Imperial War Museum Duxford

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Lockheed U-2 Dragon Lady: für den Einsatz in großen Höhen ausgelegtes, strategisches Spionageflugzeug des US-amerikanischen Herstellers Lockheed

Bei der Lockheed U-2 Dragon Lady handelt es sich eigentlich um ein Segelflugzeug mit Düsenantrieb, wie die überlangen Tragflächen zeigen, das im technischen und physikalischen Grenzbereich operiert.

Eine weitere Besonderheit der U-2 ist ihr Fahrwerk. Ein einzelnes einziehbares Doppelrad befindet sich in der Rumpfmitte. Zur Stabilisation befinden sich links und rechts an den Tragflächen kleine Stützräder an langen Stelzen, die jedoch noch während des Startvorganges abgeworfen werden. Bei der Landung dienen Scheiben aus Titan an den Enden dem Schutz der Tragfläche, falls die Maschine umfällt. Kleine Räder am Heck ergänzen das zentrale Fahrwerk. Die Landung auf dem Mittelfahrwerk kann nur mit Hilfe von exakter Einweisung durch Bodenfahrzeuge erfolgen, das hinter dem Flugzeug in gleicher Geschwindigkeit herfährt . Bei etwas Seitenwind kann die U-2 nicht landen, sondern muss einen Ausweichplatz anfliegen.

Das Flugzeug verfügt über eine Druckkabine und einen Schleudersitz. Der Pilot trägt einen speziellen Höhendruckanzug, um bei einem Druckverlust oder Notausstieg überleben zu können.

Aufgrund der geringen Luftdichte in der üblichen Einsatzhöhe bewegten sich die U-2-Maschinen auch aerodynamisch an der Grenze. Die Ruderbewegungen reagieren wegen der dünnen Luft nicht mehr korrekt. Die ersten und zum Teil auch die späteren Maschinen waren zudem schwer zu fliegen. Die Steuerkräfte sind hoch, das Triebwerk neigte wegen des Sauerstoffmangels zum Erlöschen und die Cockpithaube zum Einfrieren. Ein erneutes Anlassen des Triebwerks war lediglich in dichteren Luftschichten möglich.
 

Nutzlasten befinden sich im Rumpf, in der Rumpfnase und in zwei Flügelbehältern. Da das Flugzeug auch weitgehend auf das Gewicht hin optimiert ist, kann lediglich eine begrenzte Nutzlast mitgenommen werden. Auf Abwehrwaffen und eine angedachte Radarstöranlage musste aus aerodynamischen und Gewichtsgründen verzichtet werden. Die U-2 transportiert eine Aufklärungsausrüstung bestehend aus Kameras, Infrarot, Radar und vermutlich auch Funkaufklärungsgeräten. Eine andere spezielle Ausrüstung sollte Luftproben sammeln, vermutlich zur Analyse sowjetischer Atomtests.

Zielsetzung, Entstehungsgeschichte und Einsätze:

Die USAF suchte mit der Ausschreibung vom März 1953 einen Aufklärer, der außerhalb der damals bekannten Luftabwehrraketen und Abfangjäger operieren konnte. Drei Flugzeughersteller wurden offiziell zur Angebotsabgabe aufgeforderter. Daraufhin entstanden die Entwürfe Fairchild M-195, Bell X-16 und Martin RB-57D. Lockheed war Nebeneinsteiger und reagierte auf die Ausschreibung als 4. Firma durch Vorlage des Projektes CL-282. Nach Modifizierung und Einbau des Triebwerks Pratt & Whitney J57 wurde die Weiterführung des Projekts CL-282 offiziell beauftragt. In nur acht Monaten wurde in den so genannten "Skunk Works" von Lockheed der Prototyp der U-2 gebaut. Der Erstflug der U-2 erfolgte im August 1955.

Die U-2 Dragon Lady der Rüstungsfirma Lockheed ist wahrscheinlich das bekannteste Spionageflugzeug der Welt. Durch die große Einsatzhöhe von über 20.000 m war die U-2 lange Zeit für die bodengestützte Luftabwehr wie auch für Jagdflugzeuge nicht erreichbar. Die Spionageausrüstung bestand ursprünglich aus zwei hoch auflösenden Panoramakameras und wurde im Verlauf der Zeit um weitere Apparate (elektronische Sensoren, GPS etc.) ergänzt.

Berühmt wurde die U-2, weil die USA mit diesen Maschinen seit den 50er Jahren Aufklärungsflüge in die Sowjetunion durchführte. Der US-Geheimdienst CIA leitete die durchgeführten Beobachtungsmissionen zu Raketen-, Radar-, und U-Boot-Stützpunkten in u.a. Litauen, Weißrussland und auf der Krim.

Während eines Fluges kam es über dem Uralgebirge zu einem spektakulären Zwischenfall. Eine U-2 geriet in den Wirkungsbereich der sowjetischen Luftabwehrraketen und wurde abgeschossen. Die USA behaupten, dass die Maschine einen Triebwerkschaden hatte und deshalb tiefer fliegen musste. Wahrscheinlicher ist aber die Darstellung, die besagt, dass die UdSSR damals schon über Abwehrraketen verfügten, die diese Höhe der U-2 erreichen konnten. Der Pilot namens Powers, der sich mit dem Schleudersitz gerettet hatte, wurde nahe Swerdlowsk gefangengenommen. Der unter großem internationalen Interesse folgende Schauprozess, in dem Powers zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, wurde von den USA als empfindliche Demütigung empfunden. In Folge der Blamage wurden zumindest die Flüge über der UdSSR eingestellt.

1960 wurden auch Aufklärungsflüge der U-2 über Kuba durchgeführt und am 5. September 1961 wurden erstmals Aufnahmen von Flugabwehrraketen vom Typ SA-2 Guideline (S-75 “DWINA”) und Kampfflugzeugen vom Typ MiG-21 gemacht. Während der Kuba-Krise 1962 lieferte das Flugzeug auch die entscheidenden Fotos der Stellungen von sowjetischen SS-4 Mittelstreckenraketen, die die USA bedrohen konnten. Im späteren Verlauf der Krise wurde am 27. Oktober 1962 eine U-2 durch eine SA-2-Flugabwehrrakete abgeschossen. Unter Androhung von Krieg zog Rußland die Raketen wieder ab. Weniger bekannt im Bewußtsein der Öffentlichkeit ist, dass die USA als Gegenleistung ihre Raketenstellungen in der Türkei entfernten.

Ebenfalls in den 1960er Jahren wurde intensiv das chinesische Atomwaffenprogramm ausspioniert. Dazu erhielt die taiwanesischen Luftstreitkräfte U-2 der CIA, die meist ohne Kennung flogen.

Etliche Maschinen gingen im laufe der Zeit verloren. Einige Maschinen wurden durch feindliche Raketen abgeschossen, andere stürzten beim Start oder der Landung oder durch technische Fehler ab. Ein Bericht spricht von einem Totalverlust auf 100.000 Flugstunden, was recht hoch sein soll.

Die U-2 wurde ab August 1960 durch Satellitenaufklärung ergänzt und schließlich durch die SR-71 vorübergehend abgelöst. Seit Ende des Kalten Kriegs setzt die US-Luftwaffe jedoch wieder die kostengünstigere U-2 statt der wartungsaufwendigen SR-71 ein. Die Kosten für Ersatzteile, Wartung und Treibstoff pro Flug sind wesentlich geringer als bei der SR-71.

Im Gegensatz zur SR-71 wurde die U-2 in größerer Anzahl produziert und ist bis heute weltweit im Einsatz. Nach inoffiziellen Quellen sollen noch über 38 U-2 betrieben werden, von denen fünf 2-sitzige Trainingsflugzeuge sind und zwei Maschinen von der NASA betrieben werden. Die letzte gebaute Version ist die U-2S. Die Umrüstung aller U-2S bzw. U-2ST mit moderner Cockpitausrüstung und Avionic begann im Sommer 2001 und soll 2007 abgeschlossen werden. Aktuelle Einsatzgebiete liegen im Iran, Irak und Afghanistan.

 Kamerasystem und Auswertungszentrale:            

Fremdfotos: U.S. Air Force Museum in Dayton/Ohio:

 

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