Internationale Luftfahrtausstellung ILA

Flugzeuge aus der Frühzeit der Luftfahrt

 

Messerschmitt Me 262 B1-A “Schwalbe”: Das erste serienmäßig eingesetzte Militärflugzeug mit Strahltriebwerken

Messerschmitt Me 262 B1-A Schwalbe

Die Messerschmitt Me-262 war das erste serienmäßig gebaute und eingesetzte Kampfflugzeug mit Strahltriebwerken der Welt. Bei dem zweistrahligen Düsenjäger handelte es sich um eine bahnbrechende Konstruktion, bei der Messerschmitt viel Neuland betreten musste. Mit ihren revolutionär gepfeilten Flügeln war die Me 262 viel schneller als ihre Konkurrenten über dem Luftraum Deutschlands. Die Messerschmitt Me 262 wurde als Jäger (= Me 262 Schwalbe) und als Jagdbomber (= Me 262 Sturmvogel) produziert.

Die hier gezeigte Messerschmitt Me-262 ist ein flugfähiger Nachbau. Einige dieser Maschinen wurden 2004/2005 in Everett im US-Bundesstaat Washington fertiggestellt. Eine dieser Nachbauten, die mit geringem Umbauaufwand sowohl als einsitzige als auch als zweisitzige Variante geflogen werden kann, gehört der Messerschmitt Stiftung in Manching, die am 25. April 2006 erstmals flog. Diese Me-262 wurde dann auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin-Schönefeld vom 16. bis 21. Mai 2006 zum ersten Mal vor Publikum geflogen. Im Unterschied zur ursprünglichen Me 262 werden die Nachbauten nicht vom originalen Jumo-Triebwerk angetrieben, sondern von moderneren General Electric J85/CJ-610, welche in anderen Jets eingesetzt werden. Dieser Antrieb ist gut verfügbar und zudem auch wesentlich sicherer zu betreiben.

Messerschmitt Me 262 Schwalbe - Luftfahrtausstellung

Technische Daten:

Nutzung

Strahlflugzeug/Abfangjäger

Besatzung

1

Länge

10,58 m

Spannweite

12,50 m

Höhe

3,83 m

Tragfläche

21,73 m²

Leergewicht

3.800 kg

Startgewicht

6.385 kg

Triebwerk

2 x Junkers Jumo 004 B-1/-2/-3

Art

Strahlturbinen

Schubkraft

2 x 900 Kp

max. Geschwindigkeit

869 km/h in 6.000 m Höhe

Reichweite

1.050 km

Dienstgipfelhöhe

12.190m

Steigflugrate

20 m/sec.

.

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Messerschmitt Me 262 Schwalbe - Cockpit

Baubeschreibung: Erstflug: 1942

  • Typ: 2-strahliger Jagdeinsitzer
  • Flügel: freitragender Tiefdecker mit einteiligem Ganzmetallflügel und einem Holm. Glattblechbeplankung und leichter Pfeilung an der Vorderkante. Zu den Enden hin Verdünnend. 2-teilige Querruder und 3-teilige Landeklappen hinten und automatische Vorflügel vorne.
  • Rumpf: Aufbau in Ganzmetall-Halbschalenbauweise, die in 4 Bauteile unterteilt sind, davon die hinteren 3 in Leichtmetall, während der Rumpfbug aus Stahl besteht
  • Leitwerk: freitragend, mit an der Seitenflosse hochgesetztem Höhenleitwerk (s. Modell unten). Aufbau in Ganzmetall. Sämtliche Ruder mit Trimmklappen versehen.
  • Fahrwerk: hydraulisch einziehbares Dreiradfahrgestell, Haupträder nach innen unter die Flügel, Bugrad nach hinten in den Rumpfbug. Hydraulische Bremsen an allen Rädern und steuerbares Bugrad.
  • Triebwerk: 2 Junkers Jumo 004 B-1 mit je 9 kN in Gondeln unter den Flügeln.
Messerschmitt Me 262 - B1-A Schwalbe

Beschreibung:

Die Messerschmitt Me 262 war das erste militärisch eingesetzte Turbinenluftstrahlflugzeug der Welt. Im Einsatz wurde festgestellt, dass sie durch die sehr hohe Geschwindigkeit und der schnellen Steigfähigkeit, allen alliierten Flugzeugen überlegen war.

Sie war rund 250 Kilometer pro Stunde schneller als die meisten feindlichen Jäger mit Propellern. 1943 lag die Höchstgeschwindigkeit bei deutschen und alliierten traditionellen Jagdflugzeugen bei ca. 650 km/h. Eine weitere Steigerung, mit den bis dahin vorhandenen Möglichkeiten, war nicht mehr machbar. Um noch schneller zu werden nutzten keine stärkeren Motoren mit einer Erhöhung der Drehzahlen. Es fehlte damals nicht an leistungsstarken Flugmotoren. Entscheidend war die Tatsache, dass die Luftschraube, welche die größere Zugkraft erbringen müsste, dabei mit den Propellerspitzen in den Bereich der Schallgrenze vordringt und dann die Leistung abfällt, bzw. die Zugkraft. Auch der als Problemlösung gedachte Einsatz größerer Luftschraubenblätter wurde schon bis zum technisch vertretbaren Maße ausgenutzt.

Diese Erkenntnis, bzw. die physikalischen Grenzen, brachten Ende 1938 die Spezialisten der Flugzeugindustrie auf einen neuen Weg, nämlich zum ”Strahltriebwerk". Das Strahltriebwerk funktioniert aus dem Zusammenwirken von maximalen Luftmengen, die die Verdichterblätter in die permanent brennenden Feuer der Brennkammern drückt. Dort wird sie gewaltig erwärmt, dehnt sich aus und kann nur nach hinten explosionsartig entweichen. Dieses ergibt die Schubleistung nach vome.

Die taktmäßigen Zündungen entfallen also. Ein weiterer Vorteil der Düsen besteht darin, dass auch die vielen mechanischen Gestänge und Getriebe, wie Kolben, Pleuelstangen, Nockenwellen, Kurbelwelle und Untersetzungsgetriebe entfallen. Auch aufwendige Kühlsysteme fehlen. Der Wartungsaufwand war folglich viel geringer, als bei herkömmlichen Kolbenmotoren.

Um höhere Geschwindigkeiten zu erzielen, waren aber Änderungen und Ergänzungen beim Profil der Tragflächen erforderlich. Die Flügel hatten eine bis dahin nicht verwendete leichte Pfeilung und Vorflügel an der Vorderkante der Tragflächen, welche wesentlich zum Erfolg beigetragen haben.

Das neuartige Strahltriebwerk benötigte den anderen Kraftstoff “J-2", statt dem üblichen Flugbenzin. Dieser hatte zwar eine mindere Brennleistung, ließ aber die Flammen in den Brennkammem ständig lodern. Kein Kolbenmotor läuft mit diesem ,minderwertigen" Sprit. Aus 1.000 Litern „J-2° entstehen nur 400 Liter Flugbenzin! Damit war auch der doppelt so hohe Kraftstoffverbrauch des Strahltriebwerkes gerechtfertigt. (nicht zu verwechseln mit heutigem Kerosin)

Eine Herausforderung entstand durch die hohe Geschwindigkeit, welche bei allen Flugmanövern eine erhöhte G-Belastung auslöst. Ein weiteres Problem war, von der hohen Geschwindigkeit wieder herunter zu kommen, um landen zu können. Beim Herunterdrücken des Flugzeugs wurde die Maschine nämlich eher schneller. Propeller, die als Bremse wirken, gab es nicht mehr. Heutige Luftbremsen oder Umkehrschub waren noch unbekannt.

Die Lösung war das “Slippen", also eine Art Schräg- oder Querflug zur eigentlichen Flugrichtung, die das Flugzeug bremste. Gleichwohl war die Strecke des Landeanflugs erheblich länger, als bei herkömmlichen Maschinen. Auch die Aufsetzgeschwindigkeit war höher. Die ,Me-110" schwebte mit 170 km/h an und setzte mit 130 km/h auf, wogegen die „Me 262" mit 240 km/h anschwebte und mit 160 km/h aufsetzte.

Ferner war bei der rasanten Me 262 die alte Jagdflieger-Taktik, im Kurvenkampf den Gegner zu besiegen, nicht geeignet. Jetzt galt es schnell über die Flughöhe des Gegners zu gelangen, um dann von oben im steilen Gleitflug mit höchster Geschwindigkeit auf das Ziel zuzufliegen und in Schussposition zu kommen. Dann erfolgte schnelles Abtauchen und erneutes Aufsteigen auf eine Höhe über dem Gegner.

Die Bewaffnung von 4 Kanonen Typ “MK 108-A-3” vom Kaliber 30 mm mit 360 Schuss und 12 “R4-M-Luft-Luft-Raketen” unter den Tragflächen, war sehr stark.

Die Messerschmitt Me 262 hatte keinen Schleudersitz für den Piloten. Als Sitz wird der ungepanzerte Einheitssitz verwendet, dessen Höhe am Boden und später auch während des Fluges verstellbar ist, heißt es in der Baubeschreibung Me 262 A-1 / A-2 vom 8.8.1943, Blatt 16. Das Bugrad war erstmalig und bedeutete wesentlich bessere Sichtverhältnisse für den Piloten beim Rollen auf dem Flugfeld, sowie beim Starten und Landen.

Die große Erwartung der damaligen deutschen Führung, eine Wende des Luftkrieges zu erreichen, konnten die ca. 1.435 produzierten Me 262 nicht erfüllen. Die Me 262 konnte die Niederlage in diesem Krieg nicht mehr verhindert, da die notwendige Menge an Flugzeugen den Einsatzverbänden nicht zur Verfügung stand, die zur Abwehr der vielen feindlichen Bomber nötig gewesen wäre.

Das sog. “Wunder” dieser neuartigen Waffe bestand aber in der Tatsache, dass Ingenieure und Techniker der Luftfahrtindustrie in nur 4 Jahren eine neue Epoche der Fliegerei mit diesem Flugzeug eingeleitet haben. Das heutige “Jet Zeitalter" der Luftfahrt wurde durch diese Maschine begründet.

Messerschmitt Me 262 Schwalbe - Berlin Air Show

Entstehungsgeschichte und Einsatzbereiche:

Die Entwicklung dieses Düsenflugzeuges begann im Herbst 1938 bei der Firma Messerschmitt AG, die vom damaligen Reichsluftfahrtministerium den Auftrag zum Bau eines luftstrahlgetriebenen Jagdflugzeugs erhielt. Das Projekt erhielt die Bezeichnung P.1056 und wurde im Juni 1939 abgeschlossen. 1940 wurde ein Auftrag über drei Prototypen vergeben. Das Reichsluftfahrtministerium erteilte dem Projekt die Nummer 262.

Im April 1941 waren die drei Prototypen fertig gestellt. Sie hatten aber zunächst keine Düsen, da die Strahltriebwerke noch nicht serienreif waren. Daher wurde zunächst auf einen zentral im Bug angebrachten Junkers “Jumo 210 G” Kolbenmotor zurückgegriffen. Der Erstflug der Me 262 V1 erfolgte am 18. April 1941.

Am 18. Juli 1942 erfolgte in Leipheim der erste erfolgreiche Flug einer ausschließlich mit Strahltriebwerk ausgerüsteten Me 262. Zum Einsatz kam die Turbine Junkers Jumo 004. Im Oktober 1943 war der Prototyp der A-Serie fertig. Er hatte ein Burradfahrwerk, ein elektrisch betriebenes Höhenleitwerk und gepfeilte Tragflächen für den Hochgeschwindigkeitsflug. Höchstgeschwindigkeiten von rund 870 Kilometer pro Stunde machten die Me 262 zur angeblich idealen “Wunderwaffe” im 2. Weltkrieg.

Die Fertigstellung erfolgte dezentral, wobei die Flugzeugzelle bei Messerschmitt und das Strahltriebwerk bei Junkers hergestellt wurde. Sie litt unter den Kriegsverhältnissen, wie z.B. den Ausfall von Fertigungsstätten durch Feindeinwirkungen, Materialengpässen und Problemen bei den Transportsystemen. Die Piloten kämpften ferner anfänglich mit „Kinderkrankheiten“und der unbekannten Aerodynamik bei diesen Geschwindigkeiten.

Wesentlicher waren aber die Streitigkeiten innerhalb der höchsten Führungsebene, welche die Produktionsmenge erheblich beeinflussten. Hitler schaltete sich persönlich ein, und nach Rücksprache mit Prof.-Dr. Messerschmitt, der seinen Vorschlag für machbar hielt, sollte die “Me-262” ein schneller Jagdbomber werden. Diese Entscheidung entpuppte sich als strategischer Fehler ! Sie erforderte entsprechende konstruktive Änderungen und außerdem löste sie erheblichen Widerspruch bei der Jagdflieger-Elite aus. Sie sahen in diesem Flugzeug als Jäger eine sehr gute und überlegene Abwehrwaffe gegen die alliierten Bombenangriffe. Auch Hermann Göring, als alter Jagdflieger, schaltete sich ein, konnte sich jedoch gegen Hitler nicht durchsetzen. Diese Quertreibereien erstreckten sich über eine längere Zeit und wirkten sich auf die anfänglichen Produktionsmengen entsprechend aus.

Jan.

Feb.

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sep.

Okt.

Nov.

Dez.

1944

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1

15

7

28

58

15

94

118

101

131

1945

228

296

240

103

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Im Sommer 1944 flogen Erprobungseinheiten die ersten Fronteinsätze an der Invasionsfront in der Normandie, wobei die Verwundbarkeit der Me 262 bei Start und Landung deutlich hervortrat. Der eigentliche Fronteinsatz erfolgte daher erst im Oktober 1944. Die Aufstellung der ersten Jagd- und Kampfgeschwader begann ebenfalls im Herbst 1944.

Von den “Me 262” standen nur etwa 200 bis 250 gleichzeitig bei den Kampfeinheiten im Einsatz. Viele der produzierten Düsenjäger konnten nicht mehr an die Fronteinheiten ausgeliefert werden, viele wurden am Boden zerstört. Die Gründe hierfür waren die massiven Bombenangriffe der Alliierten und der Mangel an Treibstoff und Ersatzteilen sowie das Fehlen von ausgebildeten Piloten am Ende des Krieges.

Messerschmitt verlagerte die serielle Rumpf-Produktion in großem Stil in damals streng geheime und neugeschaffene unterirdische Werke der “Erd- und Steinwerke GmbH” in Sankt Georgen. Ab Mai 1945 sollten dort monatlich bis zu 1250 Maschinen vom Fließband laufen. Die Tragflächen wurden zwischen April 1944 und April 1945 durch Häftlinge des KZ Leonberg in den ehemaligen Engelberg-Tunnelröhren produziert.

Insgesamt wurden vom März 1944 bis Mai 1945 rund 1435 Flugzeuge ”Me-262" ausgeliefert. Davon ging eine erhebliche Anzahl auf Lagerplätzen und auf den Transporten verlustig, bzw. wurden beschädigt. Während der gleichen Zeit wurden von der Firma Junkers insgesamt 6.000 Stück “Jumo-004” Strahltriebwerke gebaut.

Wäre die Me 262 in ausreichender Stückzahl verfügbar gewesen und rechtzeitig als Abfangjäger eingesetzt worden, hätte sie den weiteren Kriegsverlauf bezüglich der verheerenden Bombenangriffe auf deutsche Städte durchaus beeinflussen können.

Während des 2. Weltkrieges fanden nur in Großbritannien und in den USA entsprechende Entwicklungen statt. Jedoch nicht mit der Intensivität, da man überwiegend auf die Verbesserungen bei den Kampfflugzeugen mit Kolbenmotor setzte. Lediglich die Engländer erzielten zum Ende des Krieges mit der „Gloster Meteor" einen kleinen Erfolg, die auch noch in die Kämpfe eingreifen konnte.

Heute sollen weltweit nur noch 9 Originale der Me 262 in verschiedenen Museen existieren. Einige Nachbauten wurden 2004/2005 in Everett im US-Bundesstaat Washington fertiggestellt. Eine dieser Maschinen, die mit geringem Umbauaufwand sowohl als einsitzige als auch als zweisitzige Variante geflogen werden kann, ist für die Willy-Messerschmitt-Stiftung in Manching bestimmt. Sie ist am 25. April 2006 erstmals geflogen. Diese Maschine wurde dann auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin-Schönefeld vom 16. bis 21. Mai 2006 erstmalig vor deutschem Publikum geflogen.

Messerschmitt Me 262 - flugfähiger Nachbau
Messerschmitt Me 262 - Bugansicht
Messerschmitt Me 262 - Frontansicht
Messerschmitt Me 262 - Vorfeld
Messerschmitt Me 262 - Seitenansicht
Messerschmitt Me 262 - startfertig
Messerschmitt Me 262 - Berlin Schönefeld
Messerschmitt Me 262 - Strahlflugzeug
Messerschmitt Me 262 - Bug
Messerschmitt Me 262 - Rollfeld
Messerschmitt Me 262 - Flug
Messerschmitt Me 262 - Überflug
Messerschmitt Me 262 - Düsenflugzeug
Messerschmitt Me 262 - Landeanflug
Messerschmitt Me 262 - Landung
Messerschmitt Me 262 Luftfahrtausstellung
Messerschmitt Me 262 - Wartungsarbeiten

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow (Berlin, Spandau)

 

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