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Nike Ajax MIM-3 / 3A: die weltweit erste gelenkte Überschall-Flugabwehrrakete, die zum operativen Einsatz kam

Die MIM-3 Nike Ajax ist eine Flugabwehrrakete, die im Rahmen des US-amerikanischen „Nike“-Programms entwickelt wurde. Sie war die weltweit erste gelenkte Überschall-Flugabwehrrakete, die zum operativen Einsatz kam, wurde aber ab 1958 kontinuierlich durch ihre Nachfolgerin MIM-14 Nike Hercules ersetzt.

Technische Daten:

Länge

10,80 m

Durchmesser

0,30 m

Spannweite

1,22 m

Gewicht

1.091 kg

Geschwindigkeit

Mach 3

Reichweite

55 km

Höhe

20.000 m

Manövrierbarkeit

ca. 5 G Belastung

Gefechtsköpfe

bis zu 3 mit

.

insgesamt 141,8 kg

Technische Beschreibung:  (Quelle: www.wikipedia.org)

Flugkörper:

Die Grundform des eigentlichen Flugkörpers ist ein Zylinder mit ogivaler Spitze und konisch zulaufendem Heck. Am Bugbereich des Rumpfes befinden sich vier Deltaflossen, die als Ruder komplett bewegt werden, sowie im hinteren Drittel des Rumpfes vier weitere starre Deltaflossen, deren Hinterkante als Ruder ausgeführt ist. Beginnend vom Bug ist der Flugkörper in folgende Sektionen unterteilt:

    - Gefechtskopf 1 (5,5 kg)
    - Stromversorgung, Hydraulik, Rudermaschinen, Antennen und Bordelektronik
    - Gefechtskopf 2 (81 kg)
    - Oxidator-Tank
    - Brennstofftank
    - Druckluftspeicher
    - Gefechtskopf 3 (55 kg)
    - Brennkammer und Düse des Marschtriebwerkes

Antrieb

Als Starttriebwerk kam mit dem M5E1 ein einteiliges Feststofftriebwerk zum Einsatz. Das Triebwerk lieferte für 2,5 Sekunden einen Schub von 246 kN und wurde nach dem Brennschluss abgeworfen.

Als Marschtriebwerk diente ein von den Bell Laboratories entwickeltes Flüssigkeitstriebwerk, das für die Zeit von 21 Sekunden einen Schub von 12 kN lieferte. Die Brennschlussgeschwindigkeit erreichte in Abhängigkeit von der Flugbahn bis zu Mach 2,3.

Steuerung

Die Steuerbefehle an die Rakete wurden vom Feuerleitsystem auf das Signal des Raketenverfolgungsradars aufmoduliert und über die (analoge) Bordelektronik in Stellbefehle für die Ruder umgesetzt. Die Flossen am Bug dienten dabei als Höhen- und Seitenruder, die Ruderflächen der heckseitigen Flossen als Querruder zur Rollstabilisierung. Die Betätigung der Ruder erfolgte hydraulisch, als Energiespeicher diente ein hydraulischer Akkumulator mit 138 bar.

Gefechtskopf

Die „Nike Ajax“ verwendete einen konventionellen Splitter-Gefechtskopf, bestehend aus „Composition B“ umgeben von zwei Lagen 6 mm großer Würfel aus gehärtetem Stahl. Der Gefechtskopf der Rakete wurde dabei in drei getrennte Segmente unterteilt, um ein gleichmäßiges Streuverhalten der Splitter zu erzielen: Im Bug befindet sich ein 5,5 kg schwerer Teil, ein weiterer mit 81 kg in der Mitte des Rumpfes und ein 55 kg schwerer Teil im Heck. Die Zündung des Gefechtskopfes konnte auf drei Arten erfolgen:

1. automatisch mittels Funkkommando vom Feuerleitcomputer,
2. manuell mittels Funkkommando vom Batterieführer, und
3. automatisch zwei Sekunden nach Abreißen des Lenksignales (zur Selbstzerstörung).

Bodeninstallation

Bedingt durch Umfang und Zahl der notwendigen Systemkomponenten wurde die „Nike Ajax“ ausschließlich aus teilmobilen bzw. vor allem stationären Stellungen heraus eingesetzt. Eine reguläre Nike-Ajax-Batterie ließ sich in drei Bereiche unterteilen:

  • 1. Batterie- und Feuerleitung (battery control) mit Kommunikations- und Kommandozentrum, Feuerleitkomplex, den Radarinstallationen sowie den dazugehörigen Steuerungs- und Energieversorgungssystemen.
  • 2. Starteinrichtungen (launching area) mit typischerweise neun oder zwölf Startrampen (drei Gruppen zu je drei oder vier Rampen) und den dazugehörigen Steuerungs- und Energieversorgungssystemen. Diese wurde auf der Seite der Batterie angelegt, die in Richtung der zu erwartenden Ziele lag, da die Raketen fast senkrecht starteten und die nach dem Brennschluss zum Erdboden zurückfallenden Booster nicht die eigene Stellung treffen durften. Außerdem war ein Mindestabstand zwischen dem Raketenverfolgungsradar und der startenden Rakete notwendig, um eine sichere Erfassung zu gewährleisten.
  • 3. Montage- und Wartungseinrichtungen (assembly and service area) zur Montage, Lagerung, Betankung und Wartung der Flugkörper.

Die Bodeneinrichtungen wurden in der Anfangszeit in Form von Containern und/oder Baracken oberirdisch angelegt. Man ging aber schnell dazu über, Teile der Installation (wie z. B. die Raketenmagazine) in unterirdische Bunker zu verlegen.

Ablauf der Zielbekämpfung

Zur Zielaufklärung diente ein LOPAR (low-power aquisition radar) genanntes, im S-Band arbeitendes, Rundblickradar mit 230 km Reichweite, das der Batterie erste Daten über Richtung und Entfernung des Zieles lieferte und eine IFF-Abfrage ausführte. Die Zieldaten wurden an ein im X-Band arbeitendes Zielverfolgungs- (TTR: target-tracking radar) und ein Entfernungsmessradar (TRR: target range radar) übergeben, die das Ziel nun begleiteten und kontinuierlich dessen Koordinaten in Form von Azimut, Elevation und Entfernung bestimmten. Daraus berechnete der analoge Feuerleitcomputer der Batterie den Kurs des Zieles und legte einen Abfangpunkt fest. Nach dem Start des Flugkörpers wurde dieser von einem ebenfalls im X-Band arbeitenden Verfolgungsradar (MTR: missile tracking radar) erfasst, das die aktuellen Koordinaten der Rakete zum Leitrechner übermittelte. Der Feuerleitcomputer berechnete nun kontinuierlich einen Abfangkurs und übermittelte über das MTR die Lenkkommandos an den Flugkörper. Stimmten die Koordinaten von Ziel und Rakete überein, so wurde mittels Funkkommando die Detonation des Gefechtskopfes ausgelöst.

Ein entscheidender Nachteil dieser Leitmethode lag allerdings darin, dass das ganze System aus Leitrechner und drei Radargeräten nur jeweils ein Ziel gleichzeitig verfolgen und bekämpfen konnte, womit der Einsatz beispielsweise gegen Bomberverbände erschwert wurde und die Batterie selbst Ziel eines Angriffes werden konnte.

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow

 

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