Internationale Luftfahrtausstellung
- Berlin Air Show -

Flugzeuge aus der Frühzeit der Luftfahrt

 

Beechcraft Bonanza Model 35: Sport- und Reiseflugzeug mit V-Leitwerk und amerikanischer Original-Kennung N2778V von 1947

Beechcraft Bonanza 35

Diese Beechcraft Bonanza Model 35 aus poliertem Aluminium mit der Kennung N2778V wurde im April 1947 gebaut und mit der Werksnummer D-170 erstmals an einen Getreideproduzenten in Kansas ausgeliefert. Gut 60 Jahre später ist das Flugzeug nach wie vor mit seinem ursprünglichen Kennzeichen unterwegs. Heute hat das Flugzeug seine neue Heimat in Michelstadt (EDFO) gefunden (Stand: 2013). Diese ganz frühe "Straight 35" ist wahrscheinlich die älteste Bonanza in Europa.

Die Beechcraft Bonanza ist ein amerikanisches Flugzeug der allgemeinen Luftfahrt, das 1947 von der Beech Aircraft Corporation in Wichita, Kansas, eingeführt wurde. Die Firma wurde von Walter Beech gegründet, nachdem er sich von Cessna getrennt hatte. Das sechssitzige, einmotorige Flugzeug wird immer noch von Beechcraft produziert und ist länger in Serienproduktion als jedes andere Flugzeug in der Geschichte. Es wurden mehr als 17.000 Bonanzas aller Varianten gebaut, sowohl in unverwechselbaren V-Leitwerken als auch in konventionellen Leitwerkskonfigurationen.

Beechcraft Bonanza 35 - ILA 2010

Design und Entwicklung:

Am Ende des Zweiten Weltkriegs kamen 2 Ganzmetall-Leichtflugzeuge auf den Markt, das Modell 35 Bonanza der Firma Beechcraft und die Cessna 195, die sehr unterschiedliche Ansätze für den Zivilluftfahrtmarkt der Nachkriegszeit hatten. Die Cessna 195 war mit ihrem Hochflügel-Siebenzylinder-Sternmotor, dem festen Hinterrad (Spornrad) und den herunterrollbaren Seitenfenstern mehr eine Fortführung der Vorkriegstechnologie. Die Beechcraft 35 Bonanza war jedoch eher wie die während des Krieges entwickelten Kampfflugzeuge als Tiefdecker konzipiert.

Die ursprüngliche Bonanza hatte ein V-Leitwerk und ein hydraulisch einziehbares Dreiradfahrwerk, wobei das Bugrad zunächst nicht lenkbar war. Angetrieben wurde die Bonanza von einem 136 kW starken Sechszylinder-Boxermotor der Firma Teledyne Continental und bot Platz für 4-5 Personen. Im Laufe der vielen Baujahre wurde die Bonanza immer mehr verbessert. Unter anderem wurde sie mit einem konventionellen Kreuzleitwerk versehen, weil viele Piloten Vorbehalte gegenüber dem eher ungewöhnlichen V-Leitwerk hatten.

Das Modell 35 Bonanza wurde von einem Team unter der Leitung von Ralph Harmon entworfen und war zu einer Zeit, als die meisten Leichtflugzeuge noch aus Holz und Stoff bestanden, ein relativ flacher, einflügeliger Tiefdecker. Das Modell 35 verfügte - wie gesagt - über ein einziehbares Fahrwerk und ein charakteristisches V-Heck mit kombinierten Höhenrudern, "Rudervatoren" genannt. Es war sowohl effizienter als auch das markanteste Privatflugzeug am damaligen Himmel der aufkommenden privaten Luftfahrt. Der Prototyp 35 Bonanza absolvierte seinen Erstflug am 22. Dezember 1945. Die ersten 30–40 produzierten Bonanzas hatten noch mit Stoff bedeckte Klappen und Querruder, die übrigen Oberflächen waren mit Magnesiumlegierungsblech bedeckt.

3 Hauptvarianten umfassten schließlich die Bonanza-Familie:

Technische Daten: betr. abgebildete Bonanza (Angaben des Ausstellers)

Hersteller

Beech Aircraft Corporation

Type

Model 35

Herstelldatum

1947

Serialnummer

D-170

Kennzeichen

N2778V

Erstflug

1. Mai 1947

Länge

7,65 m

Spannweite

10,00 m

Max. Masse

1.157 kg

Leermasse

707 kg

Max. Treibstoff

227 Liter / 60 Gallonen

Triebwerk

Originalmotor

Continental E185-1

heutiger Motor (seit 1969)

Continental E225-8

Datum

April 1969

Serialnummer

3604-D-9-8-R

Max. Leistung

225 PS

Leistungsdaten

.

Max. Geschwindigkeit

326 km/h

Reisegeschwindigkeit (75%)

278 km/h

Stallgeschwindigkeit (VS0)

83 km/h

Reichweite (Res.)

ca. 1.295 km

  • Modell 35 Bonanza mit V-Leitwerk wurde von 1947–1982 produziert
  • Modell 33 Debonair, ein Modell 35 mit einem konventionellen Leitwerk, welches später auch in Bonanza umbenannt wurde, wurde von 1959–1995 gefertigt
  • Modell 36 Bonanza ist eine gestreckte Variante, die von 1968 bis heute produziert wird, jedoch nicht mehr mit V-Leitwerk

Die ICAO-Typenbezeichnung für die drei Varianten lauten BE35, BE33 bzw. BE36.

Beechcraft Bonanza 35 - Cockpit

Der Bonanza-Rumpf wurde auch für die zweimotorige Travel Air verwendet, die später zum Baron G58 weiterentwickelt wurde. Auch gab es die Beech Model 50 Twin Bonanza. Trotz ihres Namens verwendet die Twin Bonanza einen anderen Rumpf und ist der einmotorigen Bonanza weitgehend unähnlich.

Alle Bonanzas mit V-Leitwerk haben ein ungewöhnliches Merkmal: Die Joch- und Ruderpedale sind durch ein System aus Gummiseilen miteinander verbunden, die dazu beitragen, dass das Flugzeug während der Kurven im koordinierten Flug bleibt. Das "Bungee-System" ermöglicht es dem Piloten koordinierte Kurvenfahrten mit minimalem Rudereingang während des Reisefluges durchzuführen. Beim Abheben ist jedoch immer noch ein erhöhter Rechtsruderdruck erforderlich, um das Motordrehmoment und den P-Faktor zu überwinden. In der Landephase muss das Bungee-System vom Pilot bei Querwind-Landungen außer Kraft gesetzt werden.

1982 wurde die Produktion der “Beech Bonanza 35” mit V-Leitwerk eingestellt, aber das Model 33 mit konventionellem Leitwerk wurde bis 1995 gefertigt. Die länger geschnittene Variante "Modell 36 Bonanza" mit geradem Heck wird noch heute gebaut und gilt als zuverlässiges Reise- und Geschäftsflugzeug.

Bekannt wurde dieses Flugzeug unter anderem durch eine Vielzahl von Langstrecken- und Geschwindigkeitsrekorden. William P. Odom stellt zwischen dem 7. bis 8. März 1949 einen Streckenrekord mit einem Beechcraft Kleinflugzeug auf. Er flog non-stop von Honolulu, Hawaii, nach Teterboro, New Jersey, in seiner "Waikiki Beech", einem Bonanza Model 35 mit der Werksnummer 4. Er flog dabei 8.486 Kilometer (5.273 Meilen) in nur gut 36 Stunden. Dabei verbrauchte das Flugzeug lediglich 1.030 Liter Treibstoff und verdient sich damit einen Platz in der Luftfahrtgeschichte. Das Original der Beech 35 Bonanza Waikiki Beech ist heute im Air and Space Museum Washington D.C. / Dulles ausgestellt.

Als Beechcraft T-34 Mentor existiert ferner eine militärische Trainingsversion der Bonanza. Dabei wurde die viersitzige Kabine durch ein Tandemcockpit ersetzt. Während die T-34A und T-34B wie der zivile Typ über ein Kolbentriebwerk verfügt, besitzt die T-34C eine Wellenturbine als Antrieb.

Die Version Beechcraft QU-22 war eine während des Vietnamkrieges modifizierte Beech 36 Bonanza für die United States Air Force, für die elektronisches Überwachung entlang des Ho-Chi-Minh-Pfades.

Die aktuelle Version Model 36 Bonanza hat mittlerweile neben zahlreichen anderen Veränderungen ein Garmin G1000 Glascockpit erhalten, d. h. der Pilot bekommt seine Informationen über zwei Bildschirme geliefert.

Das Reiseflugzeug von 1947 wird noch heute in modernisierter Form gebaut. Am 8. Februar 1980 wurde das Unternehmen von Raytheon aufgekauft. 1994 bildete Beech Aircraft mit Hawker, das Raytheon ein Jahr zuvor von British Aerospace erworben hatte, die Firma Raytheon Aircraft. Seit der Trennung vom Mutterkonzern 2007 nennt sich diese Gesellschaft Hawker Beechcraft.

Beechcraft Bonanza 35 - Straight 35
Beechcraft Bonanza 35 - V-Leitwerk
Beechcraft Bonanza 35 - N2778V
Beechcraft Bonanza 35 - Flugplatz
Beechcraft Bonanza 35 - Luftfahrtausstellung

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow (Berlin, Spandau)

 

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