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Hubschrauber / Helikopter

 

MD Helicopters MD 600N: Der Hubschrauber benötigt keinen Heckrotor, sondern nutzt das NOTAR-System (= NO TAil Rotor)

MD 600N - MD Helicopters

Die MD 600N ist ein leichter Hubschrauber mit acht Sitzplätzen (einschl. Pilot), der von einer Turbine angetrieben wird. Er braucht keinen Heckrotor, sondern nutzt das von McDonnell Douglas entwickelte NOTAR-System (= NO TAil Rotor). Die wesentlichen Merkmale des NOTAR sind: Der Hauptrotor-Abwind wird über einen vom Hauptgetriebe angetriebenen Lüfter in das Heck gelenkt, tritt durch zwei Schlitze im Heckbereich aus und erzeugt durch die Luftzirkulation einen Gegendruck, der ausreicht, um im Schwebeflug das Drehmoment des Hauptrotors auszugleichen. Zur Kontrolle der Seitenstabilität und Drehung um die Hochachse tritt über Heck-Düsen komprimierte Abluft aus, die über die Pedale gesteuert wird. Es reduziert deutlich den Geräuschpegel, beseitigt durch den Heckrotor bedingte Vibrationen und verbessert die Flugeigenschaften. Das NOTAR-System schließt durch seine einfache, aber wirksame Konstruktion alle bekannten Heckrotor-Probleme aus und erhöht damit die Flugsicherheit.

Es ist klar, dass sich dieser Hubschrauber anders fliegt, als ein herkömmliches Modell. So soll nach Angaben von Testfliegern die Betätigung der Pedale im Gradeausflug unmittelbarer reagieren, so dass dies gewöhnungsbedürftig ist. Es kann daher ratsam sein, Kursänderungen durch einfache seitliche Neigungsverlagerung mittels Steuerknüppel zu bewirken, ohne die Pedale zu betätigen. Bei Starts und Landungen reagiert die hintere “Düse” vorteilhaft.

Der Hubschrauber ist des Weiteren mit einem digitalen Steuersystem (FADEC-Full Authority Digital Engine Control) ausgestatteten und wird von einer Allison 250-C47M Wellenturbine angetrieben. Der Sechsblatt-Hauptrotor ist für eine Helikopter dieser Größe ebenfalls ungewöhnlich. Verbessertes Nachfolgemodell ist der MD 902 Explorer.

Technische Daten:

Hersteller: MD Helicopters Inc.- Nutzung: leichter Mehrzweckhubschrauber - Besatzung: 1 - Passagiere: 5 bis 7 - Antrieb: 1 x Rolls-Royce (Allison) 250-C47M Turboturbine - Leistung: 1 x 602 kW beim Start und 395 kW Dauerleistung - Abmessungen: Länge über drehende Rotoren: 11,25 m - Rumpflänge: 9,30 m - Höhe: 2,74 m - Breite: 2,5 m - Rotordurchmesser: 8,38 m - Rotorkreisfläche: 55,2 m³ - Länge der Kabine am Boden: 1,83 m - max. Kabinenhöhe: 1,22 m - max. Kabinenbreite: 1,22 m - Massen: Leermasse: 952 kg - Zuladung: 907 kg - Kraftstoff: 435 Liter - max. Nutzlast, innen und außen aufgehängt: 1.179 kg - max. Startmasse: 1.860 kg, oder 2130 kg mit externaler Ladung - max. Reisegeschwindigkeit: ca. 250 km/h - Steigrate: 9,0 m/s - Dienstgipfelhöhe: ca. 3.960 m - Reichweite: ca. 700 km - Flugdauer: 3,8 Stunden in etwa 1.500 m Höhe - G-Belastung: +3,5 / -0,5 -

Die Funktion des NOTARs:

Beim "NOTAR" (No Tail Rotor) handelt es sich um einen Helikopter mit einem Hauptrotor aber ohne Heckrotor. Dieses Verfahren wurde ursprünglich von McDonnell Douglas entwickelt und patentiert. Ein Teil des Hauptrotorabwindes wird in den Heckausleger geleitet und dort mit einem Fan weiter verdichtet. Beim  NOTAR-System wird also durch ein in der Wurzel des Heckauslegers installiertes Gebläse mit Druckluft versorgt. Dieses hat 56 cm Durchmesser und 13 verstellbare Blätter und wird durch das Hauptgetriebe und Saugluft des Hauptrotors angetrieben. Durch die nun auf einer Seite ausströmende Luft wird der Luftstrom zur Seite abgelenkt und durch die Verengung des Fans beschleunigt. Somit wird ein seitlicher aerodynamischer Auftrieb erzeugt. Die Heck-Düsen werden durch die Pedale gesteuert und erlauben den Ausgleich des Drehmomentes.

Dieses System hat vor allem für die Steuerung im Schwebe- und langsamen Vorwärtsflug Vorteile. Im schnellen Vorwärtsflug wird der Helikopter über senkrecht angeordnete Seitenruder in der Hochachse gesteuert; - wie beim "normalen" Flugzeug. Die Steuerung um die Hochachse ist auch in der Autorotation beim Ausfall der Triebwerke voll funktionsfähig, da der Fan welcher den notwendigen Luftdurchsatz im Heckausleger erzeugt, mechanisch mit dem Hauptgetriebe verbunden ist.

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow

 

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