Internationale Luftfahrtausstellung
- Berlin Air Show -

Flugzeuge aus der Frühzeit der Luftfahrt

 

Rosinenbomber Douglas DC-3: Das Flugzeug gilt als fliegende Legende und als Denkmal für die Berliner Luftbrücke 1948/1949

Douglas DC-3 - Berliner Rosinenbomber

Rosinenbomber (in den USA "Candy bomber" genannt) ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die Flugzeuge der Alliierten zur Zeit der Berliner Luftbrücke, die West-Berlin mit Lebensmitteln und anderen lebenswichtigen Hilfsgütern versorgten, wie z.B. Brennmaterial.

Der Name "Rosinenbomber" bezieht sich auf die freiwilligen Hilfspakete, die die Flugzeugbesatzungen der USA vor der Landung im Flug an kleinen selbstgebastelten Fallschirmen aus den Flugzeugen warfen, um den wartenden Kindern eine Freude zu machen. Die abgeworfenen Päckchen enthielten meistens Schokolade und Kaugummi und manchmal sicherlich auch Rosinen.

Diese Idee wird heute dem Piloten Gail Halvorsen zugeschrieben. Dieser fing an, Schokoladentafeln, die er von seinen Verwandten aus den USA zugeschickt bekam, an Taschentücher zu binden und sie vor der Landung über Berlin abzuwerfen. Nachdem die Medien von den heimlichen Abwürfen erfuhren, zog die Aktion bald weite Kreise und es sammelten die viele Air-Force-Piloten Süßigkeiten und Kaugummis, um damit die Operation "Little Vittles" (= kleiner Proviant) zu unterstützen. Am verbreitetsten beim Abwurf war die viermotorige Douglas DC-4 / C-54 Skymaster der US-Amerikaner.

An der Luftbrücke nahmen Piloten und Flugzeuge mehrerer Nationen teil, die mit allen möglichen Flugzeugtypen verschiedene Ziele in Berlin anflogen, einschließlich Landungen auf der Havel bei Kladow mit britischen Flugbooten. Die Anflugstrecken zum damaligen Flughafen Tempelhof und dem während der Blockade erbauten Flughafen Tegel führten über dicht besiedeltes Stadtgebiet, wo sich viele Kinder nach der Schule versammelten, um auf die Rosinenbomber zu warten. Diese Aktionen haben das Bild der US-Amerikaner im Nachkriegsdeutschland maßgeblich positiv beeinflusst.

Gail Halvorsen - Amerikanischer Veteran des Rosinenbombers
Douglas DC-3 - Rosinenbomber ILA 2010

Gescheitertes Restaurierungprojekt nach Notlandung: Der erste hier abgebildete „Rosinenbomber“ mit der Kennung "D-CXXX" musste im Juni 2010 nach dem Start notlanden, wobei die Maschine stark beschädigt wurde. Unter anderem riss die rechte Tragfläche ab. Ein Jahr darauf startete ein eigens dafür gegründter Förderverein eine Spendenkampagne, um den Wiederaufbau zu finanzieren und den Neustart zum Sommer 2012 zu avisieren.

Das Restaurieren der notgelandeten Maschine wurde auf Grund von nicht einzuschätzenden Kosten 2013 fallen gelassen. Daraufhin entschloss sich der Verein eine in Großbritannien angebotene Douglas DC 3 zu kaufen und die nutzbaren Teile aus der verunglückten Maschine in den neuen Rosinenbomber zu überführen. Das britische Frachtflugzeug DC 3 landete selbständig im Juli 2013 in Schönefeld und sollte zur Passagiermaschine umgebaut werden, was weitere technische Probleme brachte.

Die sich ändernde Gesetzeslage zur Zulassung von historischen Luftfahrzeuge in diesem Zeitraum brachte neue Unklarheiten und Hürden für das Projekt. Ferner sollte der Rosinenbomber am neuen BER kein Zuhause mehr bekommen, weil kein Hangar zur Verfügung steht, - jedenfalls nicht zu den bisherigen Konditionen. Ein Betreiben des Rosinenbombers auf einem Platz weit außerhalb von Berlin sah der Förderverein jedoch historisch und wirtschaftlich als unrealistisch an, so dass das Projekt leider eingestellt werden musste. (Stand: 2019)

Douglas DC-3 - Cockpit

Geschichte und Verwendung der Douglas DC-3:

Die Wiege der DC-3 steht in Kalifornien (Los Angeles). Die DC-3 entstand 1935 als Weiterentwicklung der DC-2 mit Schlafkojen. Schon kurz nach ihrem Erstflug im Dezember 1935 wurde sie zum verbreitetsten Verkehrsflugzeug der USA und später auch weltweit. Unmittelbar vor dem 2.Weltkrieg bestritt allein die DC-3 Flotte den größten Teil des gesamten Flugverkehrs in den USA. Es gab kaum eine Fluggesellschaft, die sich nicht einer DC-3 bediente. Es stellte sich heraus, dass die Ausführung für Tagespassagiere das meiste Interesse fand. Diese Version wurde deshalb bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges in großer Serie hergestellt.

Der 2. Weltkrieg brachte eine gewaltige Steigerung der Produktionszahlen dieses Flugzeuges. Bis Kriegsende waren nicht weniger als 12.900 Einheiten gebaut worden. Ein Rekord, der von keinem anderen Transportflugzeug erreicht wurde. Die militärischen Versionen der USA führten die Bezeichnung Douglas C-47 "Skytrain" (Frachttransporter mit verstärktem Kabinenboden), C-53 "Skytrooper" (Truppentransporter vor allem zum Absetzen von Fallschirmjägern) und R-4 D (Transporter für die Marine der USA). In England und Australien hießen die Militärversionen Douglas C-47 “Dakota”.

Nach dem 2. Weltkrieg überfluteten tausende überzählige C-47 und andere militärische Varianten den zivilen Markt und fanden bei Luftfahrtgesellschaften in aller Welt für Passagier- und Frachttransport und sonstige Aufgaben reißenden Absatz.

Nach dem Krieg führten auch Modernisierungsversuche zur Turbo-DC-3. Damit erreichte die Maschine 400 km/h Höchstgeschwindigkeit, bei einer Dauergeschwindigkeit von 330 km/h. Die Gipfelhöhe konnte ebenfalls auf 7.600m gesteigert werden, ferner die Reichweite auf 3.300 km. Es ist unmöglich, hier alle Änderungen aufzuzählen, die damals an der DC-3 durchgeführt wurden. Sie betrafen im allgemeinen nur den Einbau verschiedener Triebwerkstypen, einschließlich Propellerturbinen, wechselnde Form der Kabinenfenster und die Anordnung der Sitze und Einrichtung. Die meisten der jetzt noch eingesetzten Maschinen sind vom Typ DC-3C, einer strukturell verstärkten Version der C-47 Skytrain oder Dakota aus den Kriegsjahren.

Verschiedene Unfälle beschädigten in jener Zeit den Ruf des Flugzeuges vorübergehend. Einige dieser Unfälle wurden zweifellos durch Überladung verursacht. Die Tragfähigkeit der DC-3 wurde werksseitig mit 28 bis 32 Passagieren angegeben. Aus unterentwickelten Ländern wurden jedoch haarsträubende Fälle bekannt, nach denen in manche Maschine mehr als die doppelte Anzahl "gepfercht" wurden. Der erfolgreiche Einsatz bei der Berliner Luftbrücke verdrängten allmählich den schlechten Ruf. Außerdem relativieren sich die Vorfälle, wenn man die große Stückzahl der gebauten Maschinen bei der Betrachtung berücksichtigt. Fast alle Flüge verliefen ohne Zwischenfälle, so dass man von einer sehr zuverlässigen Maschine reden muß.

Von der DC-3 wurden etwa 2.000 Lisunov Li-2 als Lizenzbau der Sowjetunion und weitere 450 in Japan unter der Bezeichnung L2D2 gebaut. Bis heute ist das Flugzeug insbesondere in Südamerika und Afrika noch täglich im Liniendienst im Einsatz oder wird als Transporter benutzt. In Europa werden einige Nostalgiemaschine für Rundflüge eingesetzt. 

Douglas DC-3 - Passagierraum

DC-3Technische Kurzbeschreibung:

  • Rumpf: Ganzmetallbauweise ohne Druckkabine.
  • Tragwerk: freitragender Tiefdecker in Ganzmetallbauweise
  • Leitwerk: freitragende Normalbauweise in Ganzmetall.
  • Fahrwerk: einziehbare Haupträder ragen im eingezogenen Zustand zum Schutz bei Notlandungen etwas heraus; Heckrad

Die DC-3, gebaut in Ganzmetall ohne Druckkabine, besitzt eine maximale Abflugmasse von 11.430 kg, eine maximale Nutzlast von 2.995 kg bei einer Douglas 47B Dakota und einer Treibstoffkapazität von 3.800 Liter. Sie wurde als freitragender Tiefdecker konzipiert. Das Leitwerk ist ebenfalls eine freitragende Normalbauweise in Ganzmetall. Das Flugzeug hat ein starres Heckspornrad, während die Haupträder einziehbar sind.

Angetrieben wird der Tiefdecker von zwei Pratt & Whitney R1830-90 Doppelsternmotoren mit je 14 Zylindern. Jeder Motor leistet 1.200 PS. Damit erreicht die DC-3 eine Höchstgeschwindigkeit von 346 km/h und eine Reiseleistung von 300 km/h. Ihre Dienstgipfelhöhe liegt bei 6.680 m, ihre maximale Reichweite (voll beladen) beträgt 800km.

Technische Daten:

Spannweite

28,96 m

Länge

19,63 m

HÃöe

5,16 m

Kabinenlänge

9,14 m

Max. Kabinenbreite

2,34 m

Max. Kabinenhöhe

2,00 m

Flügelfläche

91,62 m²

Flächenbelastung

125 kg/m²

Max. Tankkapazität

3,800 Liter

Max. Startgewicht

11.430 kg

Leergewicht

8.030 kg

Max. Nutzlast

2.995 kg

Max. Zuladung

3.395 kg

Höchstgeschwindigkeit

380 km/h

Max. Reisegeschwindigkeit

345 km/h

wirtschaftl. Geschwindigkeit

315 km/h 

Landegeschwindigkeit

125 km/h 

Landerollstrecke

1.400 m

Max. Steigleistung

5,6 m/s

Max. Flughöhe

6.675 m

Max. Reichweite

2.408 km

Max. Passagiere

32 max.

Frachtvolumen (Bulk)

3,48 m³

Besatzung

2

Triebwerke

P&W R-1830-92 Twin Wasp

alternatve Triebwerke

Wright Cyclone R-1820-G2

Triebwerksanzahl

2 x Doppelsternmotore  (2 × 7 = 14 Zylinder)

Leistung

1.217 PS

Propellerblätter

3

Propellerdurchmesser

3,50 m

Douglas DC-3 - Rosinenbomber
Douglas DC-3 - Rosinenbomber Landung
Douglas DC-3 Rosinenbomber
Douglas DC-3 - Cockpitansicht

Sternmotor "Pratt & Whitney R1830-90":   Verwendung bei den Mustern Douglas DC-3 / C-47 Dakota und Consolidated B-24 u.a.

Der R-1830 Twin Wasp ist ein luftgekühlter Flugmotor mit 14 Zylindern des US-amerikanischen Herstellers Pratt & Whitney. Er war der erste Doppelsternmotor mit 2 × 7 Zylindern aus der Wasp-Motorenreihe, deren Serienproduktion von 1932 bis 1951 lief. Wegen des großen Bedarfs im Zweiten Weltkrieg gab es auch Lizenzbauten bei z.B. Chevrolet und General Motors. Mit mehr als 173.600 gefertigten Exemplaren ist der Pratt & Whitney R-1830 der meistgebaute Flugmotor der Welt. Der Viertaktmotor besitzt einen Gesamthubraum von 30,2 Litern. Er ist quadratisch ausgelegt, was bedeutet, dass sein Hub und seine Bohrung mit je 139,7 mm gleich sind.

Technische Daten:

  • Typ: luftgekühlter 14-Zylinder-Viertakt-Doppelsternmotor mit Aufladung
  • Bohrung: 139,7 mm
  • Hub: 139,7 mm
  • Hubraum: 30,2 Liter
  • Verdichtung: 6,1:1 bzw. 6,5:1 (je nach Version)
  • Masse: 528–667 kg
  • Leistung: 1200 PS bei 2400 U/min
  • maximale Drehzahl: 2700 U/min
  • Leistungsgewicht: 0,49 kg/PS
  • Bauzeit: 1932–1951
Pratt and Whitney Twin Wasp R1830-90D
Pratt and Whitney Twin Wasp R-1830-90D
Pratt and Whitney Twin Wasp R-1830-90

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow (Berlin, Spandau)

 

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