Militärhistorisches Museum der Bundeswehr
- Luftwaffenmuseum Gatow -

Das größte Flugzeugmuseum in Deutschland

 

ILJUSCHIN IL-28: Die Iljuschin war der erste in großen Stückzahlen hergestellte Strahlbomber der Welt (NATO-Code: Beagle)

Die ILJUSCHIN IL-28 war die erste Generation der sowjetischen Bomber mit Strahlantrieb. Sie war der erste in großen Stückzahlen hergestellte Strahlbomber der Welt (NATO-Code: Beagle).

Die Entwicklung begann im Frühjahr 1947. Bereits ein Jahr später erfolgte der Erstflug. Gefertigt wurde der Rumpf des Flugzeuges in Ganzmetallbauweise. Charakteristisch sind der verglaste Bug für den Navigator, die Pilotenkanzel im Rumpfoberteil und der Heckstand für den Bordschützen hinter dem Leitwerk. Im Jahr 1959 wurde für die NVA eine spezielle Zieldarstellungsstaffel aufgestellt, welche mit der Iljuschin IL-28 ausgerüstet wurde. Aufgabe dieser Staffel war es, für diesen Typ die entsprechenden Besatzungen auszubilden, um später für die Jagdfliegerkräfte und die Truppenluftabwehr die Zieldarstellung sicherzustellen.

Im Laufe des Frühjahrs 1960 wurden erste Flüge mit dem sogenannten „Luftsack" absolviert. Es handelte sich hierbei um ein 8 x 1 m messendes, zylindrisch geformtes Textilgebilde, auf das die Fla-Waffen vom Kaliber 14,5 mm bis 57 mm scharf schossen. Untergebracht war diese Stoffhülle zusammen mit dem 2.000 m langen Schleppseil im Bombenschacht in der Maschine. Später erweiterte sich das Aufgabenspektrum der Besatzungen dahingehend, mit Hilfe von Blechpuppen Fallschirme zu erproben, bevor diese in den Truppendienst kamen.

Die ausgestellte Maschine wurde 1954 gebaut und flog ab 1964 als 208 (W.Nr. 55006448). Ihr letzter Flug führte sie am 20. Oktober 1982 an die Traditionsvorstartlinie des Flugplatzes der Offiziershochschule der LSK/LV in Bautzen.

Technische Daten:   Erstflug: 30. Dezember 1948

Konzeption

Frontbombenflugzeug

Besatzung

3

Länge

17,65 m

Spannweite

21,45 m

Höhe

6,70 m

Flügelfläche

60,80 m²

Leermasse

12.890 kg

Startmasse

21.200 kg

Höchstgeschwindigkeit

900 km/h

Reisegeschwindigkeit

770 km/h

Landegeschwindigkeit

185 km/h

Steiggeschwindigkeit

15 m/s

Gipfelhöhe

12.500 m

Steigzeit

6,5 min auf 5.000 m Höhe - 21 min auf 10.000 m Höhe

Reichweite

2180 km

Triebwerke

2 x Klimow WK-1

Art

Radial-Turbinenluftstrahltriebwerk

Leistung

je 26,46 kN Schub

Startstrecke

875 bis 965 m

Landestrecke

960 bis 1170 m

Strahltriebwerk Klimow WK-1: Sowjetisches Turbojet-Triebwerk zur Nutzung im Bomber Iljuschin IL-28

Der Ursprung des Triebwerkes WK-1A liegt im englischen Rolls-Royce NENE II. Es ist die leistungsgesteigerte Weiterentwicklung der Lizenztriebwerke RD-45 und des WK-1. Es diente Anfang der 50er Jahre als Standartantrieb für viele Experimental- und Serienflugzeuge der verschiedenen sowjetischen Konstruktionsbüros. Als bekannteste Typen gelten das Jagdflugzeug MiG-17 und der taktische Bomber Iljuschin IL-28.

Wegen der unterschiedlichen Einbauanforderungen kann das Triebwerk entsprechend modifiziert werden. So ist das Hilfsgetriebe bei der MiG-17 oberhalb des Hauptgetriebes montiert. Beim Einsatz in der IL-28 ist es dem Hauptgetriebe vorgesetzt. Auch verfügt diese Version über einen zusätzlichen Heißluftkollektor. Das Gasaustrittssystem kann ohne Verlängerungsrohr, oder mit spezifischen Schubrohren je nach Flugzeugtyp ausgestattet werden.

Eine Lizenzproduktion erfolgte in Polen unter der Bezeichnung LIS-5 und in der CSSR als Walter M-06.

Dieses Triebwerk zeichnet sich besonders in einer guten gasdynamischen Stabilität, durch Robustheit und Zuverlässigkeit aus. Es wird deshalb noch in der jetzigen Zeit weltweit im Bodendiensteinsatz genutzt. Anwendungsbereiche sind hier z. B. der Feuerlösch- und Katastrophenschutz.

Technische Daten:

  • Baumuster: Turbojet mit Radialverdichter
  • Konstrukteur: OKB „Klimow" Leningrad
  • Hersteller: Moskauer Maschinenfabrik "Roter Oktober", heute Chernyshew"
  • Verdichter: 2-stufiger Radialverdichter
  • Brennkammer: 9 Einzelbrennkammern
  • Turbine: Axial, 1 stufig ungekühlt, geschmiedet
  • Schubsystem: starre Schubdüse, ohne Nachbrenner, Einsatz verschiedener Verlängerungsrohre sind möglich
  • Anlasser: Elektrostarter
  • Regelsystem:
            hydro-mechanisch mit 2 Tauchkolbenpumpen,
            Kraftstoffmengenregelung mit Barostat
  • Länge: 2540 mm
  • Durchmesser: 1280 mm
  • Gewicht: 884,5 kg
  • Startschub: 26,5 kN/2700 kp
  • Drehzahl: 11560 U/min
  • Spez. KS-Verbrauch: 110 kg/kN/h
  • Maximale Abgastemperatur hinter Turbine: 720°C

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow

 

 

Werbefläche