KWA 2) wurde im Juli 2008 abgeschlossen und der Flugabwehrraketengruppe 22 in Penzing übergeben. Die FlaRakGrp 22 ist damit der erste Verband, der über diese technische Weiterentwicklung namens “Patriot PAC-3” verfügt. Die KWA 2 beinhaltet Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Fernmelde- und Datenverarbeitungssystems, die Verbesserung der Radargeräte, die Einführung des neuen Flugkörpers, und die Umrüstung der Startgeräte für den neuen Lenkflugkörper. Das Waffensystem gehört nach der Modernisierung weiterhin zu den modernsten verfügbaren Flugabwehrsystemen der Welt.

Das Startgerät dient dem Transport, der Lagerung und dem Verschuss der Lenkflugkörper Patriot, von denen es mit bis zu vier Stück beladen werden kann. Es ist im Einsatz unbemannt und wird vom Feuerieitstand aus ferngesteuert. Die Datenübertragung erfolgt dabei entweder abstrahlungsfrei über eine Lichtwellenleiterverbindung oder ein kryptiertes VHF-Funknetz. Zum Verschuss wird die Startgerâteplattform mit den dort glagerten Lenkflugkorpern auf- und anschlıeßend in Bedrohungsrichtung ausgerichtet.

Der Lenkflugkörper PATRIOT wird witterungsgeschützt und wartungsfrei in einem Behälter gelagert, der gleichzeitig als Transport- und Abschussbehälter dient. Er wird von einem einstufigen Feststoffraketenmotor angetrieben, der den Lenkflugkörper auf maximal Mach 6 beschleunigt. Die Steuerung erfolgt über den Waffenleitrechner des Feuerleitstands, der Signale des Lenkflugkörpers und Radardaten verarbeitet und Steuerkommandos errechnet.

Das phasengesteuerte Multifunktionsradar vereint die Fähigkeiten der Luftraumüberwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung, Zielidentiflzierung, Zielbeleuchtung sowie der Lenkflugkörpersteuerung in einem Gerät. Es ist der einzige Sensor des Waffensystems und wird im Einsatz über den Feuerleitstand ferngesteuert. Der flache, rechteckige Antennenschirm besteht aus einer Hauptantenne mit 5.161 Antennenelementen sowie drei Sekundärantennen. Zur sicheren Identifizierung von Flugzielen ist zusätz|ich ein Freund-Feind-Kenngerät in das Radargerät integriert.

Einsätze des Waffensystems:

Im ersten Irak-Krieg hatten PATRIOT-Systeme der US Army die Aufgabe, angreifende irakische „Scud“- und „Al-Hussein“-Raketen abzufangen. Das Konzept der Abwehr ballistischer Raketen war schon lange von den Großmächten verfolgt, aber noch nie im realen Einsatz erprobt worden. Der Erfolg dieser Einsätze ist allerdings bis heute umstritten. Berichte und Aussagen der US-Army und des Herstellers über die Erfolgsraten der PATRIOT werden von einer Vielzahl von Untersuchungen in Zweifel gezogen. Bei der Abwehr von Flugzeugen war der Erfolg ebenfalls nicht überzeugend, weil die Freund-Feind-Erkennung Mängel aufwies. Es soll 3 irrtümliche Abschüsse von Kampfflugzeugen der US-geführten Koalitions-Streitkräfte gegeben haben (Friendly Fire).

Im zweiten Irak-Krieg erreichten die inzwischen aufgerüsteten Systeme unbestritten gute Erfolgsquoten mit 11 abgeschossenen Kurzstrecken-Raketen. Die PATRIOT-Einheiten bewegten sich erfolgreich mit der Front, um die vorgerückten Truppen zu schützen und den Luftraum zu überwachen.

Ab Januar 2013 begann man deutsche Patriot PAC-3 modernster Art an die südliche Grenze des NATO-Mitglieds Türkei zu verlegen, um eventuelle Angriffe aus dem Bürgerkriegsgebiet Syrien zu verhindern.

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow

 

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