Internationale Luftfahrtausstellung ILA

Flugzeuge aus der FrĂŒhzeit der Luftfahrt

 

Boeing Stearman PT-17: zweisitziges Doppeldecker-Schulflugzeug des US-amerikanischen Herstellers Stearman Aircraft Company, spÀter Boeing Airplane Co.

Stearman PT 17 Wingwalking

Unter “Wingwalking” versteht man im deutschen “TragflĂ€chenspaziergang”, wobei eine akrobatische StuntvorfĂŒhrung auf FlugzeugtragflĂ€chen gemeint ist. Geeignet sind relativ langsam fliegende Flugzeuge mit einer festen TragflĂ€che. Hierbei handelt es sich hĂ€ufig um Doppeldecker. Ein auch heute noch bei Air Shows verwendetes Flugzeug ist die oben abgebildete Boeing Stearman PT-17. Die einzige deutsche Vertreterin dieser Luftakrobatik ist Peggy Krainz aus Sasbachwalden, die u.a. mit diesem Flugzeug fliegt.

Stearman PT 17 - Wingwalking

Technische Daten:

Spannweite

9,8 m

LĂ€nge

ca. 7,4 m

Höhe

2,8 m

Originalmotor

Continental R-670

Leistung

220 PS

Höchstgeschwindigkeit

200 km/h

Reichweite

810 km

Leergewicht

880 kg

Max. Startgewicht

1230 kg

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Stearman PT 17 - Cockpit

Die "Stearman" gilt als der spektakulĂ€rste Doppeldecker aller Zeiten. Die Entwicklung des Stearman Doppeldeckers in Amerika geht auf das Jahre 1927 zurĂŒck. In diesem Jahr grĂŒndete Lloyd C. Stearman durch die Übernahme der GeschĂ€ftstĂ€tigkeiten und des Personals der Firma Lyle-Hoyt Aircraft seine Firma Stearman Aircaft Company in Kalifornien. Daher der Name Stearman.

Im September 1934 wurde diese Firma gezwungen, die GeschĂ€ftsbereiche Fluggesellschaft und Flugzeugherstellung zu trennen. Die Firma Stearman Aircraft Company wurde daher von Boeing erworben. Aus den “Stearman-Werken” wurde eine Tochtergesellschaft von Boeing. Diese ĂŒbernahm also die weitere Fertigung von dem ursprĂŒnglichen Konstrukteurs. Somit bekam dieser Doppeldecker die Bezeichnung “Boeing Stearman”.

Ein Bedarf an neuen Schulflugzeugen fĂŒr die US Armee fĂŒhrte im Jahre 1934 zur Entwicklung und zum Bau eines Prototyps unter der Bezeichnung Stearman X-70. Im Dezember startet der in Gemischtbauweise gefertigte Doppeldecker zum Erstflug.

Der Prototyp erwies sich als sehr robust mit gleichzeitg guten Flugeigenschaften. Das einstielige Tragwerk war primĂ€r aus Holz konstruiert und mit Stoff bespannt. Die Zelle bestand aus einem StahlrohrgerĂŒst, dass ebenfalls in weiten Teilen mit Stoff bespannt wurde. Die gestaffelten TragflĂ€chen haben fast die gleichen LĂ€nge. Das unverstrebte und solide dimensionierte Hauptradwerk ist mit verkleideten Ölfedern-StoßdĂ€mpfern ausgestattet.

Die US-Navy testete das Modell X70 im Jahre 1934 und nach zögerlichen Ausschreibungen des US-MilitÀrs folgte im Juli 1935 der erste Auftrag zum Bau von 26 PT-13, obwohl schon zu damaliger Zeit ein Design als Doppeldecker bereits veraltet war.

Danach folgten weitere (ca.) 100 Bestellungen, jedoch mit der Auflage, dass man die im BestĂ€nden der Navy vorhandenen Sternmotoren Wright-J5 bzw. Wright R-790-8 einbauen soll. Diese Serie wurde von der Navy als Modell N2S-1 gefĂŒhrt, bzw. bekam vom Hersteller die Bezeichnung "Modell 73". Die ersten Bestellungen des verbesserten Modells 75 fanden seitens der US-Arme im Jahre 1936 statt.

Aufgrund der Kriegsgeschehnisse und der damit verbundenen hohen Piloten-Nachfrage gab es auch einen großen Bedarf an Schulflugzeugen. Sowohl die USAAF also auch die US-Navy ĂŒberschwemmten Boeing mit FertigungsauftrĂ€gen. Schließlich wurden weit ĂŒber 10.000 Boeing Stearman in den unterschiedlichsten Versionen gebaut.

Der Unterschied lag jedoch hauptsĂ€chlich in dem verwendeten Antrieb. Stearmans wurden u.a. ausgestattet mit Sternmotoren von Lycoming (PT 13), Continental (PT 17) oder Jacobs (PT 18). Die bekannteste Variante war jedoch die PT-17, von der etwa 3.600 Flugzeuge zur Schulung der angehenden Piloten gebaut wurden. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Flugzeuge mit dem Antrieb von Pratt & Whitney mit 450 HP aufgerĂŒstet.

Das US Army Air Corps setzte sie mit den Bezeichnungen PT-13, PT-17 und PT-18 Kaydet als Flugtrainer ein, bei der United States Navy als N2S. Von der PT-27 wurden 300 ab 1942 zur Royal Canadian Air Force exportiert, von der PT-17 gingen 150 StĂŒck nach China (einschließlich Lizenz zum Nachbau) und insgesamt rund 50 nach Brasilien, Dominikanische Republik, Guatemala, Kuba und Venezuela.

Etwa 2.100 Maschinen wurden nach 1945 als SprĂŒhflugzeuge in der Landwirtschaft eingesetzt. Dazu wurden die FlĂŒgel mit Metall verkleidet, da die Chemikalien der Landwirtschaft die Leinenbespannung angegriffen hĂ€tten. Danach wurden die meisten Maschinen verschrottet. Erst spĂ€ter begann man, die letzten vorhandene Flieger zu restaurieren. Sie fanden dann die Verwendung im Kunstflug oder bei "Walking-Shows" in zahlreichen Airshows.

Die “Super Stearman” ist die Sportversion dieses Flugzeugs. Im Gegensatz zur klassischen Version wurde sie mit einer Motorhaube versehen, trĂ€gt eine rot-weiße Lackierung und hat vier Querruder.

Bei Boeing liefen die Maschinen ĂŒbrigens unter der Bezeichnung Model 75, die auch wĂ€hrend des Krieges offiziell so beibehalten wurde. Erst spĂ€ter bekamen viele dieser Trainer z.B. die Bezeichnung “PT 17”. Es setzte sich aber auch der Name “Stearman 75” durch. Obwohl ab dem Zeitpunkt der Übernahme auf allen Namensschildern, den BordbĂŒchern, den Wartungsunterlagen usw. der Name "Boeing" verwendet wurde, wurden die Flugzeuge von jedermann weiterhin "Stearman" genannt. In Kanada war dieser Typ auch als “Kaydet” bekannt. Die Maschine bekam auch aufgrund des intensiven Einsatzes fĂŒr AnfĂ€ngertraining und der typischen Bemalung den Spitzenname "Yellow peril" (gelbe Gefahr).

Stearman PT 17 - Luftfahrtausstellung

Die Versionen im Einzelnen:

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Versionen der US Army Air Corps:

PT-13

mit Lycoming R-680-5 (215 HP)

PT-13A

mit Lycoming R-680-7, verbesserte Instrumentierung (220 HP)

PT-13B

mit Lycoming R-680-11

PT-13C

zusĂ€tzliche Instrumentierung fĂŒr Nachtflug

PT-13D

mit Lycoming R-680-17

PT-17

mit Continental R-670-5

PT-17A

BlindflugausrĂŒstung

PT-17B

landwirtschaftliche SprĂŒhanlage

PT-18

mit Jacobs R-755-7

PT-18A

BlindflugausrĂŒstung

PT-27

Exportversion nach Kanada, Winterausstattung

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Versionen der US Navy:

N2S-1

Continental R-670-14

N2S-2

Lycoming R-680-8

N2S-3

Continental R-670-4

N2S-4

Continental R-670-5

N2S-5

Lycoming R-680-17

Stearman PT 17 - Seitenansicht
Stearman PT 17 - Flugansicht
Stearman PT 17 - Kunstflug
Stearman PT 17 - Flug
Stearman PT 17 - Rollfeld

 

Copyright © Flugzeuglexikon von Wolfgang Bredow (Berlin, Spandau)

 

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