Luftwaffenmuseum Gatow
- Militärhistorisches Museum der Bundeswehr -

Das größte Flugzeugmuseum in Deutschland

 

Lockheed F-104 G Starfighter: Der Starfighter war ab den 1960er Jahren das wichtigste Kampfflugzeug in Deutschland

Der F-104 Starfighter war ein einstrahliges Kampfflugzeug in der Zeit des Kalten Krieges des US-amerikanischen Herstellers Lockheed Corporation von 1958. Später bauten auch kanadische und europäische Lizenznehmer das Modell in großer Stückzahl. Der Starfighter war als reiner Abfangjäger konzipiert, optimiert für hohe Geschwindigkeiten und Steigleistung. Die Tragflächen waren so dünn wie möglich ausgelegt und relativ kurz, um den Luftwiderstand im Überschallbereich zu vermindern. Sie boten allerdings keinen Platz für Fahrwerk und Tanks. Ein weiterer Nachteil war die geringere Wendigkeit und die reltiv hohe Landegeschwindigkeit. Zum Ausgleich bekam der Flügel zwei sehr große, einteilige Landeklappen.

Zur zusätzlichen Schubregulierung waren bewegliche Lamellen an der Nachbrennerdüse angebracht, über die der Austrittsquerschnitt verändert werden konnte. Die Hydraulikbetätigung der anfangs verwendeten J-79-Triebwerke der „A“-Reihe erforderte einen erheblichen Wartungsaufwand und waren oft ein Teil der Absturzursache.

Der lange, schlanke Rumpf des Starfighter trug zu seiner hohen Leistung im Überschallbereich bei. Aufgrund der geringen internen Treibstoffkapazität hatte das Flugzeug ohne Außentanks jedoch nur eine beschränkte Reichweite. Mit Zusatztanks dagegen wurden die ohnehin bescheidenen Möglichkeiten zum Tragen von Waffen und Ausrüstung weiter eingeschränkt. Lockheed schlug daher zwei weitere Unterflügelstationen als Lösung vor, die aber nicht von allen Nutzern bestellt wurden.

Mit dem Kampfflugzeug Lockheed F-104 “Starfighter” verbinden sich viele Schlagworte: “Heißer Ofen”, “Traumflugzeug”, aber auch “Witwenmacher” und “Starfighterkrise”. Vor allem in der Anfangsphase der Nutzung nimmt die Anzahl der vielen Abstürze einen hohen Stellenwert in der Öffentlichkeit ein. Der verstorbene Politiker Franz Josef Strauß - damals Verteidigungsminister - betrieb maßgeblich die Anschaffung dieses Flugzeuges. Der Vorwurf der Bestechung stand in der öffentlichen Diskussion im Raum, konnte aber nicht bewiesen werden. Wegen der vielen Abstürze entwickelt sich 1962 in diesem Zusammenhang die sog. “Spiegelaffäre”, da die linksliberale Zeitschrift unter der Überschrift nur bedingt abwehrbereit die Schwächen der damaligen Bundeswehr zur Diskussion stellte. Dies wurde von konservativen Kräften um F. J. Strauß als Geheimnisverrat interpretiert, was zur Verhaftung des Spiegel-Inhabers führte. Es kam zu starken Protesten in der Öffentlichkeit, weil man die Pressefreiheit gefährdet sah. Journalisten aller Medien solidarisierten sich mit Augstein, sogar die eher rechts stehende “Springer-Presse”. Im sich daraus entwickelten Gerichtsverfahren wurde der Herausgeber Rudolph Augstein in allen Punkten freigesprochen und rehabilitiert. F. J. Strauß musste im Anschluss als Verteidigungsminister zurücktreten.

Jeder 6. Pilot dieser Maschine stürzte ab, wovon etwa 20 Prozent der Abstürze tödlich verliefen. Die Abstürze des ursprünglich nur für “schönes Wetter” konzipierten leichten Abfangjägers “Starfighter” fanden wohl deshalb statt, weil die Maschine nachträglich mit vielen Geräten und zusätzlicher Bombenlast aufgerüstet wurde, obwohl sie dafür nicht gebaut wurde. Sie war m.E. schlichtweg überladen.

Die F-104 G (“G” steht für Germany) war das erste in Lizenz gebaute Flugzeug der Bundeswehr. 1958 fiel die Entscheidung für die Anschaffung von 916 Stück. Das Flugzeug konnte als Jagdbomber, Abfangjäger, Aufklärer und zur Bekämpfung von Seezielen eingesetzt werden.

Technische Daten:

Hersteller

Lockheed Aircraft Corporation

Besatzung

1 Pilot

Typ:

Jagdbomber

Länge

16,70 m

Spannweite

6,70 m

Höhe

ca. 4,10 m je nach Beladung

Flügelfläche

18,22 m²

Flügelstreckung

2,22

Leergewicht

6.387 kg

Maximales Startgewicht

11.720 kg

Höchstgeschwindigkeit

2.100 km/h in 12.200 m Höhe

Steiggeschwindigkeit

208 m/s

Dienstgipfelhöhe:

15.240 m

Einsatzradius:

ca. 1.000 km

Überführungsreichweite:

ca. 2.600 km m. Zusatztanks

Triebwerk:

1 x General Electric J79-GE-11A-Strahltriebwerk

Schubkraft

ohne Nachbrenner: 47,50 kN

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mit Nachbrenner: 70,9 kN

Stückpreis:

1,42 Millionen US-Dollar (1961: 6 Millionen DM)

Bewaffnung:

1 x 20-mm-Gatlinggeschütz

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      M61A1 Vulcan mit 725 Schuss

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4 AIM-9 Sidewinder-Raketen

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5 Außenlastenträger mit 1.820 kg

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Geschichte des Starfighters in der BRD:

Der Starfighter war von 1962 an das wichtigste Kampfflugzeug in mehreren europäischen NATO-Staaten. Bei Produktionsende 1979 war die F-104 das am meisten verbreitete Mach 2 Jagdflugzeug des westlichen Bündnisses.

Bereits während des Koreakrieges begann die Entwicklung eines Überschalljagdflugzeuges. Es flog am 28. Februar 1954 zum ersten mal. Nach Einsatzversuchen mit der “F-104 A” forderte die USAF die Weiterentwicklung zum Jagdbomber. Die Bundesrepublik war vom Potenzial des Starfighter überzeugt und verlangte eine Anpassung an europäische Verhältnisse. Er sollte die Aufgaben eines Jagdbombers mit Nuklearoption, eines Aufklärungsflugzeuges und eines Allwetterjägers erfüllen. “Allwettertauglich” war er nicht. Im April 1961 trafen die ersten F-104 G in Deutschland ein. Die anderen Maschinen wurden von mehreren deutschen Firmen (z.B. Messerschmitt) in Lizenz produziert.

Das Jagdbombergeschwader 31 “Boelcke” in Nörvenich erhielt als Erstes das neue Flugzeug. Ihm folgten 7 weitere Geschwader. Eine Vielzahl von Abstürzen stellte die Flugsicherheit des Typs in Frage. In den ersten 7 Jahren stürzten 90 Maschinen ab, bis zur Außenmusterung 292, wobei 108 Piloten den Tod fanden (nur in Deutschland !!) Die letzte F-104 G wurde erst am 22. Mai 1991 außer Dienst gestellt.

General Electric J79: Das erste Einwellen-Triebwerk mit 17-stufigen Axialverdichter

Das oben abgebildete Triebwerk J79-J1K des Starfighters:

Das Luftstrahltriebwerk J79 ist eine Entwicklung von "General Electric CO" (USA), und wurde infolge seiner Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit zu einem am meisten gebauten militärischen Triebwerk für den Überschallflug. Die Entwicklung des J79 begann im Jahre 1952. Die Flugerprobung fand ab 1955 statt. Es wurde in 5 Staaten in Lizenz gefertigt.

In folgende bekannten Militärflugzeuge wurden diese Triebwerke eingebaut:

  • F-4 "Phantom II"
  • A-5A "Vigilante"
  • F-l04 "Starfighter"
  • B-58 "Hustler"

Mit Hilfe dieses Antriebes konnte eine beachtliche Anzahl von Weltrekorden erflogen werden. Es wurde auch eine zivile Version des J79 unter der Bezeichnung CJ 805 entwickelt. Eingebaut sind diese Triebwerke in der Convair 880 und 990 "Coronado".

Für das europäische F-104G Beschaffungsprogramm fertigte MTU München, zusammen mit den Firmen “Fabique Natiopnale" (Belg.) und “Fiat" (ltal.) von 1960 bis 1965 über 600 Triebwerke der Version J79-11 A in Lizenz.

Um die Zuverlässigkeit und die Wirtschaftlichkeit der deutschen "Startighter" zu erhöhen, entwickelte MTU im Jahre 1971 im Rahmen eines Modifizierungsprogrammea aus dem 179-11A die Version J79-MTU-J1K. Zusätzlich wurden von MTU noch 50 neue Triebwerke 179-MTU-J1K hergestellt.

Konstruktiv sind alle Versionen Einwellen-Strahlturbinentriebwerke. Der 17-stufige Axialverdichter wird von einer dreistufigen Reaktionsturbine angetrieben. Die Eintrittsschaufeln und die Leitschaufeln (Statoren) der ersten 6 Stufen sind verstellbar. Die Ring-Rohrbrennkammer besitzt 10 einzelne Flammrohre. Das J79 hat einen Nachbrenner mit einer regelbaren Schubdüse.

Das ausgestellte Exponat ist ein modifiziertes Triebwerk vom Typ: J79-MTU-J1K

  • Herstellungsjahr: 1962
  • Serial- Nummer: E 473-133
  • Abschluß der Modifizierungsmaßnahme: 14.06.1971

Dieses Triebwerk diente ehemals als Antrieb eines deutschen F-104G "Starfighter". Nach Aussonderung wurde dieses Luftfahrzeug auf dem Schießplatz Munster zu Beschußversuchen genutzt. Nachdem die Lfz-Zelle zerstört war, wurde das noch relativ heile Triebwerk geborgen und zum JO-72"W" Rheine gebracht. lm Jahre 1995 erwarben die Triebwerket des JO-73"S" Laage/ Mecklenburg-Vorpommem dieses Exponat. In Laage wurde es restauriert und für Ausbildungszwecke teilweise geöffnet.

In Deutschland eingesetzte Triebwerke J79 im Vergleich:

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J79-11A (General Electric)

J79-J1K (MTU-Lizenzbau)

J79-17 A (MTU-Lizenzbau)

eingebaut in ...

(F-104G Starfighter)

(F-I04G Starfighter)

(F-4F Phantom II, Doppelsitzer)

Gewicht

1615 kg

1685 kg

1724 kg

Länge

5.282 mm

5.301 mm

5.301 mm

Größter Durchmesser

981 mm

992 mm

992 mm

Max, Standschub

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     mit Nachbrenner

7.167 kp

7.235 kp

8.119 kp

     ohne Nachbrenner

4.536 kp

4.745 kp

5.384 kp

Spez. Kraftstoffverbrauch

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     mit Nachbrenner

1,97 kg/kp/h

2,0 kg/kp/h

1,97 kg/kp/h

     ohne Nachbrenner

0,84 kg/kp/h

0,85 kg/kp/h

0,84 kg/kp/h

Turbinen- Eintrittstemperatur

924 °C

954 °C

988 °C

Rotor-Drehzahl

7.460 U/min

7.460 U/min

7.460 U/min

Luftdurchsatz

73,5 kg/sek.

74,4 kg/sek.

77,0 kg/sek.

Druckverhältnis

12,2 : 1

12,4 : 1

13,5 : 1

Die Entstehungsgeschichte des Triebwerks General Electric J-79:

Die Entwicklung des J-79 bei General Electric durch den deutschstämmigen Gerhard Neumann begann bereits im Jahre 1952. Im Laufe der Zeit entwickelte es sich zu einem der erfolgreichsten militärischen Strahltriebwerke. Das J-79 war die erste Einwellen-Hochdruck Axialturbine der USA mit vorstellbaren Leitschaufeln. Darüber hinaus verfügte es über einen 17-stufigen Verdichter, eine dreistufige Antriebsturbine sowie 10 Rohrbrennkammern. Hervorzuheben war die rasche Schubreaktion auf die Eingabe des Piloten. Durch die variable Austrittsdüse wurde innerhalb der zulässigen Temperaturbegrenzungen eine maximale Schubzuwachsrate erreicht. Im Falle eines Durchstartens erreichte das Triebwerk bereits ca. 4 Sekunden wieder die volle Leistung.

Über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren wurden insgesamt mehr als 17.000 J-79Triebwerke hergestellt. Neben der F-104, in ihr wurde übrigens der Erstflug der J-79 durchgeführt, fand es weite Verbreitung in anderen militärischen Mustern, z.B. F-4 „Phantom II“, A-5 „Vigilante“ und B-58 „Hustler“.

In Form des „CJ805“ existierte sogar eine zivile Version ohne Nachbrenner, die aber nur in der etwas glücklosen Convair 880/990 eingesetzt wurde.

Mit dem Lizenzbau und der Lieferung des GE J79-11A-Triebwerks für die europäische F-104-Produktion waren 4 Firmen beauftragt:

  • BMW-Triebwerksbau GmbH im München
  • Allach (heute MTU Aero Engines)
  • Fabrique Nationale (FN) in Herstal, Belgien
  • Fiat Aviazione in Turin, Italien

Jede dieser Firmen hatte einen Fertigungsanteile von etwa ein viertel des Gesamttriebwerkes, wobei jeder Partner seinen Bauanteil für alle Triebwerke lieferte. Die Endmontage erfolgte dann in allen 4 Unternehmen, die auch über eigene Prüfstände verfügten.

Die ersten 144 Triebwerke wurden noch aus amerikanischen Bausätzen gefertigt. Das erste Triebwerk mit eigenen Bauanteil lieferte BMW am 30. Januar 1962 aus. Insgesamt wurden 1.228 Triebwerke gefertigt

Die aus dem BMW-Triebwerksbau und der MAN-Turbomotoren hervorgegangenen MTU lieferte noch zusätzlich 50 verbesserte J79-MTU-1K sowie ca. 1000 Umrüstsätze für das J79-11A.

Bordkanone Vulkan M61 A1: sechsläufige Gatling-Kanone des Starfighters

Kaliber

20 mm

Rohrlänge

1.524 mm

Anzahl d. Felder

9

Anzahl der Züge

9

Munition

20x102 mm

Kadenz

4000/6000

.

Schuss/min.

Geschwindigkeit

1.055 m/sec.

Die M61 GAU-4 20 mm Vulcan mit den beiden Modellen M61A1 und M61A2 ist ein hydraulisch angetriebene, sechsläufige, elektrisch gefeuerte und mechanisch geladene Gatling mit einer einstellbaren Kadenz von 4.000 oder 6.000 Schuss pro Minute.

Mehrläufige Kanonen bieten zwei große Vorteile, nämlich zum einen eine hohe Feuerrate und zum anderen eine längere Lauflebensdauer. Während sich die 6 Läufe drehen, passieren sie die verschiedenen Stationen des Feuerablaufs. Jeder Lauf wird in der oberen Position abgefeuert, danach wird die Hülse ausgestoßen und der Lauf neu geladen. Daraus resultiert, dass sich die Feuerrate mit der Anzahl der Läufe multipliziert. Durch die hohe Feuerrate erhöht sich aber nicht der Verschleiß, da jeder Lauf nur 1/6 der Feuerrate abgibt. Innerhalb der grossen Trommel sind die Projektile mit den Spitzen zur Mitte hin wie in einer riesigen Schraube angeordnet (gewickelt), die sie zum Fördergurt und schließlich zur Kanone bewegt. Danach werden die leeren Hülsen zurück in die Trommel befördert.

Vulkan M61 A1 - Gatling-Kanone

Der Umrüstung des F-104 Starfighter vom Schleudersitz Lockheed C-2 auf das zuverlässigere englische Modell Martin Baker GQ-7 (A) ab Mitte der 1960er Jahre verdanken vermutlich zahlreiche “ausgestiegene” Piloten ihr Leben.

F-104 Starfighter - Skelett
F-104 Starfighter - Skelettdetail
F-104 Starfighter - Skelett-Detail
Lockheed F-104 G Starfighter - Skizze

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow

 

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