MilitÀrhistorisches Museum der Bundeswehr
- Luftwaffenmuseum Gatow -

Das grĂ¶ĂŸte Flugzeugmuseum in Deutschland

 

Bell UH-1D Iroquois “HUEY”: Der meistgebaute Hubschrauber der westlichen Welt als SAR-Rettungshubschrauber

Der von der Firma Bell entwickelte Hubschrauber "Model 205A“ (Iroquis) UH-1 D/H ist mit ĂŒber 7.000 Exemplaren der meistgebaute DrehflĂŒgler der westlichen Welt. Er ist gerĂ€umig, durch die großen SchiebetĂŒren schnell zu beladen und hat durch den Turbinenantrieb eine hohe Zuladung. Er ist ein leichter Transport- und Mehrzweckhubschrauber mit Turbo-Triebwerk und 2-Blatt-Rotor. Da er als einer der sichersten FluggerĂ€te gilt, wurde er auch von BundesprĂ€sidenten, Bundeskanzler, Ministern und Abgeordneten genutzt. FĂŒr die Montage kann auf vorhandene Befestigungspunkte zurĂŒckgegriffen werden. Es können alle zu installierenden Teile innerhalb kĂŒrzester Zeit mit dem Bordwerkzeug an- und abgerĂŒstet werden. Sein Antrieb mit nur einer Turbine und das Fehlen einer BlindflugausrĂŒstung beschrĂ€nkte seinen Dienst auf bestimmte Wetterbedingungen. Das Ă€ndert aber nichts daran, dass das Model 205 der erfolgreichste Hubschrauber der Welt wurde und bis heute in zahlreichen LĂ€ndern im Einsatz steht.

Das Verteidigungsministerium der Bundesrepublik Deutschland beschloß am 1. April 1965 die EinfĂŒhrung der BeIl fĂŒr die Bundeswehr. Es sollten zunĂ€chst insgesamt 406 UH-1 D angeschafft werden, aber aus KostengrĂŒnden hat man diese Zahl spĂ€ter etwas reduziert. Es wurde jedoch angestrebt, dass die Lizenzproduktion schnellstmöglich bei Dornier, Oberpfaffenhofen, und der Triebwerksnachbau bei der MTU anlaufen sollte. Anfang 1966 erhielt die Bundeswehr die ersten vier UH-1 D (KL+101 bis KL+104) aus der laufenden amerikanischen Produktion, von denen drei sofort an die E-Stelle Manching geliefert wurden. Am 17. August 1967 konnte bei Dornier die erste Lizenz-UH-1 D ĂŒbergeben werden. Es folgten weitere 344 Modelle fĂŒr den deutschen Bedarf.

Die Heeresflieger-VerbĂ€nde nutzten die UH-1 D fast ausschließlich zu Transportzwecken, wobei sie sich hervorragend bewĂ€hrten. Bei der Luftwaffe dient die UH-1 D bis heute außer zum Lufttransport auch als SAR-Maschine und leistet den zivilen Rettungsdiensten UnterstĂŒtzung.

Das Luftwaffenmuseum besitzt zwei Bell UH-1D Iroquois:

  • Seit Oktober 1998 die 73+13 (W.Nr. 8433) vom Heeresfliegerregiment 10 in Fassberg und
  • seit Mai 2002 von der Luftwaffenwerft 23 Diepholz die 71+42 (W.Nr. 8202), die dort als SAR-Rettungshubschrauber genutzt wurde (siehe Abbildung oben).

Technische Daten

Hersteller

Bell Helicopters TEXTRON

Besatzung

1 - 2 Piloten

Typ

mittlerer Transporthubschr.

Verwendung

Mehrzweckhubschrauber

Antrieb

1 x Avco-Lycoming

     Bezeichnung

T53L-13 Turbo-Shaft

     (alternativ)

(13B)

Art

Wellenturbine

Leistung

1.044 kW (1.400 SHP)

Leistung

.

max. Geschwindigkeit

ca. 220 km/h

Reisegeschwindigkeit

200 km/h

Reichweite

ca. 500 km

     mit Innenzusatztank

850 km/h

Gipfelhöhe

ca. 4.150 m

.

.

Maße

.

GesamtlÀnge mit Hauptrotor

16,43 m

RumpflÀnge bis Ende Heckflosse

12,69 m

Höhe insg.

4,41 m

Höhe Kabinendach

2,37 m

Kabinenboden ĂŒber Grund

0,53 m

Oberkante Stabilisator

3,95 m

HauptrotorkreisflÀche

168 m ÂČ

Hauptrotordurchmesser

14,63 m

Heckrotordurchmesser

2,59 m

Stabilisator

2,75 m

Breite Landegestell

2,54 m

Höhentrimmflosse

2,85 m

Masse

.

Leergewicht

2.315 kg

Startmasse

4.315 kg

Die Bell UH-1D wird von folgenden Lufttransportgeschwadern der Luftwaffe eingesetzt:

  • Lufttransportgeschwader 61 (Standort: Penzing)
  • Lufttransportgeschwader 62 (Standort: Wunstorf)
  • Lufttransportgeschwader 63 (Standort: Hohn)

Der Laderaum hinter Pilot und Copilot kann dem Auftrag entsprechend eingerĂŒstet werden. Hierzu gehören:

  • Personentransport - Segeltuchsitze fĂŒr max. 12 Personen
  • Verwundetentransport  - 6 Krankentragen
  • Search and Rescue (SAR) - SitzplĂ€tze fĂŒr Bordmechanikermeister und Rettungsassistent,
    • eine Krankenliege,
    • notwendige medizinische AusrĂŒstungsgegenstĂ€nde
    • und eine Rettungswinde

Die AusrĂŒstung der Bell UH-1D im SAR-Einsatz umfasst:

  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Defibrillator (zur Erzeugung von elektrischen Energieimpulsen bei Herzrhythmusstörungen)Kardioskop
  • Arzttasche
  • 2 BeatmungsgerĂ€te
  • Überwachungsmonitor
  • 3-fach Perfusor (fĂŒr Infusionen)

 

  • elektrische Absauganlage
  • Antischockhose
  • Vakuum-Matratze
  • Schaufeltrage
  • Rettungswinde
  • Zusatztank

Geschichte: Erstflug: 1956 (XH- bzw. H-40)

Die Entwicklung der ,,UH-1 D" in den USA geht zurĂŒck auf das Jahr 1961 (Modell 205), als das Beschaffungsamt der US-Army eine Auschreibung herausgab, die zur Grundlage hatte, einen Mehrzweckhubschrauber fĂŒr leichte Transportaufgaben zu entwickeln. Die Firma BELL hatte zu dieser Zeit gerade das FluggerĂ€t ,,205" in einer zivilen AusfĂŒhrung fertiggestellt, das zur Versorgung von Ölplattformen auf See dienen sollte. Dieser Hubschrauber wurde nun fĂŒr militĂ€rische Anforderungen ĂŒberarbeitet und nahm am Vergleichsfliegen von vier weiteren Mitbewerbern teil und gewann auf Anhieb! Er wurde spĂ€ter zum meistgebauten Hubschrauber der Welt.

Die allererste BewĂ€hrungsprobe bestand der ,,UH-1D" zweifellos im Vietnam-Krieg zwischen 1965 und 1975. Hier war der “HUEY”, wie er in der Army genannt wurde, zu einem unverzichtbaren Arbeitspferd geworden.

Begriff: „Teppichklopfer“ (Quelle: Wikipedia.org)

Neben „Huey“ ist auch „Teppichklopfer“ als Spitzname bekannt, bedingt durch den Effekt des induzierten Widerstandes. An den RotorblĂ€ttern wie auch an jeder Flugzeug-TragflĂ€che treten an den Blattspitzen Luftwirbel auf, was beim Durchlauf des folgenden Blattes zu dementsprechenden KnallgerĂ€uschen fĂŒhrt. Der Hubschrauber ist so schon aus ca. 10 km Entfernung zu hören - erst als leises Grummeln, das immer lauter wird, und dann immer stĂ€rker werdende KnallgerĂ€usche wenn der Hubschrauber nur noch ca 1,5 km entfernt ist. Seit der EinfĂŒhrung von BlĂ€ttern neuer Geometrie in den 90er Jahren ist dieser Effekt wegen der Verschlankung der BlĂ€tter schon deutlich vermindert. Bedingt durch den Anstellwinkel und den Vortrieb fĂŒhren die RotorblĂ€tter eines jeden Hubschraubers sogenannte Schlagbewegungen aus, das vorlaufende Rotorblatt hat dabei die Tendenz hochzuschlagen, was zur Auftriebsverminderung fĂŒhrt. Das rĂŒcklaufende Blatt verliert im Richtungsflug bedingt durch die RĂŒckanströmung an Auftrieb und schlĂ€gt nach unten. Die halbkardanische RotorblattaufhĂ€ngung der UH-1 (typisch fĂŒr Zweiblattrotore) verhindert dabei ein Rollen um die LĂ€ngsachse. Der belltypische Stabilisator dĂ€mpft entsprechend dem Kreiselprinzip allzu heftige Schlagbewegungen der starr miteinander verbundenen HauptrotorblĂ€tter und vom Piloten kommende Steuereingaben.

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow

 

 

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