Imperial War Museum Duxford

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Messerschmitt Bf 109 E-3 (Me 109E): Im Süden Englands abgeschossenes deutsches Kampfflugzeug

Die abgeschossene Messerschmitt Bf 109 E-3 mit der Werksnummer 1790 wurde 1939 vom Erla Maschinenwerk in Leipzig gebaut und von der 4. Staffel des Jagdgeschwaders 26 (4 / JG26) mit Sitz in Marquise-Ost betrieben. Das Flugzeug trug eine weiße "4" mit schwarzem Umriss und hatte zuvor die Doppelsparrenabzeichen eines Gruppenkommandeurs getragen - vermutlich Hauptmann Karl Ebbighausen von 11 / JG26. Fünf von Ebbighausens siegreichen Abschüssen erschienen auf der Flosse des Seitenleitwerks (zwei niederländische Flugzeuge vom 13. Mai 1940, eine französische oder belgische vom 18. Mai 1940 und zwei der RAF vom 25. Mai und 14. Juni 1940)

Das Flugzeug wurde zur Zeit des Abschusses im September 1940 vom 30-jährigen Unteroffizier Horst Perez geflogen, als es von Hurricanes über Beachy Head angegriffen wurde und später auf einem Feld in East Dean, Sussex, mit nur oberflächlichen Schäden auf dem Bauch landete.

Es wurde danach zum Royal Aircraft Establishment gebracht und später in die USA und nach Kanada zu Ausstellungszwecken im Zusammenhang mit der Kampagne "Bundles for Britain" geschickt. Das Flugzeug kam Anfang 1941 auf dem Seeweg in Nova Scotia an und wurde im Juni im Raum New York ausgestellt. Das FuG 7a-Funkgerät wurde 1941 in den USA entfernt, um von Lear Avia, Piqua, Ohio, getestet und bewertet zu werden. Der Verbleib der Gerätes ist unbekannt.

Das Flugzeug wurde später 1966 von Peter Foote, einem Mitarbeiter der British Aircraft Corporation, erworben. Bis November dieses Jahres war es auf den Flugplatz Hurn in der Nähe von Bournemouth verlegt worden.

Technische Daten:

Länge

8,95 m

Flügelspannweite

9,97 m

Flügelfläche

16,4 m²

Höhe

2,60 m

Antrieb

1 x Daimler-Benz DB 605

Art

12-Zylinder-V-Motor

Leistung

1435 PS max., durch Methanol/Wasser-Einspritzung (MW 50) für kurze Zeit 1800 PS

Höchstgeschwindigkeit

685 km/h in 7400 m Höhe

Steigzeit auf 3000 m

2:54 min

Reichweite

560 km

Besatzung

1 Mann

Dienstgipfelhöhe

12.500 m

Leergewicht

1970 kg

Fluggewicht

3500 kg

Bewaffnung

Zwei 13 mm-MG MG 131 (je 300 Schuss) und eine 20 mm-MK MG 151/20 (150-200  Schuss) durch die Propellernabe feuernd. Dazu verschiedene Rüstsätze für Unterflügelrohrwaffen (MG 151/20, MK 108), Raketen und Bombenträger  (50, 250, oder 500 kg Bomben)

Technische Kurzbeschreibung:

  • Rumpf: Ganzmetall-Schalenbauweise mit ovalem Querschnitt; Druckkabine.
  • Tragwerk: freitragender Tiefdecker in Ganzmetallbauweise mit einem Holm; zweiteiliger Flügel mit Landeklappen und Vorflügel.
  • Leitwerk: Normalbauweise in Metall; Ruder stoffbespannt; bis Serie E und Serie H abgestrebt, ab Serie F freitragend; Ruder aerodynamisch ausgeglichen.
  • Fahrwerk: hydraulisch nach außen in die Tragflügel einziehbares Fahrwerk mit Spornrad; hydraulische Bremsen.

allgemeine Beschreibung:

Die Messerschmitt Bf-109 war damals das wichtigste Jagdflugzeug der deutschen Luftwaffe. Von 1937 bis 1945 wurden ca. 35.000 Stück gebaut; mehr als von jedem anderen Jäger im 2. Weltkrieg.

Der Entwurf der Bf-109 geht auf das Jahr 1934 zurück. Der Prototyp flog 1935. Den internationalen Trend mitbestimmend wurde das Jagdflugzeug als ein freitragender Ganzmetalldecker mit einziehbarem Fahrwerk ausgelegt.

Im spanischen Bürgerkrieg erhielten die ersten Serienflugzeuge bei der “Legion Condor” ihre Feuertaufe. Die gesammelten Erfahrungen schlugen sich in der Bf-109 E nieder, die bis 1941 das Gros der deutschen Jagdverbände bildete. Verluste in der Luftschlacht um England beschleunigten die Einführung eines leistungsstärkeren Nachfolgemusters. Ab Ende 1942 wurde die Bf-109 F vom schwerer bewaffneten G-Modell abgelöst. Die deutschen Jagdgeschwader in der UdSSR und Afrika erhielten dieses als erste. Obwohl ab 1944 von leistungsstärkeren Flugzeugen überholt, blieb die Bf-109 bis zum Kriegsende im Einsatz.

1943 wählte Spanien die Bf-109 G zur Lizenzproduktion aus und baute bis 1951 etwa 150 Zellen durch Firma CASA. Da die bestellten Daimler-Benz-Triebwerke Spanien wegen der Kriegswirren niemals erreichten, ersetzte man sie 1953 durch Motoren von Rolls Royce (Bf-109 G-2). Zu diesem Zeitpunkt als reiner Jäger veraltet, wurde sie zum Jagdbomber umgerüstet. 1957 flog die spanische Luftwaffe in den afrikanischen Kolonien Einsätze. Ende 1963 wurden die letzten Einheiten der Bf-109 aufgelöst. Ihren letzten “Einsatz” flogen die Maschinen 1968 im Film “Luftschacht um England”.

Geschichte der Entwicklung der Messerschmitt Bf 109:

1934 vergab das Reichsluftfahrtministerium Aufträge zur Entwicklung des Prototyps eines einsitzigen Jagdflugzeuges an die Firmen Arado ("Ar 80 V-1"), Heinkel ("He 112 V-1") und Focke-Wulf (Fw 159 V-1"). Messerschmitt verwendete zur Konstruktion die Erfahrungen, die durch die "Bf 108" gesammelt worden waren. Man optimierte bei Messerschmitt die Flugzeugzelle, reduzierte ihr Gewicht und versah sie mit dem stärksten Motor, der zu jener Zeit verfügbar war. Weil Motoren der Firmen Junkers und Daimler-Benz noch im Entwicklungsstadium waren, mußte man auf einen aus England stammenden Rolls-Royce mit ca. 695 PS zurückgreifen. Zu dieser Zeit bestanden noch Handelsbeziehungen zu England.

Die ersten Flugerprobungen der noch unbewaffneten "Bf 109 V-1” fanden 1935 statt. Messerschmitt baute parallel dazu an weiteren Verbesserungen, die mit deutschen Motoren "Jumo 210" der Firma Junkers ausgerüstet waren. Deren Zylinder waren in hängender V-Anordnung konstruiert. Die Tragflächen waren mit große Landeklappen ausgestattet, um die Langsamflugeigenschaften zu verbessern, ferner mit großen Querrudern, um die Manovrierfähigkeit zu optimierten. Bei der Grundkonstruktion handelt es sich um einen freitragenden Tiefdecker mit einholmigen Tragflügeln, die heute noch bei Flugzeugen aktuell sind. Die "Bf 109" war das erste Jagdflugzeug der Luftwaffe mit Einziehfahrwerk und das erste Ganzmetalljagdflugzeug der Welt. Die Ergebnisse waren gegenüber den Mitbewerbern so überragend, dass Messerschmitt den Zuschlag bekam.

Erst bei der "V-3", die als Muster für die Serienfertigung der "Bf 109 A" dienen sollte, wurden zwei MG 17 eingebaut. Bei der "Me 109 V-4" wurde ein drittes MG eingebaut, welches durch die hohle Propellernabe aus dem Motor feuerte. Ferner wurde dann der neue "Jumo 210 B" Motor eingebaut, später kam der stärkere "Jumo 210 D" zum Einbau und dann der "Jumo 210 E" bei der "Me 109 B-2" mit 670 PS.

Diese "B-2" Maschinen waren auch die ersten "Me 109", die 1937 im Kampfeinsatz bei der "Legion Condor" im spanischen Bürgerkrieg zur Unterstützung des Faschisten Franco eingesetzt wurden.

Im laufe der Zeit wurden weitere Verbesserungen am Korpus, den Tragflächen und vor allem der Bewaffnung vorgenommen, bis der neue leistungsstärkere "DB 601" Motor zur Verfügung stand. Heraus kam die Bf 109 E mit einem 1.100 PS starken Motor, die sich ansonsten lediglich in der Bewaffnung von den Vormustern unterschied..

Weitere Verbesserung brachte der noch stärkere Motor "DB 601 E-1", dessen Einbau zur "Me 109 E-1" Serienmaschine führte, die aber Probleme bei den Tests verursachte. Daraus entwickelte man die F-Serie. Äußerlich unterschied sich die "Me 109 F" von der E-Serie durch viele aerodynamische Verbesserungen am Höhenleitwerk, dem strömungsgünstigeren Frontbereich, dem Klappensystem und der erhöhten Spannweite. Auch weitere MG´s wurden in den Tragflächen eingebaut und Aufhängungen für Bomben und einfache Raketen geschaffen.

Die meistproduzierte Variante war die “Me 109 G”, die im Frühjahr 1942 entstand und mit dem jetzt zur Verfügung stehenden leistungsstärkeren Motor "DB 605" ausgestattet wurde. Es entstanden mehrer Versionen, u. a. die “Me 109 G-5 mit stärkerer Bewaffnung. Die Version "Me 109 G-6", die die größte Zahl aller produzierten Me 109 ausmachte, bekam dann zwei MG 131 über dem Motorblock, ein MK 108, das durch die Propellernabe feuerte und je ein MG 151/20 in jedem Flügel.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurden noch zahlreiche "Me 109" gebaut. Zum Beispiel in der CSSR die Avia-C 210 und in Spanien eine Version der "Me 109 G-2", die "H.A 1112", die von der “Spanische Flugzeugwerke, Sevilla” und “CASA” produziert wurde (siehe Luftwaffenmuseum). Noch lange nach dem Krieg blieb die "Me 109" im Einsatz.

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow

 

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