Luftwaffenmuseum Gatow
- Militärhistorisches Museum der Bundeswehr -

Das größte Flugzeugmuseum in Deutschland

 

Tieffliegermeldestelle: Diese Radargeräte standen an vorderster Front des doppelten NATO-Flugabwehrriegels, bestehend aus HAWK- und NIKE-Raketen

Chronik der Flugabwehrraketen der NATO

In den 50er Jahren beschloss die NATO f√ľr die Luftverteidigung Westeuropas einen G√ľrtel von festen Flugabwehrraketenstellungen in Nord-S√ľd-Richtung aufzubauen. Kernst√ľck dieser bodengebundenen Luftverteidigung sollte ein doppelter Raketenriegel im westlichen Teil der damaligen Bundesrepublik von der Nordsee bis zum Bodensee werden. Der Doppelriegel wurde von Flugabwehrraketeneinheiten mehrerer NATO-Staaten unter gemeinsamer F√ľhrung betrieben. Die deutsche, niederl√§ndische und belgische Luftwaffe waren daran ebenso beteiligt wie die US-Army, das belgische Heer und die franz√∂sischen Streitkr√§fte. Jede Nation war f√ľr bestimmte Sektoren zust√§ndig, die √§hnlich wie die Korpsgefechtsstreifen der NATO-Heereskorps eine national gemischte ‚ÄěSchichttorte“ darstellten. Obwohl sich die Masse dieser Flugabwehreinheiten auf deutschem Boden befand, sollte die Riegelverteidigung vor allem das NATO-Hinterland sch√ľtzen und einen strategischen Luftangriff des Warschauer Paktes abschrecken bzw. erschweren. Die deutsche Sicherheitspolitik ordnete sich damit voll in das Konzeption der gemeinsamen B√ľndnistrategie und kollektiven Abschreckung ein.

Als Einsatzsysteme f√ľr die Luftverteidigung waren die amerikanischen Raketenssyteme ‚ÄěNIKE“ und ‚ÄěHAWK“ vorgesehen. Die NIKE-Raketen waren im westlichen Riegel f√ľr den mittleren und oberen H√∂henbereich vorgesehen, w√§hrend die HAWK-Raketen √∂stlich des NIKE-Riegels gegen Tieffflieger und Flugziele ind mittleren H√∂hen wirken sollten. Die NIKE-Systeme waren f√ľr den Einsatz in festen und gesch√ľtzten Stellungen vorgesehen, obwohl sie bei Bedarf und l√§ngerer Vorbereitung auch verlegef√§hig waren, da die Hauptkomponenten auf Anh√§ngern verlastet werden konnten. Die HAWK-Raketen waren f√ľr einen mobilen Einsatz ausgelegt, wurden aber auch in festen Einsatzstellungen untergebracht, in denen auch sie wie die NIKE-Einheiten im Frieden aus dem Stand jederzeit einsatzbereit waren.

F√ľr die Flugabwehrraketensysteme bestand eine Einsatzbereitschaft rund um die Uhr, um als "Waffe der ersten Stunde" jeder Zeit gegen einen potentiellen Luftangriff des Warschauer Paktes eingesetzt werden zu k√∂nnen. Diese Einsatzbereitschaft war sehr personalintensiv, galt aber als Voraussetzung der damaligen Abschreckungsstrategie.

Die Aufstellung und Stationierung der NIKE-Einheiten begann ab 1958 . Der Aufbau des HAWK-Riegels folgte ab Mitte der 1960er Jahre. Die Einheiten wurden zuerst in provisorischen Ausbildungsstellungen auf Milit√§rflugh√§fen oder Truppen√ľbungspl√§tzen untergebracht. Ab 1962 verlegten die Batterien in feste und zum Teil verbunkerte Abschuss-und Feuerleitstellungen, die nach taktischen und topographischen Gesichtspunkten ausgew√§hlt wurden. Dies bedeutete oft die Stationierung der Raketenbatterien an bisher milit√§rfernen Orten, die durch eine kleine Neubaukaserne und geheimnisumwitterte mit Z√§unen, T√ľrmen, Erdw√§llen und Bunkern abgeschirmte Anlagen in abgelegenen Au√üenbereichen zu einer ‚ÄěGarnisonsstadt“ wurden. Nach einer z√ľgigen Anfangsphase verz√∂gerte sich der Ausbau der Infrastruktur aufgrund finanzieller Engp√§sse, so dass einiger Einheiten erst in den 70er Jahren eine dauerhafte Einsatzstellung beziehen konnten. Noch vor der Fertigstellung des Riegels hatten einige Staaten auch schon wieder mit Reduzierungen begonnen, so dass die Gesamtzahl der Batterien nie stabil war. Die Zahl der NIKE-Batterien d√ľrfte die Zahl 60 nie √ľberschritten haben. So zog Frankreich noch in der Aufbauphase seine Flugabwehreinheiten 1966 aus politischen Gr√ľnden ab. Besonderes sicherheitspolitischen Gewicht erhielt die bodengebundene Luftverteidigung durch die Bereitstellung von nuklearen Gefechtsk√∂pfen f√ľr die NIKE-Raketen aller Partnerstaaten durch die USA. Die Sprengk√∂pfe blieben in amerikanischem Gewahrsam, der durch besondere US-Kommandos an den NIKE-Standorten sichergestellt wurde. In den 80er Jahren wurden die veralteten NIKE-Systeme au√üer Dienst gestellt und der Ersatz durch das modernere PATRIOT-System eingeleitet.

Mit dem politischen Umbruch nach 1989 war der Luftverteidigungsriegel nat√ľrlich √ľberholt. Die Partnerstaaten l√∂sten ihre Einheiten auf oder zogen sie in die Heimat ab. Die FlaRakTruppe der Luftwaffe reduzierte ihre St√§rke etwas langsamer und gab eine Reihe von Kleinstandorten auf. Die vorhandene Infrastruktur wurde und wird aber zum Teil f√ľr Ausbildung und Unterbringung weitergenutzt, auch wenn die Stellungen keine taktische Bedeutung mehr hatten. Der Prozess der Zusammenlegung an zentralen Standorten und die Reduzierung wurde nun mit der 2001 beschlossenen Bundeswehrreform beschleunigt.

In dieser Planung sind k√ľnftig sechs Flugabwehrraketengruppen (Nr. 21-26) mit insgesamt 30 PATRIOT-Feuereinheiten vorgesehen, die acht verbleibenden Staffeln des √ľberholten HAWK-System wurden zusammen mit acht ROLAND-Flugabwehreinheiten (Flugabwehr im Nahbereich) in vier gemischten FlaRakGruppen (Nr. 11-15) zusammengezogen. Das HAWK-System wartet auf einen modernen Nachfolger, dessen Entwicklung l√§uft, ohne dass die Beschaffung finanziell gesichert ist. Langfristig sollen m√∂glicherweise nur noch 24 Flugabwehrraketenbatterien mit PATRIOT und dem HAWK-Nachfolgesystem erhalten bleiben. Das Einsatzkonzept der bodengebunden Luftverteidigung sieht schon heute einen mobilen Einsatz im ganzen B√ľndnisgebiet vor und hat mit dem statischen Konzept aus den Jahren des Ost-Westkonflikts nichts mehr zu tun.

Diese Planung ist allerdings seit Fr√ľhjahr 2003 durch weitere Streichungen schon wieder √ľberholt. Im Mai 2003 wurden im Zusammenhang mit den neuen Verteidigungspolitischen Richtlinien von Verteidigungsminister Struck weitere Einschnitte und Ver√§nderungen bei der FlaRakTruppe bekanntgegeben. Die vier gemischten Hawk- und Rolandgruppen werden ersatzlos aufgel√∂st. Der Stab des FlaRakGeschwaders 4 in Burbach ist aufzul√∂sen. Sein Einsatzauftrag endete mit dem Jahr 2003. Die sechs noch verbleibenden FlaRakGruppen (Nr. 21-26) mit Patriot werden im Norden Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern in drei Geschwadern zu je zwei Gruppen (Nr. 1,2,5) konzentriert. Die traditionsreichen FlaRakStandorte in Niedersachsen und Westdeutschland werden endg√ľltig aufgegeben. Die FlaRakGruppe 25 aus den s√ľdoldenburgischen Standorten Ahlhorn und Barnstorf verlegt nach Leck an der deutsch-d√§nischen Grenze. Die FlaRakGruppe 21 muss die H√∂hen des Haarstrangs √ľber dem M√∂hnesee und die gerade erst bezogene Garnison im nordhessischen Arolsen Richtung Mecklenburg verlassen und die Infrastruktur der aufgel√∂sten FlaGruppe 12 in Sanitz und Cammin bei Rostock √ľbernehmen.

Diese r√§umliche Konzentration wird die Ausbildung innerhalb der Geschwader erleichtern und Kosten sparen. Allerdings wird sich in den Ballungsszentren Westdeutschlands mit zahlreichen empfindlichen Objekten keine einzige Einheit der bodengest√ľtzten Luftverteidigung mehr befinden! Trotz der Mobilit√§t des Patriotsystems, d√ľrften bei einer gro√ür√§umigen Verlegung im Bedarfsfall viel Zeit vergehen.

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IST-Zustand nach der Wende:   wie geht es weiter ? (Stand: 2007)

Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung am 03.10.1990 ergaben sich direkte Konsequenzen f√ľr die Flugabwehrraketenverb√§nde.

Auf rein deutscher Nationalebene sind die Systeme NIKE (auch Pershing) seit l√§ngerem abgeschafft. Die Systeme Hawk und Roland sind mittlerweile ebenfalls ausser Dienst gestellt worden. Es verbleiben die sechs moderneren Patriotgruppen mit zusammen 24 Batterien. Es gibt also kein eigentliches FlaRakSystem gegen Tiefflieger mehr und zum Objektschutz stehen nur noch die Fliegerfausttrupps des Objektschutbataillons der Lw und ggf. der beiden verbleibenden Panzerflakverb√§nde des Heeres (Nr. 6 L√ľtjenburg und Nr 12 Hardheim) zur Verf√ľgung.

Der Schichtdienst rund um die Uhr war nicht mehr notwendig und eine Friedensdislozierung in ausgebauten Einsatzstellungen nicht mehr erforderlich. Die gerade entwickelte FlaRak-Struktur war nicht mehr passend und musste √ľberdacht werden.

Die Personalstärke der verbleibenden Verbände wurde halbiert, drei Hawk-Geschwader aufgelöst, deren Feuereinheiten allerdings neu zugeordnet und die Kommandostruktur dem Namen nach wieder aufgegeben.

1991 kam es im Rahmen des 2. Golfkrieges zu einem ersten Kampfeinsatz im Ausland. Eine Staffel HAWK (FlaRak Bti 36) wurde f√ľr den Objektschutz zur Luftwaffenbasis Diyarbakir in der Ostt√ľrkei sowie eine ROLAND-Staffel (FlaRakGrp 42) nach Erhac/T√ľrkei verlegt. Unter erheblichen Schwierigkeiten konnte dieser Auftrag ausgef√ľhrt werden.

Kurz danach f√ľhrten √úberlegungen im Verteidigungsministerium zu einer neuen Art der Kategorisierung. Diese umfasste Krisenreaktionskr√§fte (KRK), die in wenigen Tagen verlegt werden konnten und Hauptverteidigungskr√§fte (HVK) mit besonderen Aufgaben. Zu den KR-Kr√§ften geh√∂rten ab 1993 das FlaRakG 1 ‚ÄěSchleswig-Holstein" und 3 ‚ÄěOldenburg". Als Einsatzkr√§fte waren grunds√§tzlich drei PATRIOT-, zwei HAWK- und eine verst√§rkte ROLAND-Staffel mit entsprechenden F√ľhrungs- und Unterst√ľtzungselementen vorgesehen. Der Einsatz sollte m√∂glichst im Verbund erfolgen und der ‚ÄěCluster-Einsatz" war das Ziel. Die Jahre 1993 bis 1995 waren gekennzeichnet durch eine Vielzahl von √úbungen im In- und Ausland sowie √úberpr√ľfungen aller Art.

  • 1993: Erste KRK-Auslands√ľbung von FlaRak-Kr√§ften (Dynamic Mix in der T√ľrkei)
  • 1995: Erste √úbung mit FlaRak-Kr√§ften in den USA (ROVING SANDS)
  • 1996: Am 1. Januar 1996 wurden die beiden Krisenreaktionskr√§fte (KRK) FlaRak der NATO assigniert.
  • 1997: Einsatz von FlaRak-Verb√§nden bei der Bek√§mpfung der Oder-Flut.
  • 1999: TacEval w√§hrend einer KRK√úbung im Ausland (FlaRakG 3 ‚ÄěOldenburg", BATTLE GRIFFIN in Norwegen) 2000: TacEval w√§hrend einer KRK√úbung im Ausland (FlaRakG 1 ‚ÄěSchleswig-Holstein", Dynamic Mix in Griechenland)
  • 2002: Einsatz von FlaRak-Verb√§nden bei der Bek√§mpfung der Elbe-Flut.

Was ist NRF ? NRF bedeutet NATO RESPONSE FORCE. Besonderes Augenmerk bei dieser milit√§rischen schnellen Eingreiftruppe liegt auf der hohen Verf√ľgbarkeit als eingespielte und auftragsgerecht ausgebildete Truppe. Internationalit√§t sowie multinationale Zusammenarbeit spielen eine zentrale Rolle bei der gemeinsamen Intervention und Pr√§vention von Konflikten. Hierf√ľr wurde auf dem Prager NATO-Gipfel im November 2002 der Grundstein gelegt. NRF stellt sicher, dass NATO-Einsatzkr√§fte innerhalb von f√ľnf bis drei√üig Tagen in jedes Krisengebiet der Welt verlegen k√∂nnen und dort einsatzbereit sind. Weiterhin ist vorgesehen, dort √ľber einen l√§ngeren Zeitraum autark operieren zu k√∂nnen. Zweck der NRF ist es, auf Beschluss des NATO-Rats Krisen, Konflikte und Gefahren weltweit effektiv einzud√§mmen. Der Umfang der eingesetzten Kr√§fte h√§ngt grunds√§tzlich vom jeweiligen Einsatzauftrag ab. Die Zuordnung zur NRF erfolgt f√ľr 6 Monate.

  • 2004: √úbernahme des NRF-Auftrages durch FIaRakG 1 ‚ÄěS-H" f√ľr NATO RESPONSE FORCES (2005) und Beginn der Ausbildung und Vorbereitung. 
  • 01.07.2005-17.01.2006: Standby Phase (Abrufbereitschaft) NRF f√ľr das FIaRakG 1 ‚ÄěS-H"
  • Ende 2005: Au√üerdienststellung der letzten HAWK/ROLAND-Gruppe (FIaRakGrp 15)
  • 2005/2006: Ausr√ľstung der FIaRakG 1, 2 und 5 mit dem Geschwadergefechtsstand (SAMOC)

Gemeinsame √úbungen: In den letzten zwei Jahrzehnten hat die √úbungsh√§ufigkeit der bodengest√ľtzten Luftverteidigung im In- und Ausland st√§ndig zugenommen. “Hochwert√ľbungen” erhalten ihren Namen durch den damit verbundenen Aufwand, aber auch durch den erwarteten Ausbildungserfolg.

Im Inland waren dies die √úbungen CLEAN HUNTER sowie die √úbungen ELITE (Elektronische Kampff√ľhrung). Weiterhin waren es meistens die Krisenreaktionskr√§fte FIaRak, die bei Auslands√ľbungen zum Einsatz kamen.

In Vorbereitung auf den Einsatz als NATO RESPONSE FORCE (NRF) 5 nahm das FIaRakG 1 Anfang 2005 an der √úbung BATTLE GRIFFIN in Norwegen teil.

Dar√ľber hinaus fanden √úbungen in den Niederlanden, D√§nemark, Portugal und Slowakei statt.

An der √úbung ROVING SANDS nahmen seit 1995 fast jedes Jahr ein FIaRak-Geschwader im Rahmen der gr√∂√üten Luftverteidigungs√ľbung der westlichen Welt in Texas/Neu Mexiko/USA teil. Hier standen Einsatz und Auftragserf√ľllung im multinationalen Rahmen insbesondere unter besonderen klimatischen Bedingungen im Mittelpunkt. Die Fernverlegung (See-, Luft-, Bahn- und Stra√üentransport) von Material und Personal war eine Herausforderung.

Seit 1996 nehmen die FlaRak-Geschwader an der √úbung JOINT PROJECT OPTIC WINDMILL (JPOW) teil.

Unter der Federf√ľhrung der niederl√§ndischen Luftwaffe erfolgt diese multinationale Simulations√ľbung zur Abwehr von taktischen-ballistischen Flugk√∂rpern. Daran sind jedes Jahr deutsche und amerikanische FIaRak-Kr√§fte beteiligt.

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Mit Atomraketen gegen Atombomben:

Das Nike-System war ab Ende der 40er Jahre entwickelt worden, um die USA gegen√ľber der als Bedrohung weit √ľbersch√§tzten sowjetischen Atombomberflotte zu sch√ľtzen. Nike-Batterien der Army und National Guard sch√ľtzten die US-Bev√∂lkerungszentren. So war z.B. eine Batterie zeitweise auf der legend√§ren Hafeninsel "Ellis Island" in unmittelbarer N√§he zur New Yorker Freiheitsstatue stationiert. Die Nike-Batterien auf dem amerikanischen Kontinent wurden dann aber zu Beginn der 70er Jahre nahezu vollst√§ndig aufgel√∂st, weil sich die Bedrohung durch sowjetische Atombomber als √ľbertrieben herausgestellt hatte und Interkontinentalraketen mit Nike nicht zu bek√§mpfen waren.

In der ersten Systemversion handelte es sich noch um eine Fl√ľssigkeitsrakete namens Typ "Ajax" , die umst√§ndlich zu handhaben war und nur 40 km Reichweite hatte. Diese Version wurde in den 60er Jahren durch die nuklearf√§hige Feststoffrakete "Hercules" ersetzt, die mit 140 Km Reichweite einen gro√ür√§umigen Fl√§chenschutz gegen Angreifer in gro√üen H√∂hen bieten und sowjetische Bomberpulks nuklear "unter Risiko" halten sollte. Sie waren urspr√ľnglich ein Kind des Zeitalters der massiven Vergeltung, das auf eine unbedingt nukleare Kriegf√ľhrung fixiert war, in der es darum ging, das nukleare Potentials des Gegners zu Lande und in der Luft noch vor dem Einsatz mit eigenen Atomwaffen zu vernichten. Da man annahm, dass die gegnerischen Flugzeuge auch vorwiegend nuklear best√ľckt sein w√ľrden, galt deren Zerst√∂rung durch nukleare Detonationen in der Luft √ľber dem eigenen Territorium als das geringere √úbel gegen√ľber der angenommen Bodenexplosion gegnerischer Bomben auf eigenem Boden. Dies Szenario war im Zuge des sich abzeichnenden Strategiewandels von der massiven Vergeltung zur "Flexible Response" eigentlich schon √ľberholt als die Nike in den fr√ľhen 60er Jahren nach Europa kam. Die Luftverteidigung hatte sich hier in den 50er Jahren noch prim√§r auf J√§ger und Flugabwehrkanonen der Kaliber 40 oder 75mm gest√ľtzt.. Die Kanonen wurden zwar z.T. bereits mit Radarfeuerleitger√§ten versehen, konnten aber nicht in gr√∂√üere H√∂hen und √ľber gr√∂√üere Reichweiten wirken. Sie eigneten sich nur f√ľr den Schutz einzelner Objekte oder Truppen .

Die √úberlegungen in der NATO zur gro√ür√§umigen Luftverteidigung Europas waren in den 50er Jahren zu dem Schluss gelangt, dass f√ľr einen fl√§chendeckenden Raumschutz keine Mittel verf√ľgbar waren. Andererseits wollte man angesichts der Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg und der nuklearen Bedrohung sich nicht auf den Schutz wichtiger milit√§rischer Objekte beschr√§nken , sondern auch die Bev√∂lkerung einbeziehen. Man kam zu dem Schluss, dass die verf√ľgbaren Mittel in einem Abwehrg√ľrtel quer durch die westliche Bundesrepublik von der Nordsee bis zu den Alpen konzentriert werden sollten. Der G√ľrtel sollte durch Nike-Verb√§nde der Amerikaner, Deutschen, Franzosen, Belgier und Niederl√§nder gebildet werde, die jeweils einen bestimmten Sektor zugewiesen bekamen . Im linksrheinischen Gebiet wurde sogar ein zweiter G√ľrtel besetzt. Ein Angreifer h√§tte bei einem Angriff auf das NATO-Hinterland diesen G√ľrtel konzentrierter Abwehr und nuklearer Best√ľckung √ľberwinden m√ľssen. Die Flugabwehrraketen sollten in ununterbrochener 24-Stunden Bereitschaft gehalten werden und mussten deshalb in festen Stellungen untergebracht sein. Der Wirkungsbereich der Nike in mittlerer und gro√üer H√∂he sollte im √∂stlichen Teil des G√ľrtels durch das gegen Tiefflieger wirkende "Hawk"-SystemÔĺĒ erg√§nzt werden, das im Zeitraum 1965 bis 1983 ebenfalls in festen Stellungen stationiert wurde und einen eigenen G√ľrtel bildete. Im Einsatz sollten die "Hawk" allerdings beweglich eingesetzt werden. Es war auch vorgesehen, die Nike-Einheiten f√ľr eine Verlegung mobil auszulegen. Alle Radar- und Kontrollger√§te war auf Anh√§ngern verlastet und die Startgestelle konnten demontiert werden. Die Luftwaffe stellte diese √úberlegungen allerdings nach einer Erprobungs√ľbung in Ahlhorn 1970 endg√ľltig ein und bem√ľhte sich stattdessen darum, den passiven und aktiven Schutz der Anlagen zu verst√§rken. Die Amerikaner sollen diese Versuche, Nike zumindest verlegef√§hig zu halten in st√§rkerem Ma√üe betrieben haben.

Die Mitte der 60er Jahre modifizierte strategische Rolle der Nike im Rahmen der "flexible response" war es, die gegnerischen Luftwaffen in den Tiefflug zu zwingen, der ihre Reichweite reduzierte und sie in den Wirkungsbereich der "Hawk" und Flugabwehr des Heeres zwang.

Die Nike Raketen auf deutschem Boden sch√ľtzten vor allem das NATO-Hinterland und nicht so sehr die potentielle Kampfzone Deutschland. Im Abschreckungsszenario der unbedingten Kriegsvermeidung und des unteilbaren Allianzrisikos wurde dies von deutschen Abschreckungspolitikern meist nicht als Problem gesehen .

Bayern und Schleswig-Holstein lagen nicht im Wirkungsbereich des Nike-G√ľrtels. Die Konzentration der H√§lfte aller deutschen Nike-Einheiten (Btl Nr. 24,25 und 26) in der Nordwestecke Deutschlands war aus rein nationaler Sicht nicht unbedingt geboten. Der eigentliche Nutznie√üer war hier im Grunde Gro√übritannien, das sich selber am Nike-G√ľrtel nicht beteiligte und sich darauf beschr√§nkte, seine im belgischen Nike-Sektor liegenden RAF-Basen am Niederrhein mit dem eigenen Bloodhound-System gesondert zu sch√ľtzen. Dagegen lagen die US-Nike unmittelbar im Stationierungsgebiet der US-Truppen in Rheinland-Pfalz und Baden-W√ľrttemberg. Die Sektoren der belgischen und niederl√§ndischen Einheiten auf deutschen Gebiet befanden sich direkt im Vorfeld der eigenen L√§nder. Lediglich die andere H√§lfte der deutschen Nike-Bataillone (Nr. 21,22 und 23) in den Sektoren √∂stlich des Rheins und n√∂rdlich des Mains konnten aus deutscher Sicht als unmittelbarer Schutz der Ballungszentren an Rhein und Main empfunden werden.

Im Norden und S√ľden Europas beschr√§nkte sich die Nike-Stationierung auf den Schutz Oberitaliens und die R√§ume Athen, Bosporus, Kopenhagen und Oslo. Ein durchgehender G√ľrtel wurde hier nicht aufgebaut.

Die Konzentration auf festgelegte Sektoren in einem Riegel erleichterte das noch heute nicht v√∂llig gel√∂ste Problem der Identifizierung eigener Flugzeuge im Luftkampf. Die NATO-J√§ger erhielten Einsatzr√§ume vor, hinter und an den Flanken des G√ľrtels zugewiesen und konnten diesen beim R√ľckflug nur in bestimmten r√§umlich und zeitlich zugewiesenen Zonen passieren.

Ungeachtet des Strategiewandels blieb die nukleare Rolle der Nike grunds√§tzlich erhalten. Sie stellte eine wichtige Erg√§nzung der Abschreckungsleiter dar. Man hielt den taktischen Einsatz eines nuklearen Gefechtskopfes in gro√üer H√∂he √ľber dem eigenen Territorium f√ľr eine glaubw√ľrdigere Androhung als den Einsatz von taktischen Kernwaffen auf dem Boden des eigenen Territoriums. Innerhalb der Eskalationsleiter hielten die Strategieplaner die "Nikes" f√ľr den nuklearen "Warnschuss" besonders geeignet, da sie das eigene Gebiet in einen geringeren (?) Ausma√ü sch√§digten als nukleare Bodendetonationen und andererseits das gegnerische Gebiet zuerst noch verschonten. Die Nike Raketen eigneten sich auch f√ľr den Boden-Boden-Einsatz und stellten mit ihren Sprengk√∂pfen von bis zu 5 Kilotonnen (> 30KT) eine Art nukleare Barriere dar, die der Gegner in seine Angriffsplanung einbeziehen musste. In gewisser Weise sch√ľtzte die Nike sich durch ihre nukleare Funktion auch vor konventionellen Angriffen, da ein Angriff auf nukleare Systeme mit einem Eskalationsrisiko behaftet war. F√ľr eine langanhaltende rein konventionelle Luftverteidigung war die Nike angesichts der geringen Flugk√∂rperbevorratung (bei den Niederl√§ndern zB. nur 72 FK f√ľr 36 Abschussgestelle) , der aufwendigen Flugk√∂rpermontage und der auf nur einen Bek√§mpfungsvorgang beschr√§nkten Feuergeschwindigkeit weniger geeignet. Die Amerikaner kontrollierten die Gefechtsk√∂pfe durch eigene Detachments, die sich bei den Batterien der Partnerstaaten befanden. Wenn Batterien die US-Sicherheitsnormen nicht mehr erf√ľllten, wurde der Nuklearstatus entzogen. Wenig bekannt ist, dass einige amerikanische und belgische Einheiten auch f√ľr die Abwehr taktischer Raketen konfiguriert waren. Die hohe Geschwindigkeit der Rakete verlieh der Nike ein begrenztes Potential auf diesem Gebiet , das sp√§ter unter dem Namen "Nike-Zeus" zum Gegenstand eines Entwicklungsprojekts zur Flugk√∂rperabwehr wurde.

Die Raketen kommen:

Die Aufstellung der Nike-Raketeneinheiten in Deutschland, anfangs noch in der nicht nuklearf√§higen "Ajax-Version, ab 1959/60 war sicherlich Gegenstand so mancher Ger√ľchte in der Hochphase des Ost-West-Konfliktes, tauchten diese Raketen doch pl√∂tzlich an Objekten und Standorten weit im Westen der Bundesrepublik auf, in denen man wohl weniger mit Milit√§r gerechnet hatte.

Bevor im Zeitraum1962-73 die auf der vorliegenden Karte dargestellten festen Einsatzstellungenbezogen werden konnten, richteten die Bundesluftwaffe und die Partnerstreitkr√§fte die Abschussgestelle und Radarwagen ihrer "Nike" in provisorischen √úbungsstellungen auf Flugpl√§tzen, Truppen√ľbungspl√§tzen oder Milit√§rlagern ein. Es begann um 1960 in Nordrhein-Westfalen mit Ausbildungsstellungen in Bocholt und auf dem "Berger Feld" im Stadtgebiet von Gelsenkirchen (!), unweit der Stelle, wo heute das "Schalker" Parkstadion steht. Ein ehemaliges Materiallager der Wehrmacht in Heeren-Werwe bei Unna wurde ein weiterer √úbergangsstandort des ersten FlaRak Verbandes ,dem FlaRakBtl 21, bevor es ab ca 1962 seine festen Einsatzstellungen im M√ľnsterland und Sauerland bezog . Diese Objekte betreibt der in FlaRakGruppe 21 umbenannte Verband noch heute f√ľr seine Patriot-Systeme .

Bevorzugt wurden die Nike anfangs auf Fliegerhorsten (K√∂ln-Wahn f√ľr FlaRakBtl 21 und 22, Ahlhorn und Diepholz f√ľr Btl 25 oder Jever f√ľr Btl 26) oder milit√§rischen √úbungspl√§tzen (Stegskopf im Siegerland f√ľr Btl 22, Varel-Friedrichsfeld und Delmenhorst-Adelheide f√ľr Btl 24). Die Nutzung vorhandener Liegenschaften f√ľr die Dauereinsatzstellungen blieb aber zeitlich begrenzt. Einige ehemalige Flugpl√§tze (Hardheim, Finthen, Mengen u.a.) oder √úbungspl√§tze (Elsenborn in Belgien, D√ľren-Drove, Euskirchen-Billig) wurden meist von Alliierten belegt. Die Niederl√§nder platzierten ihre ersten Nike-Einheiten auf ehemaligen Wehrmachtsflugpl√§tzen (Handorf bei M√ľnster, V√∂rden, Rheine-Bentlage). Der Flugplatz Bramsche-Hesepe konnte nur f√ľr den Stab und die Versorgungseinheiten der 1.Groep Geleide Wapens (sp√§ter 12.GGW) genutzt werde, da ein Munitionsdepot in der N√§he die Einrichtung einer Nike-Stellung ausschloss und diese sp√§ter in Bad Essen eingerichtet werden musste. In den meisten F√§llen musste geeignetes Gel√§nde angekauft werden, das bestimmte Kriterien wie Anh√∂hen f√ľr die Feuerleitradare und Mindestentfernungen zwischen Abschussbereich und Feuerleitung erf√ľllten.

Eine Batterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in g√ľnstiger topographischer Lage mit bis zu 6 Radarger√§ten f√ľr √úberwachung , Zielerfassung, Zielverfolgung, Flugk√∂rperverfolgung, Entfernungsmessung und Freund-Feind-Erkennung und dem Abschussbereich mit jeweils drei Abschussfl√§chen und dazugeh√∂rigen Bunkern. W√§hrend die Raketen in ihren Montagebunkern und auf den durch Erdw√§llen gesch√ľtzten Abschussschienen wahrscheinlich nicht so schnell auszuschalten gewesen w√§ren, lag der Schwachpunkt in der Feuerleitung. Die Radaranlagen lagen in exponierter Stellung und konnten nur durch Sands√§cke oder konturenverwischende Tarnung gesch√ľtzt werden. Zum Eigenschutz gegen angreifende Tiefflieger aus stattete die Luftwaffe sp√§ter die FlaRakBtl mit 20mm Zwillingsgesch√ľtzen aus

Verj√ľngungskuren:
 

Die noch auf der R√∂hrentechnologie basierende Elektronik der Nike veraltete sehr schnell und musste immer wieder verbessert werden. Der entscheidende Schritt kam dabei erst in den allerletzten Einsatzjahren als man ab 1984 aus Gr√ľnden der Versorgbarkeit die verbliebenen Systeme der Deutschen, Belgier, Niederl√§nder und Norweger "digitalisierte". Eine wesentliche Kampfkraftsteigerung erfolgte bei der Luftwaffe mit der Einf√ľhrung des leistungsstarken √úberwachungsradar HIPAR bei allen 24 Batterien. Dies war vorher nur in einem Exemplar am Standort des Bataillongefechtsst√§nde vorhanden gewesen und machte durch seinen gro√üen olivgr√ľnen Radom den kundigen Beobachter auf Nike-Stellungen aufmerksam. Auf diese Weise kam es zu einer nicht unerheblichen Verdichtung des Sensornetzes in der Luftraum√ľberwachung, da die Radardaten der Bataillonsgefechtsst√§nde an die F√ľhrungszentralen der NATO-Luftverteidigung (SOC ) weitergeleitet werden konnten.. Die anderen Nike-Partner belie√üen es bei nur einem HIPAR am Standort der Bataillonseinsatzzentrale (BOC) zur gro√ür√§umigen √úberwachung bis 300 km ! Von dort konnten die Ziele an die vier Einsatzbatterien im Bataillonsektor zugewiesen werden, die mit ihren eigene Such- und Zielverfolgungsradare kleinerer Reichweite die Bek√§mpfung √ľbernehmen konnten. Die von mehreren Radaranlagen und Analogrechnern abh√§ngige Feuerleitung war ein komplizierter Vorgang, der nur die Bek√§mpfung eines Flugziel von der Zielzuweisung bis zur Detonation des Flugk√∂rpers erm√∂glichte. Trotz der veraltenden und st√∂ranf√§lligen Elektronik wurden bei den j√§hrlichen √úbungschie√üen auf Kreta immer gute Ergebnisse nahe an der 100 %-Grenze erzielt. Die allgemeine Einsatzbereitschaft wurde bei den ber√ľchtigten "TACEVALS" an den Standorten der Batterien von NATO-Teams regelm√§√üig √ľberpr√ľft.

Nachdem in der ersten H√§lfte der 60er Jahre eine gr√∂√üere Zahl von Batterien sehr schnell in festen Stellungen untergebracht werden konnte, sorgten finanzielle Engp√§sse f√ľr Verz√∂gerungen bei der Fortsetzung des Programms. So konnte das Delmenhorster FlaRakBtl 24 seine letzten Stellungen bei Sch√∂nemoor und Syke-Ristedt erst 1973 beziehen. Die Stellung der 54.belgischen Staffel im Raum Xanten- Sonsbeck wurde erst 1974 fertig und die 57. belgische Staffel erhielt sogar erst 1977 durch √úbernahme der niederl√§ndischen Stellung Erle bei Borken einen eigenen Einsatzstandort. Die niederl√§ndische Staffeln Nr. 222 in Nordhorn und 121 in Bad Essen waren in der nur kurzen Zeit ihres Bestehens von 1967-75 h√§ufiger von Teilkaderungen und -stilllegungen betroffen. Die Erosion des Nike-G√ľrtels hatte schon 1966 mit dem Abzug der Franzosen aus der NATO-Integration begonnen. Die frz. Verb√§nde Nr. 520 u 521 im schw√§bischen Raum wurden zur Aufstellung der franz√∂sischen strategischen Raketenstreitmacht herangezogen und hinterlie√üen am s√ľdlichen Ende des Riegels eine L√ľcke. Die Niederl√§nder halbierten ihre Nike-Streitmacht 1975 und gaben die Standorte Handorf, Erle, Bad Essen und Nordhorn auf. Die Belgier legten 1983-84 vier von acht Staffeln still. Die Amerikaner schlossen ihre letzten beiden Nike-Einheiten in Pirmasens und Kornwestheim bereits 1984 , so dass die Europ√§er die US-Ausbildungseinrichtung in Ft. Bliss sogar noch f√ľr kurze Zeit in eigener Regie weiterbetreiben mussten. Bei den verbliebenen europ√§ischen Nike-Nutzern kam es in den letzten Einsatzjahren sogar noch zu durchgreifenden Modernisierungen.

So wurden die verbleibenden Systeme aus Gr√ľnden der Versorgbarkeit f√ľr die letzten Einsatzjahre bei der Luftwaffenwerft in Mechernich noch elektronisch modernisiert ("digitalisiert") und die Infrastruktur einiger Stellungen in den kritischen Jahren 1983-84 f√ľr die nukleare Option noch besonders "geh√§rtet". Erkennbar sind diese Stellungen an den Betont√ľrmen.

1988 wurden aufgrund des Montbello-Beschlusses von 1983 die nuklearen Gefechtsk√∂pfe endg√ľltig abgezogen. Sie waren bis dahin im westf√§lischen B√ľren zentral gelagert und von Amerikanern, Belgiern und Niederl√§ndern bewacht worden. Die Niederl√§nder schlossen 1987 bzw. 1988 die letzten Stellungen Sch√∂ppingen und V√∂rden. Bei der Luftwaffe kam es zu ersten Einsparungen bei der bisher recht √ľppigen Personalbesetzung von 1200 Mann pro Btl., die vor allem wegen der Sicherstellung von vier Kampfbesatzungen f√ľr den 24-Stunden-Dienst und die Bewachung der nuklearen Teile erforderlich war. Je zwei von vier Batterien pro Btl wurden in der Bereitschaft herabgestuft und denuklearisiert. Die Bundesluftwaffe stellte dann im Sp√§tsommer 1989 ihre letzten Nike bei den Bataillonen 24 und 26 ausser Dienst. Zu diesem Zeitpunkt war die Umr√ľstung auf Patriot bei den ersten Bataillonen 21 und 23 schon eingeleitet. Mit dem Ende der letzten beiden belgischen Stellungen Hinsbeck-M√ľllem bei Grefrath und D√ľren-Drove endete 1990 die Nike-√Ąra in Mitteleuropa.

FlaRak zieht um:

Der Nachfolger "Patriot", dessen Beschaffung zeitweise offen blieb, war aufgrund eines deutsch-amerikanischen Kooperationsabkommens m√∂glich geworden. Die Zahl der Feuereinheiten konnte sogar von 24 auf 36 erh√∂ht werden. Die Zahl von sechs Verb√§nden blieb allerdings erhalten. Sie wurden nun als Geschwader bezeichnet, mussten sp√§ter aber wieder zu Gruppen (=Btle) zur√ľckgestuft werden. Ein grosser Teil der Systeme blieb US-Besitz und sollte nur von der Bundeswehr betrieben werden. Im Gegenzug stellte die Luftwaffe aus dem Personal der sechs Nike-Bataillone noch zus√§tzlich drei Gruppen mit "Roland"-Flugabwehrraketen f√ľr den unmittelbaren Objektschutz deutscher und amerikanischer Flugbasen auf. Das gesamte Ger√§t war "germanisiert" worden, d.h. Fahrzeuge , Fernmeldeger√§t und Stromerzeuger kamen aus deutscher Produktion. Die urspr√ľngliche Planung aus der Zeit um 1984-85 sah f√ľr das Nachfolgesystem Patriot einen gemischten beweglichen Einsatz mit dem FlaRak System Hawk vor, dass in den 60er und 70er Jahren parallel zum Nike-G√ľrtel in einem eigenen Riegel disloziert worden war. Der station√§re FlaRak G√ľrtel sollte etwas weiter √∂stlich durch einen beweglicheren Riegel aneinander gereihter Einsatzzonen (Cluster) von Hawk- und Patriot Einheiten abgel√∂st werden. Hawk und Patriot sollten sich mit ihren St√§rken und Schw√§chen hinsichtlich ihrer Feuerkraft und Wirkungsbereiche erg√§nzen. Die leistungsf√§higere Patriot braucht zum Beispiel die Unterst√ľtzung der Hawk im niedrigen H√∂henbereich und bei der 360¬į Grad-Abdeckung, da die P-Radare auf einen festen Sektor ausgerichtet werden m√ľssen. Zur gemeinsamen Einsatzf√ľhrung im Cluster war ein Gefechtststand bei dem Regiments- bzw. Kommando Stab vorgesehen. Die ehemals nur zur truppendienstlichen F√ľhrung vorgesehenen Regimentsst√§be erhielten nun eine Einsatzf√ľhrungsaufgabe.

Da die Zukunft des Entspannungsprozesses zwischen Ost und West Mitte der 80er Jahre noch ungewiss war, blieb die Forderung nach einer 24-Stunden Einsatzbereitschaft der Batterien noch erhalten bleiben, um die Schwelle f√ľr √úberraschungsangriffe weiterhin sehr hoch zu halten. Dies war nur aus festen gesch√ľtzten Einsatzstellungen mit festen Unterk√ľnften, gesch√ľtzten Abstell- und Wartungseinrichtungen zu leisten. Von daher war eine Weiternutzung der Nike-Liegenschaften sinnvoll. Im Falle einer ausreichenden Vorwarnzeit konnten die Patriot zusammen mit den Hawk-Batterien weiter √∂stlich gelegenen Gel√§ndepositionen im "Cluster" beziehen.

Der Verbleib der ehemaligen Nike-Verb√§nde an den alten Standort wurde auch aus strukturpolitischen Gr√ľnden gefordert, da es sich meist um wirtschaftlich schw√§chere Regionen handelte. Eine gr√∂√üere Umdislozierung gab es im Norden, wo sich das ostfriesische FlaRakBtl 26 in eine Rolandgruppe in Wangerland (FlaRakGrupp 41) und einen nach Husum und Heide abziehenden Patriotverband (FlaRakG 26) teilten. Der dortige Einsatzraum war vom HawkBtl 38 zu r√§umen, das in die R√§ume Nordhessischen und Siegerland zog und z.T. die Standorte der abgezogenen Btl 22 und 23 in Burbach und Lich √ľbernahm. Aufgrund des deutsch-amerikanischen Kooperations-Abkommens waren auch Luftverteidigungsaufgaben in amerikanischen Sektoren von den deutschen Patriotgeschwadern zu √ľbernehmen. Deshalb mussten die beiden Bataillone Nr. 22 und Nr 23 aus S√ľdwestfalen und dem Rhein-Main-Gebiet als FlaRakG 22 und 23 nach Bayern umziehen. Zwei Stellungen des FlaRakBtl 22 wurden an das FlaRakG 21 abgegeben (Lennestadt-Oedingen, Waldbr√∂l). Wie das FlaRakBtl 26 in Wangerland sollte auch das FlaRakBtl 23 in Kemel und Sch√∂neck einen "Roland"-Verband (FlaRakGrp 42) zur√ľcklassen.

Die Einf√ľhrung der Patriot bedeute im √ľbrigen eine Aufstockung jedes Bataillons um zwei Staffeln.

Aufgrund der Erh√∂hung der Staffelzahl w√§ren alle deutschen Stellungen, mit Ausnahme von Dornum (Ostfriesland) und Obersayn (Westerwald) mit Patriot, Hawk oder Roland weiterbetrieben worden. F√ľr die Umdislozierung von Hawk-Einheiten wurden auch alliierte Liegenschaften wie die belgische Stellung Diemelsee-Flechtorf und US-Objekte Semmelberg bei Homberg /Efze und Oberhinkofen s√ľdlich von Regensburg √ľbernommen. Der Infrastrukturplan sah f√ľr die Patriot den Umbau der Nike-Abschussbereiche in der Weise vor, dass sich 8 Ringw√§lle zum Schutz der Starter um einen Radarh√ľgel f√ľr das mobile Feuerleitradar und dem daran angeschlossenen Feuerleitstand gruppierten. Eine feste Unterkunft im Abschussbereich f√ľr die Kampfbesatzung und ein technischer Bereich waren ebenfalls vorgesehen. In Bayern, wo man nicht auf Nike-Stellungen, sondern nur auf Hawk-Stellungen oder andere milit√§rische Liegenschaften zur√ľckgreifen konnte, sollten sich je zwei Staffeln eine Friedensausbildungs- und Bereitschaftsstellung teilen. Dort kam es zum Neubau von Stellungsbereichen am Rande der Flugbasen Manching, Lechfeld und Roth bzw. zur Weiternutzung der Hawk-Stellung Wettstetten bei Ingolstadt. Die f√ľr die FlaRak Staffeln in Penzing und Kaufbeuren geplanten oberbayerischen Friedensstellungen Guselried auf dem Pei√üenberg bzw. im Bereich der ehemaligen Pershing-Alarmstellung Kempten-Bodelsberg scheiterten an zivilen Protesten. Daf√ľr wurden das ehemalige Triebwerkslager Dornstetten s√ľdlich von Lechfeld umgebaut und auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren Ausbildungsareale eingerichtet.

Diese Umbauten und Neubauprogramme wurde nach der Wende von 1989 schnell gestoppt, so dass nicht alle Patriot in derartig umgebauten befestigten Anlagen untergebracht werde konnten. Im Norden erhielt nur das westf√§lische FlaRakG 21 mit dem Stab in M√∂hnesee noch f√ľr alle sechs Staffeln eigene Stellungsbereiche an den alten Standorten des Vorg√§ngerverbandes und der beiden vom FlaRakBtl 22 √ľbernommenen Staffeln in Waldbr√∂l und Lennestadt-Oedingen. Im ehemaligen FlaRak Verdichtungsraum Niedersachsen erhielt das FlaRakG 25 (Eydelstedt,Ahlhorn) noch drei feste Umbaustellungen in Schweringhausen, Wagenfeld und Varrelbusch. In einigen F√§llen wurden eingeleitete Bauma√ünahmen nach Zahlung einer Konventionalstrafe an die Vertragsfirmen eingestellt.

Das Konzept eines grenznahen Clusterg√ľrtels war nach der Wiedervereinigung √ľberholt. Allerdings blieb das Konzept eines gemischten Einsatzes von Hawk und Patriot unter F√ľhrung eines gemeinsamen Stabes wie oben beschrieben erhalten. Das neue Konzept sieht die Bildung von lageabh√§ngigen Einsatzzonen an beliebigen Orten im B√ľndnisgebiet vor und ist nicht an Standorte und R√§ume gebunden. Die politische Wende von 1989 und die daraus resultierende Verringerung der Bundeswehr hatte keine grundlegende Auswirkung auf das Verlegungsprogramm in Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein mehr gehabt. Eine gleichm√§√üigere Neuverteilung auf den gesamten deutschen Raum war nach dem abzusehenden Abzug oder der Aufl√∂sung alliierter FlaRak Kr√§fte sinnvoll. Die Niederl√§nder konzentrierten ihre nach dem seit 1975 erfolgten schrittweisen Abbau von ehemals f√ľnf FlaRak Bataillonen in Niedersachsen und Ostwestfalen noch verbliebenen vier gemischten Hawk-Patriot Staffeln als "Groep Geleide Wapens" auf dem ehemaligen Fliegerhorst "de Peel " bei Venlo. Die USA werden wohl nur noch 2-3 Patriotbataillone zum Schutz ihrer Truppen in Deutschland lassen und das Hawk-System v√∂llig aus dem Arsenal streichen. Belgien verf√ľgt √ľber keine FlaRak Systeme mittlerer und gr√∂√üerer RW mehr , sondern nur noch Heeres FlaEinheiten mit Fliegerfaust "Mistral" im Heimatland. Von daher war es geboten, dass die Luftwaffe ihre auf 72 Feuereinheiten angewachsenen Patriot und Hawk Einheiten nicht abbaute, sondern trotz Reduzierung des Personals alle 36 Patriot und 36 Hawk Staffeln aufrechterhielt. Die Patriot Staffeln wurden um nahezu die H√§lfte auf 90 Mann halbiert. Ein Drittel der Hawk Staffeln wurde gekadert. Dies bedeutete den Verzicht auf 24h-Bereitschaftsdienste und eine Abh√§ngig von mobilgemachten Reservisten f√ľr Fahrzeugbetrieb und Sicherung. Der normale Einsatz einer FlaRak Einheit besteht heute im √úbungs- und Ausbildungsbetrieb. 6 Patriot und 4 Hawk Staffeln der FlaRakG 1 Husum und 3 Oldenburg verf√ľgen allerdings wegen ihrer KRK-Rolle √ľber einen hohen Pr√§senzgrad. Die F√ľhrungsleiste der FlaRak Truppe wurde den Verzicht auf drei der 9 Hawk Bataillonsst√§be gestrafft. Die Batterien wurden als aktive oder gekaderte Einheiten anderen Verb√§nden zugeordnet. Die urspr√ľngliche H√∂herdotierung der FlaRak Bataillone zu Geschwadern und der Regimentsst√§be zu Kommandos wurde wieder zur√ľckgenommen, wobei man aber jetzt f√ľr die 12 Bataillonsverb√§nde den luftwaffeneigenen Begriff "Gruppen" verwendete und die 6 √ľbergeordneten Kommandost√§ben als "Geschwader" bezeichnete. Jedes Geschwader f√ľhrt nun eine Patriot- und eine Hawk Gruppe. Den Geschwadern Nr. 3 (Oldenburg), Nr. 4 (Burbach) und Nr. 6 (Lengries) sind dar√ľber hinaus noch die drei Roland-Gruppen Nr. 41, 43 und 42 f√ľr den Objektschutz in Wangerland, Sch√∂neck-Kemel und Leipheim unterstellt. In Burbach wurde zus√§tzlich Ende der 90-iger Jahre am Standort des FlaRakG 4 ein multinationaler FlaRak Planungsstab der Patriotnutzerstaaten Deutschland, USA und Niederlande gebildet. Einige Kleinstandorte wie Lich, Lohne, Wiesmoor, Wagenfeld, Rodenkirchen, Eckernfoerde u.a. wurden aufgegeben und zahlreiche nicht umgebaute alte Nike-Stellungen komplett ger√§umt. Nach der Aufgabe des Flugbetriebes auf den Fliegerhorsten Husum, Leck und Ahlhorn boten sich diese f√ľr die konzentrierte Stationierung von FlaRak Gruppen an (FlaRak Gruppe 26 Husum-Schwesing, FlaRak Gruppe 39 Leck(Nordfriesland) und Teile der FlaRak Gruppen 25 und 31 in Ahlhorn). Die Flugbetriebsfl√§chen bieten √úbungsm√∂glichkeiten und die Shelter auch Schutz f√ľr das wertvolle Ger√§t.

Um die bodengest√ľtzte Luftverteidigung auch in den neuen Bundesl√§ndern pr√§sent zu halten, wurden Hawk-Staffeln aus dem Elbe-Weser-Dreieck unter der F√ľhrung des Westertimker Hawk Gruppe 31 nach Sanitz bei Rostock verlegt. Der Geschwaderstab 2 aus Bremervoerde und der immer schon geschlossen in Delmenhorst stationierte ex Nike- und jetzt Patriot Verband Nr. 24 sollten nach Ladeburg bei Berlin verlegen. Nach diversen Modifikationen der Planung wurde der Standort Ladeburg zugunsten des Standortes Bad S√ľlze-Boehlendorf in Vorpommern gestrichen. Allerdings muss die FlaRak Gruppe 24 noch f√ľr einige Jahre auf dem deaktivierten Oldenburger Fliegerhorst zwischenstationiert werden bis die Liegenschaften an dem Zielstandort in Mecklenburg-Vorpommern endg√ľltig frei sind.

Viele der deutschen und alliierten Kleinstandorte wurden Unterk√ľnfte f√ľr Aussiedler oder Asylbewerber. Eine milit√§rische Anschlussnutzung der nicht mehr besetzten Feuerleit- und Abschussbereiche war schwierig. Einige alliierte Anlagen waren schon in den 80er Jahren als Depots f√ľr Verst√§rkungskr√§fte benutzt worden (Kapellen-Erft, Dichtelbach) oder beherbergten fernmeldeelektronische Anlagen (Lemberg-Salzwoog). Spektakul√§r war die Einbeziehung der US-Stellung in Kastellaun-W√ľscheim in die Stationierung von Marschflugk√∂rpern . Manche Anlagen wurden zuweilen als infanteristische √úbungsobjekte oder f√ľr die Zivilschutzausbildung benutzt, blieben aber sonst weitgehend der Natur √ľberlassen. Zuweilen fand sich auch eine gewerbliche Nutzung als Abstellfl√§che f√ľr Baufirmen usw..

Heute liegt ein Gro√üteil dieser Liegenschaften teilweise schon anderthalb Jahrzehnte verlassen in der Landschaft und viele B√ľrger werden nicht mehr wissen, dass die Bunker und Betonfl√§chen Relikte einer Zeit sind, in der der Friede nicht selbstverst√§ndlich war und der "Kalte Krieg" schnell in einen III. Weltkrieg umzuschlagen drohte. Es ist angesichts der kaum zu verhindernden Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen leider zu bef√ľrchten, dass sich die Frage nach einem "Dach" gegen eine Bedrohung Europas aus der Luft erneut stellen k√∂nnte.

Die "Wunderwaffe" ?

Das Patriotsystem verf√ľgt gegen√ľber Nike √ľber eine gewaltige Steigerung an Feuerkraft und St√∂rfestigkeit. Eine Feuereinheit kann gleichzeitig 8 Ziele bek√§mpfen. Der Personalbedarf f√ľr die Systembedienung ist gering. F√ľr den Feuerkampf sind nur der Feuerleitoffizier und ein Feuerleitfeldwebel im Leitstand erforderlich. Die Betriebsarten reichen von manuell, halbautomatisch bis vollautomatisch. Allerdings sollte man den f√ľr beweglichen Einsatz nicht unerheblichen Bedarf an Fahrern und Sicherungssoldaten nicht untersch√§tzen. Die Systemkomponenten Feuerleitstand, Radarfahrzeug, acht Starter, Stromerzeuger und Fm-Ger√§t m√ľssen aufwendig verkabelt werden.

Die Batterie kann schon aus diesem Grund und wegen der Sicherung nicht sehr aufgelockert in Stellung gebracht werden.. Weitere F√ľhrungs- und Versorgungsfahrzeuge ergeben einen umfangreichen Fahrzeugpark. Wegen des Gewichts einiger verlasteter Systemkomponenten k√∂nnen die Tr√§gerfahrzeuge der Nutzlastklasse 5,7 und 15 t ihre Gel√§ndeg√§ngigkeit kaum voll nutzen. Von einer beweglichen Fla Kampff√ľhrung, die den FlaPz der Heeres Fla vergleichbar w√§re ist "Patriot" weit entfernt. Das System kann zwar an jeden Ort verlegt werden, muss aber im Einsatz station√§r bleiben.

In der Fachpresse ist angesichts des umfangreichen Fahrzeugkonvois auch schon gewarnt worden, Patriot Verb√§nde allzu sehr mit gro√ür√§umigen Verlegungen im Kriseneinsatz au√üerhalb der Zentralregion zu belasten. Das System ist auch gegen extreme Tiefflieger ungeeignet. Sein elektronisch gesteuertes Radar muss auf einen festen Sektor ausgerichtet werden. Um die 360¬į Abdeckung und Tieffliegerbek√§mpfung abzurunden, muss Patriot weiterhin durch das √§ltere Hawk System erg√§nzt werden. Beide Systeme sind in den Cluster-Einsatzzonen √ľber neue RF-Fm-Verbindungen und einem Geschwadergefechtsstand ("SAMOC") verkn√ľpft. Die Hawk sollen die Patriot gegen pl√∂tzlich von hinten auftretende Einfl√ľge "sichern". Aus diesen Gr√ľnden ist auch f√ľr die Hawk ein eigenes Nachfolgesystem erforderlich, das in Kooperation mit anderen Hawk Nutzerstaaten beschafft werden soll. Die Patriot hat, wie auch der geplante Hawk-Nachfolger, ein Abwehrpotential gegen taktische Flugk√∂rper, das durch eine elektronische Kampfwertsteigerung und verbesserte Gefechtsk√∂pfe weiter ausgebaut werden soll, zur Zeit aber wegen der Engp√§sse im Wehretat "geschoben" wird. Ohne die Leistung des Systems hier schm√§lern zu wollen, sollte auch noch an die begrenzte Flugk√∂rperbevorratung erinnert werden, die der euphorisch bewerteten Feuerkraft in einem "scharfen" Einsatz schnell Grenzen setzen w√ľrde. Der neben der Bundesluftwaffe und der US-Army einzige Patriot-Nutzer in Europa, die Niederlande, haben f√ľr ihre 20 Starter der "Groep Geleide Wapens" in de Peel nur eine Nachladung beschaffen k√∂nnen. Bei den legend√§ren Abwehraktionen gegen irakische Scud-Raketen 1991 wurden von den USA meist auch sicherheitshalber zwei Flugk√∂rper gegen eine Rakete abgefeuert.

Eines der in Europa erprobten deutsch-niederl√§ndischen Einsatzszenarien ist die gemeinsam ge√ľbte Abwehr taktischer Raketen gegen Bev√∂lkerungszentren und strategische Schl√ľsselzonen. Der Planungsstab in Burbach spielt hier eine Schl√ľsselrolle. Patriot √ľbten auch schon die Luftverteidigung wichtiger NATO-HQ im Raum M√∂nchengladbach. Zu einem Renner entwickelt sich im Augenblick die LV-√úbung "Roving Sands" in den USA, wo Patriot, Hawk und Stingerteams von Heer und Luftwaffe gemeinsam mit J√§gern und Jabo unter realistischen Bedingungen in einem weiten Raum die Luftverteidigung in extremen Lagen √ľben k√∂nnen. Nur im Verbund entfalten die verschiedenen Systeme ihre optimale Wirksamkeit, k√∂nnen sich St√§rken erg√§nzen und Schw√§chen ausgleichen, ein Zusammenhang, der von manchen "kritischen" Journalisten, die gern ein einzelnes System herauspicken und zerpfl√ľcken nicht gesehen wird. F√ľr sich gesehen ist die Patriot ein enormer Fortschritt aber sicher auch keine Wunderwaffe.

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow

 

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