Internationale Luftfahrtausstellung ILA

Sportflugzeuge und Reiseflugzeuge

 

Extra 300 L: Das Flugzeug der Flying Bulls wird als Medienmaschine, für Kunstflug und für Einzeldarbietungen bei Luftfahrtveranstaltungen eingesetzt

Extra 300L Red Bull - Team der Flugstaffel

Die zweisitzige Extra 300L der Flying Bulls wird als Medienmaschine, für Kunstflugeinweisungen und für Einzeldarbietungen bei Luftfahrtveranstaltungen eingesetzt, hatte aber auch bereits viele Auftritte bei internationalen Airshows.

Die Namensgebung geht eigentlich auf ihren Konstrukteur, Walter Extra, zurück. 1993 verließ die erste Kunstflugmaschine das Werk seiner Firma Extra Aircraft am Flugplatz Schwarze Heide bei Dinslaken in Deutschland. Die Flugmaschinen des mehrfachen deutschen Meisters im Motorkunstflug zeichnen sich durch extreme Manövrierfähigkeit aus, was an ihrer starken Motorisierung, ihrem leichten Gewicht, der geringen Spannweite und an den großen Ruderflächen liegt.

Red Bull besitzt 2 solcher Flugzeuge, wobei auch Gäste mitfliegen können. Der Passagier nimmt dabei auf dem vorderen Sitz der Maschine Platz und blickt auf eine minimale Instrumentierung, die Auskunft über Geschwindigkeit, Höhe und g-Belastung gibt. Das hintere Cockpit ist für den Piloten reserviert und bietet natürlich sämtliche Instrumente zur Überwachung und Steuerung.

Extra 300L Red Bull - OE-CRB Kunstflugzeug

Technische Daten:

  • Kennzeichen OE-CRB / OE-ARB
  • Hersteller Extra Flugzeugproduktions- und Vertriebs-GmbH
  • Baujahr 2008 / 2007
  • Werksnummer 1281 / 1251
  • Triebwerk Textron-Lycoming AEIO 540-L1B5
  • Leistung 300 PS
  • Hubraum ca. 9 Liter
  • Reisegeschwindigkeit 255 km/h / 140 kts
  • Höchstgeschwindigkeit 400 km/h / 220 kts
  • Dienstgipfelhöhe 4.880 m / 16.000 ft
  • Max. Flugdauer ca. 2 h 15 min
  • Reichweite 650 km / 350 nm
  • Treibstoffverbrauch Kunstflug: ca. 90 l/h, Reiseflug: ca. 70 l/h
  • Leergewicht 660 kg / 1.455 lbs
  • Max. Abfluggewicht 950 kg / 2.100 lbs
  • Sitze 1 Pilot / 1 Passagier
Extra 300L Red Bull - Flying Bulls

Beschreibung der Versionen :

Als besondere Attraktion bei den Flugtagen der ILA in Berlin zeigte der Weltmeister und mehrfache Deutsche Meister im Kunstflug Klaus Schrodt, hauptberuflich Flugkapitän eines Airbus bei der Lufthansa und Wohnsitz in Berlin, mit seinem Flugzeug, einer Extra 330 XS mit 330 Ps Motorleistung, eine atemberaubende Kunstflugvorführung. Eine Extra 300 L wurde auf der ILA von Frank Versteegh geflogen.

Die Extra 300 und 330 gibt es in mehreren Varianten. Doppelsitzer haben die Endung “L” und Einsitzer “S”. In den USA werden die Single-Maschinen als “XS” bezeichnet. Der Propeller hat optional 3-Blatt oder 4-Blatt. Eine der wenigen existierenden Extra 330 war auf der ILA 2002 erstmals zu sehen.

Kunstflugzeuge von “Walter Extra” - selbst mehrfacher Meister - prägen weltweit die internationale Wettkampfscene. Die Extra-Flugzeuge zeichnen sich durch außergewöhliche Festigkeit und Manövrierfähigkeit aus. Sie sind somit ideal für den Wettbewerbskunstflug geeignet. Die Querruder reichen fast über die gesamte Spannweite, um eine möglichst gute Steuerbarkeit um die Längstachse zu erzielen. Die Steuerung reagiert sofort und sehr direkt.

Ein normaler Gradeausflug ist generell bei Kunstflugmaschinen recht schwierig, weil die Tragflächen nicht die sonst übliche Wölbunng an der Oberseite haben (wie auch beim Deltaflügler). Der normale Auftrieb entfällt hier folglich. Der Pilot muss ständig leichte Korrekturbewegungen am Steuerknüppel vornehmen. Dafür können diese Art von Flugzeugen auch im Rückenflug genau so gut fliegen, ohne die Richtung zu verändern.

Tragflächen und Leitwerk sind aus Komposit-Werkstoffen gefertigt. Bei einer Person beträgt die G-Belastung +10 / -10 und bei zwei Personen +8 / -8.

Die Extra 230 war die erste Konstruktion von Walter Extra. Diese Maschine war noch recht konventionell aufgebaut was den Materialeinsatz anbelangt. Die Tragflächen bestanden aus einer Holzkonstruktion, der Rumpf aus Stahlrohr, das Ganze wurde dann mit Kunststoff bezogen. Der Motor leistete 200 Ps.

Die Extra 260 ist eine in nur 6 Exemplaren aufgelegte Vorläuferversion der Extra 300 mit 260 Ps.

Die Extra 300 ist ein weitgehend in Kunststoff gefertigter Mitteldecker mit einer Motorleistung von 300 Ps.

Die Extra 300 L (s. oben)

Die Extra 300 S ist die 1-sitzige Version der Extra 300 L mit ebenfalls 300 Ps. Sie kann mit +10 / -10 G belastet werden.

Die Extra 330 L ist das Kunstflug-Projekt von “Walter Extra Flugzeugbau” aus dem Jahr 2002. Sie basiert auf der Extra 300. Das Original der 330 ist allerdings gegenüber der Extra 300 gänzlich aus Kohlefaser hergestellt und damit wesentlich leichter und leistungsfähiger. In Verbindung mit einem 330 Ps starken Antrieb dürfte die Extra 330 L zu den leistungsfähigsten 2-sitzigen Kunsflugmaschinen unserer Zeit gehören. Sie kann ebenfalls mit +10 / -10 G belastet werden.

Die Extra 330 S ist die 1-sitzige Version der 330 L, mit ansonsten identischen Werten. In den USA wird sie als “Extra 330 XS” geführt.

Die Extra 300 LP ist die neueste 2-sitzige Version der Firma Extra, die auf der ILA 2006 erstmals in Deutschland gezeigt wurde. Bei der Motorhaube wurde eine neuartige Kohlefaser-Kunststoffverbinding in Wabenform verwendet, die eine Gewichtseinsparung von ca. 30 Pfund bewirkt, bei gleichzeitiger Versteifung dieses Bereichs. Weitere Gewichtsreduzierungen wurden an anderen Stellen erreicht. Die Flügel bestehen aus “Carbon Composite”, die Landeklappen aus “Fiberglass Spring”. Die für den Kunstflieger wichtigen “Zielgeräte” an den Flügelspitzen sind hier serienmäß angebracht. Ferner ein automatisiertes Rauchsystem, welches bei Flugveranstaltungen für das Publikum verwendet wird (automatic Filling System).

Die Extra 300 SP ist die Single-Version der Extra 300 LP, mit ansonsten identischen Werten.

Die Extra 200 war ursprünglich der Nachfolger der 230, deren Produktion wegen eines Mangels an geeignetem Holz für die Tragflächenkonstruktion eingestellt werden musste. Sie verfügte ebenfalls über einen 200 PS starken Motor.

Die jetzt mit CFK-Tragflächen und Stahlrohrrumpf ausgestattete Extra 200 wird seit 2005 in limitierter Auflage wieder gefertigt. Auf der ILA 2006 wurde sie in Deutschland erstmals einem breiten Publikum vorgestellt. Sie hat viele Konstruktionsmerkmale ihres großen Bruders Extra 300 L und ist wie sie für Lastvielfache von +/- 10 G zugelassen. Der 2-Sitzer wurde für Kunden mit eingeschränktem Budget konstruiert und ist für die Ausbildung im Kunstflug bestens geeignet, weil er sämtliche Flugmanöver, einschließlich “trudeln” usw., ausführen kann.

Extra 300L Red Bull - Kunstflugmaschine

Kunstflieger sind “Wahnsinnige” ! Quelle: SPREE FLUG Luftfahrt GmbH

Der Kunstflug ist so alt wie die Fliegerei. Der englische Begriff - Aerobatics - bezeichnet diese Art von Fliegen vielleicht etwas besser, denn hier geht es um akrobatische Flüge. Rowdytum hat hier keinen Platz. Einen Looping zu fliegen, ist eine Sache, einen Looping rund zu fliegen, die andere. Kunstflug verlangt vom Piloten absolute Konzentration und körperliche Fitness und vom Flugzeug einen technisch einwandfreien Zustand. Konsequenz in der Handhabung der Prüflisten, in der Bewertung der Lufttüchtigkeit des Flugzeuges und in der Beurteilung der eigenen körperlichen Verfassung ist ein unbedingtes Muß.

Klarheit bei der Durchführung von Kunstflügen und penibles Einhalten der Sicherheitshöhen und Betriebsgrenzen des Flugzeuges sind unerläßlich. Die Einhaltung einer ausreichenden Höhe dient nicht nur der eigenen Sicherheit, sondern zeigt auch den Respekt vor lärmgeplagten Anwohnern, und dient somit dem Wohle der allgemeinen Luftfahrt.

So erfährt der angehende Kunstflugpilot während seiner Ausbildung auch ein Stück Persönlichkeitsbildung. Hier sollte spätestens klar werden, dass Kunstflug für den Piloten selbst wichtig ist, und dass es nicht darum geht, als Schauobjekt für die Trauben von Zuschauern zu dienen, die nur darauf warten, dass endlich etwas passiert.

Gerade Kunstflugpiloten, ob sie an Wettkämpfen teilnehmen, oder einfach nur eine Kunstflugausbildung haben, wissen um die Betriebsgrenzen ihres Flugzeuges, wissen, wie es in Grenzbereichen reagiert und wissen vor allem, wo der "rote Bereich" (jenseits der Betriebsgrenze) beginnt und dass dieser unbedingt zu meiden ist.

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow

 

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