Militärhistorisches Museum der Bundeswehr
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Messerschmitt Bf 108 Taifun: abgeschossenes Verbindungsflugzeug, das vor Rügen aus dem Jasmunder Bodden geborgen wurde

Messerschmitt Bf 108 Taifun - Verbindungsflugzeug

Die Messerschmitt Bf-108 Taifun war ein unbewaffnetes, schnelles Verbindungsflugzeug, mit dem vor dem Zweiten Weltkrieg einige internationale Flugwettbewerbe gewonnen wurden. Der Erstflug einer Bf 108 war am 13. Juni 1934. Bis 1939 entwickelte es sich zu einem der wichtigsten Exportmodelle des Deutschen Reichs. Die Maschine gilt als kleiner Bruder der Messerschmitt Bf-109, welche eines der zwei wichtigsten deutschen Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkriegs war.

Die Bf-108 wurde als Ganzmetallflugzeug mit Einziehfahrwerk zum Vorbild für mehrere Generationen viersitziger Reiseflugzeuge. Die Fliegerin Elly Beinhorn unternahm im August 1935 mit einem Flugzeug dieses Typs ihren Afrikarundflug. Ab dann wurde die Messerschmitt Bf 108 auch Taifun genannt.1936 flog sie mit einer Bf 108 Taifun an einem Tag von Damaskus nach Berlin und stellte damit einen weiteren Rekord auf.

Die Luftwaffe war der erste Auftraggeber für diese Maschine und setzte sie bereits während des Spanischen Bürgerkrieges in der Legion Condor als Kurier- und Verbindungsflugzeug ein. Neben den für die Luftwaffe produzierten Maschinen wurden während des Krieges auch alle zivil zugelassenen Messerschmitt Bf 108 zur Verwendung durch die Wehrmacht eingezogen.

Insgesamt wurden bis 1945 ca 885 Maschinen dieses Typs gebaut. Die wichtigsten Produktionsorte waren die Messerschmitt-Werke in Augsburg (175 Maschinen, 1934-1938) und Regensburg (354 Maschinen, 1938-1942) sowie die SNCN-Werke in Les Mureaux im besetzten Frankreich (ca 356 Maschinen, 1942-1945). Nach der Befreiung Frankreichs wurde die Produktion fortgesetzt, allerdings sehr bald mit einem anderen Motor. Die französischen Nachkriegsbauten liefen unter der Bezeichnung Nord Pingouin (mit mehreren Versionen; einschließlich der Nachkriegsbauten dürften etwa 1.182 Flugzeuge dieses Typs entstanden sein.)

An dem vorliegenden Exponat lässt sich nur schwer die alte Flugzeugkennung DH+DE erahnen. Sofern sie stimmt, gehörte das Flugzeug zur Jagdfliegerschule 3 in Stolp-Reitz (heute Słupsk-Redzikowo an der westpolnischen Ostseeküste). Die Kennung könnte aber auch z.B. DA+DE, DR+DE oder DH+BE heißen. Ohne einen Hinweis auf die Werknummer des Flugzeugs ist eine eindeutige Zuordnung nicht möglich.

Die Maschine ist während des Zweiten Weltkriegs über Rügen abgestürzt, ihr Wrack wurde 2009 durch das Restaurierungsteam unseres Museums aus dem Jasmunder Bodden geborgen. Augenzeugen zu ihrem Absturz gibt es nicht, aber man erkennt Einschusslöcher am Rumpf und die Propellerspitzen sind abgeschlagen. Er muss sich also bei der Wasserberührung noch gedreht haben; anscheinend hat der Pilot eine Notwasserung versucht. Es wurden keine menschlichen Überreste bei dem ansonsten gut erhaltenen Wrack gefunden.

Technische Kurzbeschreibung:

  • Tragwerk: freitragender Tiefdecker in Ganzmetallbauweise; Mittelstück mit dem Rumpf fest verbunden; zwei Außenflügel; automatische Vorflügel; Landeklappen.
  • Leitwerk: abgestrebte Normalbauweise; Flossen in Ganzmetall-, Ruder in Metallbauweise mit Stoffbespannung.
  • Fahrwerk: Einziehfahrwerk mit freitragenden Federbeinen; durch Handkurbel in die Flügel nach außen klappend einziehbar; Spornrad.

Technische Daten:

Sitzplätze

4

Länge

8,30 m

Flügelspannweite

10,62 m

Tragflügelfläche

16,4 m²

Flächenbelastung

84,1 kg/m²

Höhe

2,02 m

Antrieb

Argus As 10 C

Startleistung

240 PS bei 2000 U/min

Dauerleistung

200 PS bei 1800 U/min

Art

V-Motor, hängend

Zylinder

8, luftgekühlt

Luftschraube

2 Blatt verstellbar

Propellerdurchmesser

2,35 m

Höchstgeschwindigkeit

320 km/h

Reisegeschwindigkeit

265 km/h

Mindestgeschwindigkeit

85 km/h

Reichweite

ca. 1.000 km

Dienstgipfelhöhe

6.000 m

Leergewicht

880 kg

Max. Fluggewicht

1.380 kg

Steigzeit auf 3.000m

11,7 min

Startstrecke

240 m

Bewaffnung

keine

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Geschichte dieser abgestürzten Maschine:

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs, so wurde zunächst vermutet, ist über dem kleinen Jasmunder Bodden ein Jagdflugzeug des Typs Focke-Wulf Fw 190 abgeschossen worden. Mehr als 60 Jahre danach regte der Bürgermeister der Gemeinde Baabe, Dieter Mathies, die Bergung des Wracks an, die vom Luftwaffenmuseum im November 2009 mit Hilfe von Tauchern der Landespolizei Mecklenburg Vorpommern und des Gebirgspionierbataillons 8 aus Brannenburg durchgeführt wurde. Mit einem EchoIotgerät konnte das Wrack in ca. sechs Metern Tiefe geortet werden. Die anschließende Bergung brachte verhältnismäßig gut erhaltene Überreste des Motors, der Zelle, der Ruder und beider Tragflächen eines Flugzeugs ans Licht. Doch anders als erwartet, handelte es sich nicht um die Teile einer Fw 190. Aus dem trüben Wasser des Jasmunder Boddens kamen die Reste eines Reise- und Verbindungsflugzeug des Typs Messerschmitt Bf 108 B1 an die Oberfläche. Der Absturz der Bf 108 war bislang nicht bekannt. Die Kennung "DH+DE" lässt auf die Zugehörigkeit der Maschine zur Jagdfliegerschule 3 in Stolp-Reitz und später möglicherweise zum Jagdgeschwader 103 schließen. Das Werksnummernschild konnte leider nicht aufgefunden werden. Auch das Schicksal des Piloten bzw. der Besatzung ist unbekannt. Nach dem Transport ins Luftwaffenmuseum erfolgte die Reinigung und Konservierung der Wrackteile, die sichtbare Abschussspuren aufweisen. Eine Rekonstruktion des Wracks ist nicht geplant.

 

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